warum du dir das label symonds pearmain unbedingt merken solltest

Bei Anthony Symonds und Max Pearmain verwischen die Grenzen zwischen Kunst und Mode. Im Rahmen des Gallery Weekends in Berlin haben die beiden ihre neueste Kollektion präsentiert und ihren Parfüm-Launch gefeiert. Wir stellen euch das Label näher vor...

von Felix Petty
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02 Mai 2017, 8:45am

Wo soll man bei Symonds Pearmain anfangen? Es ist das Modeprojekt von Designer Anthony Symonds und Stylist Max Pearmain. Das Gesicht der letzten Saison war Lily McMenamy und auf der Präsentation der Kollektion wurde viel gesungen und getanzt. Dieses Projekt sprengt so viele Grenzen, dass einem schwindelig werden kann. Und genau das wollen die beiden auch. Für ein bisschen Verwirrung, Doppeldeutigkeit sorgen.

Natürlich ist es auch ein kommerzielles Projekt, sie verkaufen schließlich Mode. Ihre Pieces sind Einzelstücke und werden in einer Galerie verkauft, als ob sie Kunst wären. Es erinnert ein bisschen an Haute Couture, deswegen nennen sie es auch „Retail Baroque".

Für ihre Fashionshow für Herbst/Winter 2017 im Rahmen der London Fashion Week hat Lily McMenamy mehrere Charaktere gespielt und die Entwürfe mit Cut-outs einem staunenden Publikum präsentiert. Das war genauso eine Performance wie es eine traditionelle Fashionshow war: Symonds Pearmain hat uns im Sturm erobert.

Das sollte aber nur ein Vorgeschmack sein. Denn die beiden machen weiter. Im Rahmen des Berliner Gallery Weekends haben sie ihre neueste Kollektion vorgestellt. „Wir präsentieren in einem Ballsaal über einer Galerie, das fühlt sich sehr wie ein Pariser Modehaus an", sagt uns Max. Doch das war nicht das einzige: daneben haben sie auch ihr Parfüm Iron Lady lanciert. Chanel No 5 und YSL Rive Gauche, eben nur in einer Flasche. Die Fotos für die Kampagne kommen von Tyrone Lebron, der die Pornodarstellerin Stoya in Szene gesetzt hat. „Unser Ziel ist es, dass wir interessant bleiben", sagt Max über die Zukunft des Labels. „Das Schöne daran ist doch zu sehen, in welche Richtung sich das Label entwickelt und wer darauf reagiert."

Warum habt ihr das Label gegründet?
Wir wollen einfach etwas machen. Anthony und ich interessieren uns für die gleichen Dinge. Wir können tolle Gespräche über Berufliches führen und das Label ist eine Fortführung mit anderen Mitteln. Und ich bleibe geistig flexibel.

Anthony ist der Mann hinter den Mustern.
Er hat eine starke Ästhetik und hat im Laufe seines Arbeitslebens mit so vielen wichtigen Leuten zusammengearbeitet.

Wie meinst du das genau?
Es ist schwierig zu beschreiben. Es ist eine Art Beratung, eine Idee. Ich ermutige ihn dazu, gute Arbeit zu leisten, weil ich weiß, wie gut die Arbeit ist, die er macht. Was er mit Cabinet Gallery kreiert hat, war so aufregend und faszinierend. Wir haben uns über einen längeren Zeitraum mehrmals unterhalten. Gerade passiert so viel auf der Welt, worüber man reden kann. Diese Gespräche in die Tat umzusetzen, ob nun politisch oder kreativ, ist wirklich wichtig und immer ein spannender Vorgang. Wir haben eine ähnliche ästhetische Vorstellung. Ich wollte einfach sehen, was herauskommt, wenn wir etwas zusammen produzieren.

Wart ihr nervös?
Nein, gar nicht. Das ist sehr persönlich. Ich werde nervös, wenn ich mit Produkten arbeite, mit denen ich mich identifizieren kann. Das passiert überraschend oft in diesem Job. Ich wollte etwas Eigenes haben, schon von Anfang an. Seinen eigenen Namen herzugeben, kostet Nerven, weil es nie ganz fertig ist. Aber ich habe auch gelernt, dass es nicht fertig sein muss.

Ich blende alle Meinungen über das Label, außer Anthonys, aus, weil das einfach krass anstrengend ist. Es ist ein gutes Gefühl, dass wir es intim halten, so als ob wir darüber privat reden. Wenn sich Leute daran beteiligen wollen, dann ist das toll, aber ich suche das nicht aktiv.

Präsentiert ihr deswegen fast ausschließlich im Kunstkontext? So entzieht ihr euch der Kunst- und Modewelt. Das muss unheimlich befreiend sein.
Ich möchte nicht zu überheblich klingen, aber für mich gibt es zwischen Mode und Kunst keinen großen Unterschied. Anthony wird immer darauf bestehen, dass das, was er für Cabinet Gallery entwirft, keine Kunst ist, aber diese Grauzone ist doch total spannend. Diese Grenzwanderung verunsichert die Leute, wenn sie sich das anschauen. Das funktioniert in beide Richtungen und in beiden Kontexten. Es ist interessant, in beiden Welten beheimatet zu sein.

Waren die Reaktionen aus der Kunst- und Modewelt unterschiedlich?
Nein, sie waren ähnlich, es herrschte Verwunderung und Interesse. Ich glaube, dass die Leute unsere Mehrdeutigkeit mögen. Sie wollen aufgefordert werden, stärker nachzudenken und ein bisschen tiefer zu graben. Ich mag es selbst, dass ich mir Mühe geben muss, um etwas zu verstehen und wenn diese Mühe belohnt wird.

Lass uns über Lily sprechen und was sie für das Label bedeutet.
Sie ist so interessant. Sie studiert Pantomime und hat es im Blut: ihre Mutter ist ein Supermodel. Lily sorgt bei allem, was wir tun, für die Energie. Wir haben ihr die Entwürfe für die Fashionshow gegeben und sie war so souverän. Sie gibt so viel und verleiht jeder Situation Attitüde. Sie kann sich selbst kontrollieren und ist so anmutig.

Ihr habt ein Parfüm in Berlin lanciert.
Wir werden so kommerziell wie möglich. Tyrone Lebon hat die Parfümkampagne für uns in Szene gesetzt. Im Zentrum steht das Parfüm Iron Lady, YSL Rive Gauche und Chanel No.5 in einer Flasche. Rive Gauche und Rive Droite zusammen und ganz offensichtlich der Geist von Margaret Thatcher.

Der Star unserer Kampagne ist die Pornodarstellerin Stoya. Uns hat die sexualisierte Bilderwelt der Parfümwerbung interessiert. Es wird viel angedeutet, aber nicht alles gezeigt. Wir gehen einen Schritt weiter und werden ganz explizit.

Du hast Kunst studiert, bevor du zur Mode gekommen bist. Gefällt es dir auf der anderen kreativen Seite?
Ich habe Mode eigentlich schon immer gemacht. Ich wollte nie Künstler werden. Ich wusste schon immer, dass ich in der Modebranche arbeiten will. Aber die Art und Weise, wie wir in der Uni über Kunst gesprochen haben, hatte Einfluss darauf, wie ich Mode denke. Das ist einfach mein Ansatz: Ich unterscheide nicht zwischen Mode und Kunst. Das ganze Projekt macht mir natürlich total Spaß, aber ich würde nicht sagen, dass sich das von meiner sonstigen Arbeit als Stylist unterscheidet.

Was ist euer Ziel mit der Marke?
Wir arbeiten momentan damit, was wir haben. Deswegen sehen die Sachen so aus, wie sie aussehen und deswegen benutzen wir die Stoffe, die wir gerade zur Verfügung haben. Ein Schritt nach dem anderen. Dass wir in Berlin 30 Looks präsentiert haben, ist eine große Sache für uns gewesen. Wir müssen den Verkauf kommerzieller gestalten. Momentan kann man die Sachen nur in der Galerie kaufen, das ist sehr Haute Couture. Uns interessieren auch die Möglichkeiten, die Produkte bieten.

Ich glaube nicht, dass wir nächste Saison in London eine Kollektion präsentieren werden. Das Tolle an dem Label ist doch, zu sehen, wohin es sich entwickelt, wer darauf reagiert, ob es nun Lily, David Sims oder Wolfgang ist.

Hier findest du alles aus unserer The Creativity Issue.

Credits


Text: Felix Petty
Fotos: Tim Walker

Haare: Malcolm Edwards / Art Partner
Make-up: Lauren Parsons / Art Partner
Model: Lily McMenamy at Next 
Max und Anthony tragen eigene Kleidung 
Lily trägt Symonds Pearmain 

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