das „yo! sissy"-festival ist das erste queere festival berlins

Wir haben die fabulösen Macher des noch fabulöseren, queeren „Yo! Sissy"-Festivals in Berlin zum Interview gebeten.

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21 Juli 2015, 8:10am

Berlin, die Stadt in der alles geht und nichts unmöglich scheint. Jeder kann so sein, wie er will, machen, was er will, und sich anziehen, wie er will. Hier wird man nicht komisch angeschaut, wenn man um 10 Uhr morgens verstrahlt aus dem Club kommt oder ein Typ in High Heels das Maybachufer entlang spaziert. Man wird akzeptiert, wie man ist, und das ist auch gut so! Hier gibt es alles und jeder Geschmack wird bedient und auch respektiert. 

Umso verwunderlicher ist es eigentlich - wenn man genau darüber nachdenkt -, dass noch niemand zuvor auf die Idee gekommen ist, ein queeres Festival ins Leben zu rufen. Es gibt schwule Clubs, Happenings und so weiter, doch die Idee eines queeren Festivals ist neu. Gott sei Dank ist es dieses Wochenende jedoch so weit und das erste „Yo! Sissy"-Festival wird in verschiedenen Locations in ganz Berlin über die Bühne gehen. Die zwei Veranstalter Pansy und Scott sind selbst Größen in der Berliner Schwulenszene und haben sich für das Festival zusammengeschlossen, um Berlin für ein paar Tage etwas fabulöser und bunter zu machen. 

Das Line-Up ist eine bunte Mischung aus lokalen und internationalen Acts. Neben dem großartigen Cakes da Killa, der auch bei unserer ersten i-D Germany Party von ein paar Wochen performt hat, kann man sich Auftritte von Black Crackers, Hidden Cameras, Born in Flames, Hi Fashion, Mr. Ties (von Homopatik) oder Aérea Negrot und Peaches anschauen. Das Programm ist so vielfältig wie die queere Szene Berlins selbst. Wir haben die fabulösen Macher des noch fabulöseren Festivals Pansy und Scout zum Interview gebeten.

Wer seid ihr und woher kommt ihr?
Pansy: Mein Name ist Pansy und ich bin eine von Berlins feinsten Migranten-Drag-Queens. Ich bin vor drei Jahren aus San Francisco hierher gezogen.
Scout: Ich bin Scout, ich komme Australien und nenne Berlin seit 15 Jahren mein Zuhause.

Was ist Yo! Sissy?
Pansy: Yo! Sissy ist das erste internationale queere Musikfestival Deutschlands und findet in verschiedenen Berliner Locations vom 24. bis zum 26. Juli statt - 3 verschiedene Veranstaltungsorte, 3 Tage und viel Liebe aus der ganzen Welt.
Scout: Wir haben über 50 Acts geplant, es wird besondere Auftritte, Überraschungs-Happenings und leckeres Essen geben. Yo! Sissy kann man nicht wirklich in einem Satz erklären.

Warum macht ihr das?
Pansy: Wir wollten den nächsten Schritt in unseren Karrieren gehen und einen Ort für die brillanten Performer, die in Berlin leben, schaffen. Die queere Musikszene in Berlin ist so lebendig und am wachsen, es wurde einfach Zeit für ein Event, um das zu dokumentieren. 
Scout: Genau, außerdem wollten wir den Künstlern aus Berlin eine Plattform bieten, damit sie mit international erfolgreichen Kollegen und Kolleginnen performen können. Wir freuen uns sehr über mögliche Kollaborationen, die durch das Yo! Sissy-Festival entstehen werden.

Wie haben Social Media euer Leben verändert?
Pansy: Ich mache viel zu viele Bilder von meinem Hund.
Scout: Ich werde mehr angestupst, als ich gewohnt bin.

Wie seht ihr die Beziehung zwischen Musik und Mode?
Pansy: Ich glaube, dass Musik und Mode untrennbar miteinander verbunden sind. Wir ziehen uns so an, wie wir uns fühlen, und wir drücken Gefühle durch Musik aus. Styles entstehen in Szenen und Musik ist oft die verbindende Gemeinsamkeit.
Scout: Word! LOL

Erzählt uns mehr über die Drag-Kultur in Berlin.
Pansy: Die Berliner Drag-Kultur wächst und entwickelt sich in viele aufregende Richtungen. Mehr Leute tun es und es gibt immer mehr Drag-Partys. Drag hat in Berlin eine lange Geschichte als politisches Statement und das gilt auch nach wie vor, aber jetzt mit mehr Humor und tuntiger. 
Scout: Pansy kennt sich auf jeden Fall besser mit der Kunst des Drag aus. Ich denke generell aber, dass die Leute in Berlin Drag aufgeschlossener gegenüberstehen, egal was das jetzt für jeden Einzelnen bedeutet. Ich finde es einfach toll, wenn sich Leute überlegen, welches Kostüm, Perücke und Make-up sie für eine Party tragen sollen.

Was gefällt euch an Berlin so sehr?
Pansy
: Ich liebe Berlin so sehr, dass ich alles stehen und liegen gelassen habe und ohne Geld oder Zukunftspläne hierher gezogen bin. Sieh' was aus mir geworden ist, Mutti!
Scout: Auch nach 15 Jahren überrascht mich Berlin immer noch und zeigt mir neue und verrückte Wege. Ich liebe diese Stadt. Das habe ich immer und das werde ich auch immer tun.

Warum seid ihr nach Berlin gezogen? Warum wird Berlin immer noch so gehypt?
Pansy
: Ich bin hierher gezogen, um neu anzufangen. Ich wusste, dass Berlin für mich der Ort zum Wachsen sein würde und ich habe es in meinem Herzen gespürt, dass es der nächste richtige Schritt sein würde. Berlin - so wie wir es kennen - ist eine junge Stadt und ein fruchtbarer Boden mit Möglichkeiten für Leute, die etwas Kreatives machen möchten. Alles ist möglich, solange du nur die richtigen Dokumente hast.
Scout: Ich bin hierher gezogen, weil Berlin ein echtes Gefühl von Freiheit vermittelt. Die meisten Leute lassen dich in Ruhe, damit du sein kannst, wer du bist und das spricht mich sehr an. Auch wenn die Stadt sich wandelt, wie Städte das so tun, scheint es doch so, dass sich Berlin seine Andersartigkeit und Underground-Ästhetik bewahrt.

Wie hat sich die Schwulenszene in den letzten Jahren entwickelt?
Pansy: Scout kann die Frage sicherlich besser als ich beantworten, aber was ich vorhin schon meinte: Drag wird immer akzeptiert, was ich wunderbar finde. Ich denke, dass es hier viele verschiedene Optionen gibt, was die Szenen angeht.
Scout: Ich habe mit Peaches letzte Woche darüber gesprochen, wie sich die queere Szene verändert und gewandelt hat, seitdem wir hier leben. Anfang der 2000er war es noch so, dass einerseits das Publikum auf Partys noch viel durchmischter war und andererseits auch die Leute zu unterschiedlichen Partys gegangen sind. Heutzutage veranstalten die Leute eher Partys für ein ausgewählteres Publikum. Gleichwohl gilt nach wie vor, dass es eine unausgesprochene Verständigung für das Feiern gibt und die Leute zusammenkommen, um das zu feiern, was diese Stadt ausmacht. Das ist jedenfalls unsere Perspektive, was das Yo! Sissy sein wird.

Was ist das Beste am Verkleiden?
Pansy: Ich kann buchstäblich für eine ganze Nacht die Person sein, die ich sein möchte, und keiner kann es mir verbieten.
Scout: ALLES … Macht es!

Die besten Clubs in Berlin?
Pansy: Die Clubs, in denen natürlich Yo! Sissy stattfindet. 
Scout: Sie sagt es! 

Das Yo!Sissy Festival findet vom 24. Juli bis 28. Juli in Berlin statt. Hier kommst du zum ganzen Programm

@pansypresents
@yosissyberlin

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Credits


Interview und Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Bilder: Alexander Coggin