ein streifzug durch magische landschaften

Wir begleiteten die Künstler Maria, Regina und Pol durch die wunderschönen Landschaften der amerikanischen Westküste.

von Monse Castera
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11 Juni 2015, 3:15pm

Random Trip ist ein Projekt des Fotografen und Art Directors Pol Agusti, bei dem eine kleine Gruppe von Künstlern auf eine Reise geschickt wird, auf der sie festhalten, wie und was sie für Arbeiten kreieren und ihre Erlebnisse dokumentieren. So entstehen neue Projekte, Beziehungen und persönliche Erfahrungen sowie ein Fototagebuch von dem Gesehenen und Gemachten.

Random Trip: Magic Landscape ist die erste Ausgabe dieser Tagebücher. Zusammen mit den spanischen Künstlerinnen Maria Pratts und Regina San Martino begab sich Pol auf eine Odyssee durch die ausgewaschenen Landschaften des amerikanischen Westens; von den Reservaten der amerikanischen Ureinwohnern bis zu Wüsten und schneebedeckten Bergen. Wir trafen Rol, Regina und Maria und sprachen mit ihnen über ihre Streifzug durch diese magische Landschaft.

Wie kamst du auf die Idee zu Random Trip?
Rol: Random Trip ist ein Projekt, das meine beiden Leidenschaften Reisen und Fotografie miteinander verbindet. Es ist die perfekte Ausrede, um die Leute zu treffen, mit denen ich meine Zeit und meine Ideen teilen möchte. Ich war schon immer der Meinung, dass die besten Gespräche in Autos stattfinden. Die Leute verbringen so viel Zeit in ihren Autos und sind dort gefangen, dass sie letztlich alles über ihre Leben darin preisgeben. Es ist ein bisschen so wie auf der Couch bei einem Therapeuten.

Die Idee dahinter ist es, mit verschiedenen Künstlern zu reisen, kurze Trips an Orte mit einer spektakulären Landschaft zu machen und die Künstler erschaffen etwas. Meine Aufgabe besteht darin, Fotos vom Schaffensprozess und vom fertigen Kunstwerk zu machen. Es ist sehr schön zu sehen, wie ein Künstler die Reise angeht und damit umgeht.

Warum hast du L.A. und diese Route für den ersten Trip ausgewählt?
Regina: Maria erzählte mir, dass sie für anderthalb Monate nach L.A. kommen würde und zur selben Zeit erzählte mir Pol, dass er vor hat, nach Mexiko-City zu fliegen. Also habe ich Pol überredet, sie zu besuchen, weil ich wusste, dass es magisch sein würde. Der Rest hat sich so ergeben.

Was habt ihr euch von dem Trip erhofft?
Maria: Ich war davor noch nie in den USA! Und jetzt kann ich sagen, dass ich halluzinogene Drogen mit Hopi-Indianern genommen habe. Viele ihrer Städte sind praktisch verlassen - post-apokalyptisch - und die Hopi nutzen leere Ölfässer, zum Feuer zu machen. Das war so ein Kontrast zu L.A., wo die Leute von Bio-Lebensmitteln, Bio-Obst und Bio-Gemüse besessen sind. Ich habe aber auch amerikanische Popmusik entdeckt. Scheiße, ich liebe Drake!

Wer ist verrückter? Pol oder Maria?
Regina: Pol.

Was hast du über Maria erfahren, dass du vor dem Trip noch nicht wusstest?
Pol: Maria ist wirklich weise. Sie kann Weisheiten in ein paar Worten ausdrücken, was für jemanden, der so jung ist, schon sehr überraschend ist. Sie hat das Herz einer Person, die noch nie Böses oder Schlechtes erfahren musste.

Was hast du über Regina und Pol erfahren, dass du noch nicht wusstest, Maria?
Maria: Sie sprechen immer über Sex … Nein, ich mache nur Spaß. Vor dem Trip kannten wir uns nicht so gut, aber es wurde sehr intensiv, am Ende schliefen wir alle im selben Bett. Ich betrachte das Leben gerne aus verschiedenen Perspektiven. Ich habe Reginas neues Projekt entdeckt, das ich sehr interessant finde. Sie kommt aus Argentinien und findet toll, dass wir in Katalonien, wo ich herkomme, Caganer haben. Das ist eine Figur, die einen Typen darstellt, der versteckt hinter einem Busch scheißt, üblicherweise wird er mit einer roten Mütze und Pfeifen rauchend gezeigt. Er ist Teil unserer Folklore. Deshalb hat sie eine Video- und Fotoreihe begonnen, in denen sie zu sehen ist, wie sie draußen scheißt.

Woran werdet ihr euch immer erinnern?
Maria: Wahrscheinlich als ich die Tür zu unserem Motelzimmer in Las Vegas geöffnet habe und Regina erwischt habe, wie sie neben dem Bett splitterfasernackt steht, Fernsehen guckt und mit einem Kleenex in ihrem Ohr kratzt.

Was war der lustigste Moment?
Regina: Wir dachten, dass wir in die Wüste fahren würden - Hitze, wenig Klamotten, nackt -, aber wir fanden uns dann im Schnee wieder - ein paar Grad unter Null, im Wald. Wir mussten uns nach dem Zwiebelprinzip anziehen und Klamotten tauschen, damit wir nicht erfrieren.

Was war der unheimlichste Moment?
Regina: Wir waren auf dem Highway in Arizona und fuhren durch diese fantastische Mondlandschaft, also haben wir uns spontan entschieden, dass Auto zu parken und auszusteigen, um ein paar Bilder zu machen. Der Untergrund bestand ausschließlich aus Treibsand, was wir nicht gemerkt haben und waren dann vollständig damit zugedeckt - im Nirgendwo, mit Sand bis zu unseren Augenbrauen und kein Handyempfang, um Hilfe zu rufen. Glücklicherweise fuhr ein Typ mit einem knallgelben Van vorbei, hielt an und rettete uns. Danke Mitch!

Was gefällt dir an Marias Arbeit am besten? 
Regina: Ich liebe es, wenn sie Kleidung bemalt. Ich möchte den Grand Canyon Pullover die ganze Zeit tragen. 

Welche Arbeit, die während Random Trip entstanden ist, gefällt dir am besten?
Maria: Wir waren im Mishnognovi Village in Arizona, es war magisch und gespenstisch. Wir sind um 5 Uhr aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu sehen, also sind wir sehr früh in dieser Stadt gewesen. Fast alle schliefen noch, außer ein Mann, der Feuer gemacht hat, um Pudding zu kochen. Die Häuser sahen so aus, als ob sie aus dem zusammengezimmert worden wären, was gerade zufällig da war: Holz, ein paar Glasteile, Ziegelstücke, alles war voller Abfall. Ich dachte, dass ich ein bisschen von dem Abfall nehmen könnte, um Skulpturen zu machen oder dass ich Graffiti malen kann. Die Bewohner haben uns nicht gemocht. Ich glaube, dass sie nicht verstanden haben, nach was ich gefragt habe, aus etwas Schmutzigem etwas Schönes zu machen. Schließlich habe ich ein paar Stücke Holz, Müllsäcke und Abfall bekommen und daraus einen wunderschönen Altar gefertigt, um die Elemente Regen, Freude, Reichtum und Glück zu feiern. Und ich rief die Elemente auf, die Stadt zu segnen und dort zu bleiben. 

Habt ihr vor, nun mehr gemeinsame Projekte zu realisieren?
Pol: Während des Trips sind uns Ideen zu weiteren Projekten gekommen. Regina arbeitet an ihrer Performance Cat Life und zeichnete mehrere Aquarelle von wichtigen Personen, die wir auf dem Trip kennengelernt haben, viele davon waren amerikanische Ureinwohner, die uns nicht erlaubt haben, sie zu fotografieren. Im Auto mussten wir uns dann alle an ihre Merkmale erinnern, damit sie die Aquarelle anfertigen konnte.

Wenn du dir einen Künstler zum gemeinsamen Reisen aussuchen könntest, wer wäre das?
Pol: Ich würde wahrscheinlich einen Künstler auswählen, der schon tot ist. Mein nächster Reisekompagnon ist Théo Mercier.

Credits


Text: Monse Castera
Fotos: Pol Agusti

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