caitlin stasey erobert mit ihren nacktfotos den weiblichen Körper zurück

Die offenherzige Website Herself.com der australischen Schauspielerin hat seit ihrem Launch viel Aufmerksamkeit bekommen. Indem sie unretouchierte Fotos von Frauen mit Ecken und Kanten veröffentlicht und den Aufnahmen sehr intime Interviews beiseite...

von Felicity Kinsella
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30 Januar 2015, 8:45am

Wenn du Anfang bis Mitte 20 bist, kennst du Caitlin Stasey vielleicht in ihrer Rolle als Frankie in Der Sleepover Club von vor zehn Jahren, aus der australischen Fernsehserie Nachbarn von vor fünf Jahren oder aus ihrer aktuellen Rolle in Reign, aber wie sich sich nun präsentiert, hast du sie wahrscheinlich noch nie gesehen. Seit sie ihre Website, Herself.com, gestartet hat, wurden Nacktbilder von ihrem Körper und anderer Frauen überall im Internet geteilt, geliked und kommentiert. Diese von der Fotografin Jennifer Toole geschossenen Bilder wurden nicht aus irgendwelchen privaten iClouds gestohlen und im Internet ohne deren Zustimmung gepostet, sondern sollen Frauen unretouchiert und echt zeigen. Der Fokus liegt nicht auf Sexualisierung, sondern auf Einfühlungsvermögen und Nähe. Zusätzlich werden die Bilder von intimen Interviews begleitet, die Caitlin selbst durchgeführt hat und die Themen ansprechen, die normalerweise vermieden werden. Sie reden offen über ihren Körper, Pubertät, Masturbation, vorgetäuschte Orgasmen, Religion, Abtreibung, ihre eigenen Erfahrung mit der Objektivierung von Frauen und erobert so den weiblichen Körper jenseits von männlichen Blicken zurück. Caitlin Stasey pusht Feminismus einen großen Schritt weiter. i-D sprach mit der Schauspielerin über die gute aber auch über die schlechten Reaktionen auf ihre Website.

Wie kam dir die Idee für Herself.com?
Ursprünglich war es ein Forum für Frauen, auf dem sie Gesundheitsprobleme, Harnweginfekte und sexuelle Funktionsstörungen diskutieren konnten. Aber nach einem Jahr des lautstarken Feminismus im Internet, denkt an #yesallwomen, #whyistayed, wollte ich eine Plattform für Frauen schaffen, denen diese Fragen gewöhnlich nicht gestellt werden.

Was waren die positive Reaktionen auf die Website?
Unglaublich viele E-Mails von Frauen aus der ganzen Welt, die sich in den Worten, Körpern und Geschichten auf Herself.com wiedergefunden haben. Ich habe auch tolle E-Mails von Vätern junger Töchter erhalten, die die Seite eines Tages mit ihren Töchtern teilen wollen.

Und die negativsten?
Es gab vereinzelt negative Reaktionen. Meistens nur idiotische Journalisten, die den Begriff male gaze falsch verwenden.

Gehst du immer so offen mit deinen Gefühle und deinem Körper um?
Ich versuche es, aber nicht weil ich ein Publikum suche, sondern weil ich selbst als junges Mädchen keinen Bezugspunkt hatte. Es gab keine Frau, die mir gesagt hat, dass ich nicht alleine bin und dass alles, was ich durchmache, total normal ist.

Denkst du, dass mehr Leute so offen sein sollten?
Ich denke, dass der Körper benutzt werden sollte, wie jeder oder jede es will. Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht und niemand sollte slut-shaming, body-shaming oder seine Unsicherheiten auf andere übertragen. 

Was antwortest du denjenigen, die die Meinung vertreten, dadurch, dass du noch mehr Nacktbilder von Frauen im Internet veröffentlichst, fütterst du das System, unter dem Frauen zu Objekten gemacht werden?
Frauen werden zu Objekten, unabhängig von ihrer Kleidung oder ihren Taten. Die bloße Existenz der Frau reicht aus, um von einem Mann sexualisiert und von der Welt bevormundet zu werden. Zu sagen, dass öffentliche Nacktheit die systematische Unterdrückung befeuert ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Die Aussage impliziert doch, dass Frauen für Taten gegen sie selbst verantwortlich sind, dass Frauen aufpassen müssen, wie sie wahrgenommen werden aus Angst davor, Gewalt gegen uns anzuzetteln. Diese Einstellung nennt man Rape Culture, die weit subtiler und gefährlicher ist, als wir uns bewusst sind.

Wo liegt die Grenze zwischen der Rückeroberung des weiblichen Körpers und der gesellschaftlichen Objektivierung des weiblichen Körpers?
Wo auch immer du sie als Frau ziehst.

Casey Calvert, die du auf deiner Website interviewt hast, argumentiert, dass Feminismus und Pornografie vereinbar sind - Stimmst du zu?
Ich glaube es, wenn sie es glaubt - es ist ihre Geschichte, ihre Meinung und wer bin ich denn, ihr zu sagen, dass sie falsch liegt? Viele Frauen, die keine Prostituierten sind, sehen das wahrscheinlich anders. Es geht um persönliche Erfahrung.

Fühlst du dich immer noch unsicher in deinem Körper?
Natürlich. Ich habe genauso viele Ängste und Zweifel wie jede andere Frau. Sie entstammen aus den Geschichten, die nicht von uns geschrieben wurden, sondern von Männern für Frauen.

Was hoffst du, dass junge Frauen von der Website mitnehmen?
Solidarität, einen Sinn für Gemeinschaft, Liebe für sich selbst und andere sowie eine starke Stimme.

Wo siehst du die Zukunft der Website?
Irgendwann möchte ich mit Herself.com die Welt bereisen, in die Türkei, Sri Lanka, Indonesien und so weiter, Frauen aus der ganzen Welt treffen und ihre Geschichten, ihre Meinungen und ihre Zukunftshoffnungen hören.

Glaubst du, dass sich die Dinge in der Zukunft bessern werden?
Es geht langsam voran, aber es geht voran. Wir entwickeln uns moralisch und logisch weiter und ich fühle, dass wir auf dem richtigen Weg zur Gleichstellung von Frau und Mann sind, auch wenn es nicht mehr zu meinen Lebzeiten passiert. Ob die Menschheit lang genug existiert, um es zu genießen, ist eine andere Frage.

herself.com

Credits


Text: Felicity Kinsella
Fotos: Jennifer Toole

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