Kari Faux; D'ana Covl 

5 Freelancerinnen erklären dir, wie du nach mehr Geld fragst

Um genauso viel wie ein weißer Mann zu verdienen, müsste eine schwarze Frau 200 Tage mehr arbeiten – und Freelancer müssen jede Rechnung verhandeln.

von Rae Witte
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02 November 2018, 8:49am

Kari Faux; D'ana Covl 

Im Durchschnitt verdienen Frauen im Jahr 2018 $.80 für jeden Dollar, den Männer verdienen. Was im Grunde genommen bedeutet, dass Frauen 10 Wochen im Jahr unbezahlt arbeiten. Es gibt sogar eine noch größere Kluft hinsichtlich der Herkunft: Schwarze Frauen verdienen durchschnittlich $.63 für jeden Dollar, den ein weißer Mann verdient. Um genauso viel Einkommen wie ein weißer Mann zu haben, müsste eine schwarze Frau 200 Tage mehr arbeiten.


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Zwar greifen die Zahlen auf Festanstellungen zurück, trotzdem zeigen Statistiken, dass dieses Ungleichgewicht auch in weniger traditionellen Jobverhältnissen existiert. Laut einem Bericht der Bureau of Labor Statistics verdienen Freelancerinnen 21.5% weniger pro Woche als ihre männlichen Kollegen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Freelancerinnen im Gegensatz zu festangestellten Frauen fast jedes Gehalt verhandeln müssen.

i-D hat fünf selbstständige Frauen aus verschiedenen kreativen Berufsfeldern getroffen, um herauszufinden, wie du nach mehr Geld fragen kannst und deinen eigenen Wert zu schätzen lernst.

Amrit by Dylan Warmack
Foto: Dylan Warmack

Amrit Sidhu, Creative Consultant und DJ

"Ich habe schon sehr früh gelernt, nach mehr Geld zu fragen. Meine Mutter war Anwältin und hat mir früh beigebracht, wie man richtig verhandelt. Nach mehr zu fragen, muss nicht immer in einem finanziellen Zusammenhang stehen.

Hier sind einige Faktoren, auf die ich während des Verhandlungsprozesses achte: Stecke deutlich ab, für welche Zwecke deine Arbeit verwendet wird (für werbliche solltest du immer einen Zusatztarif festsetzen). Schlage vor, mit deinem eigenen Team zu arbeiten. Frage nach, ob die Agentur den Transport übernimmt. Frage den Kunden, ob sie deinen Gig auf ihren sozialen Medien teilen, um mehr Leute darauf aufmerksam zu machen. Schlage selbst den DJ vor, der als Opening Act spielen soll. Handle weniger Spielzeit aus, und so weiter. Es gibt viele Möglichkeiten, um das geringe Budget anderweitig auszugleichen.

Ich schlage immer vor, dass der Kunde mit seinem Angebot auf mich zukommt. Sag niemals von Anfang an, wie viel du pro Gig verlangst, sondern frage erst nach dem Budget der Promoter. Sag ihnen, dass du gerne damit arbeiten würdest, dafür aber Transparenz brauchst, um zu sehen, was du ihnen für das Geld anbieten kannst. Und involviere so viele deiner Freunde wie möglich. Was du anderen Gutes tust, kommt irgendwann zu dir zurück."

@itsamrit

Stephen Ward for Dion-Lee
Foto: Stephen Ward for Dion-Lee

Krista Chiu, Consultant

"Meine Philosophie beinhaltet, nie Angst davor zu haben, einen Auftrag zu verlieren. Ich treffe keine Entscheidungen aus Angst heraus. Außerdem musst du wirklich daran glauben, was du machst. Wenn du das nicht schon tun solltest, nimm dir die Zeit, so lange an etwas zu arbeiten, bis du stolz darauf bist.

Du musst dich gut informieren, um zu verstehen, wie viel du für deine Arbeit im Durchschnitt verlangen kannst. Danach kannst du herumspielen, wie viel niedriger oder höher du pitchen möchtest. Denke strategisch und pitche ein Projekt nach dem anderen, anstatt einen Tagessatz anzubieten. So verliert der Kunde nicht den Überblick über das maximale Budget, das er bereits für das jeweilige Projekt im Kopf hat. Wenn du in einen Pitch gehst, gehe vorher alle Möglichkeiten durch, damit du bereit dafür bist, das Beste herauszuschlagen. Frage nach Press Coverage und Erwähnungen auf sozialen Medien für dein eigenes Branding, falls der Kunde deine Budget-Wunschvorstellungen nicht erfüllen kann. Und mein letzter Rat: Frag einfach nach."

@khlorisny

TrakGirl by Lauren Lepore
Foto: Lauren Lepore

TrakGirl, Musikproduzentin

"Über die Zeit habe ich das Vertrauen entwickelt, meinen Wert zu erkennen. All die Stunden die ich im Studio verbracht habe, haben mir dabei geholfen. Produzenten müssen für ihre Arbeit entlohnt werden! Auch wenn sich die Angebote manchmal frustrierend anfühlen, muss in den Verhandlungen immer ein respektvoller Ton herrschen. Meiner Ideologie nach sind Produzenten Künstler – und sollten auch wie solche behandelt werden. Informiere dich und sei wettbewerbsfähig mit deinem Tagessatz. Dein Wert steigt, je mehr du arbeitest. Dass Produzenten nicht angemessen entlohnt werden, hat mich dazu inspiriert, meine Plattform Pay Us Today zu gründen.

Ich rate jeder jungen Freelancerin dazu, keine Angst davor zu haben, für sich selbst einzustehen. Ich beharre darauf, dass Frauen ihre Stimme nutzen. Wenn jemand dich zurückhält und den Wert deiner Arbeit nicht erkennt, ist diese Person höchstwahrscheinlich auch nicht die richtige für eine Zusammenarbeit."

@trakgirl

Dana Covl by PARA
Foto: PARA

D'ana Covl, Digital Artist

"Genau so sehr, wie wir uns für andere einsetzen, sollten wir das Gleiche auch für uns tun. Stell dich selbst an erste Stelle in den Verhandlungen um Geld. Um ehrlich zu sein, kämpfe ich selbst immer noch damit. Trotzdem kann ich guten Gewissens behaupten, dass all meine Errungenschaften darauf zurückzuführen sind, dass ich den Wert meiner Arbeit erkannt habe. Dimepiece bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt: "Kenne deinen Wert, dann schlag noch die Steuer obendrauf."

@itscovl

Kari Faux by Chinedu Nwakudu
Foto: Chinedu Nwakudu

Kari Faux, Recording-Artist und DJ

"Ich habe gelernt, nach mehr Geld zu fragen, indem ich es einfach gemacht habe. Dir ist der Wert deiner Arbeit bewusst, warum also den anderen nicht auch? Wenn ich meine Konditionen nenne und mein Gegenüber kann sie sich nicht leisten, habe ich keine Angst davor, das Angebot dankend abzulehnen. Manchmal öffnet dir ein "Nein" auch eine Tür für ein anderes Projekt. Hab' einfach keine Angst davor, nach dem zu fragen, was dir zusteht."

@karifaux

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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