diese illustratorin schwimmt in ihren selbstporträts in ramen-suppe

Reis, Ramen und abgehackte Hände sind Kinais Rezept für ihre „Oriental Gore“-Illustrationen.

von Isabelle Hellyer
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23 September 2016, 8:05am

Kinai Wong

Die australische Illustratorin Kinai Wong zeichnet die Woche über blutrünstige Selbstporträts, am Wochenende hingegen zieht sie durch die Clubs von Melbourne. Es ist ihr gelungen, das perfekte Gleichgewicht zwischen Nichtstun und harter Arbeit zu finden, denn genau so kann man ihre Zeit aufteilen: 50 Prozent Kunst und 50 Prozent Party. Das klappt auch ganz gut: Kinais Zeichnungen sind einfach und grafisch und bleiben einem lange im Gedächtnis hängen. Eine typische Illustration der jungen Künstlerin zeigt sie selbst zerstückelt in einer Schüssel Ramen-Suppe, oder in Form gebrachte Reiskörner—die subversiven Anspielungen auf ihre asiatischen und nordamerikanischen Wurzeln ziehen sich durch all ihre Arbeiten. Neben ihren Drucken findet man ihre Werke auch als Aufkleber auf Laptops und auf Jacken. Außerdem hat sie gerade eine kleine Kollektion von Pins herausgebracht. Sonst macht sie noch Zines und schießt hier und da ein paar Fotos. Schlafen tut sie wahrscheinlich nicht allzu oft.

Weil sie eine so aktive Künstlerin aber auch begeisterte Nachtschwärmerin ist, hat man das Gefühl, als sei sie immer überall gleichzeitig—bei Instagram, bei einer Ausstellung, im Club. Wir dachten uns also, sie bei einem der Treffen ein bisschen auszufragen.

Wo bist du aufgewachsen?
Ich bin oft umgezogen. Ich bin in Malaysia geboren, aber mein Vater ist Amerikaner asiatischer Abstammung, meine Mutter ist Kanadierin asiatischer Abstammung. Als kleines Kind habe ich also auch ab und zu in den USA gelebt. Mit 14 bin ich dann nach Melbourne zu meiner Schwester gezogen.

Wie ist dein Jahr bisher so gelaufen?
Im Januar bin ich durch eine Krise gegangen, weil ich keinen Platz im Grafikdesign-Lehrgang bekommen hatte. Ich wurde erzogen, zu denken, dass ich ohne Studium nichts wert sei und nichts erreichen würde. Jetzt wird mir aber klar, dass ich auch so ganz gut zurecht komme. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich erstmal nicht zu studieren. 

Was hat sich für dich verändert?
Ein Freund von mir hat es mir ermöglicht, meine erste Ausstellung zu veranstalten. Ich war total aufgeregt. Das war am 9. März. Ich erinnere mich so genau an das Datum, weil ich sehr viele Flyer gemacht habe. Das war einer der schönsten Abende meines Lebens. Es sind so viele Leute gekommen—ich war unendlich glücklich, dass sie alle wegen mir da waren. 

Jetzt hast du gefühlt jeden Monat eine Ausstellung.
Fast, ja. Es ist aber auch ziemlich anstrengend. Normalerweise zeige ich ältere Illustrationen. Ich habe noch nie extra für eine Ausstellung eine ganz neue Reihe gemalt.

Wie weit zurück reichen deine Arbeiten?
Ein Jahr. Ich mache das noch nicht so lange, ich hatte nur einfach Glück. Den Leuten gefällt die Mischung aus zerstückelten Körpern und Essen offenbar ganz gut!

Was hat es mit den Körpern auf sich?
Das ergibt sich einfach so—es sieht nur eben sehr makaber aus. Es gefällt mir, ein dunkles und seltsames Thema auszusuchen und es dann in fröhlichen Farben darzustellen. Ich nenne meine Arbeiten „Oriental Gore", aber das wird sich wahrscheinlich sehr bald ändern, da sich auch meine Illustrationen verändern.

Was planst du als nächstes? Plattencover, T-Shirts?
Ich hätte große Lust, Plattencover zu gestalten. Ich liebe es, Dinge für andere Künstler zu machen. Ich glaube, ich würde niemals T-Shirts mit meinen Arbeiten darauf verkaufen—es fühlt sich so an, als würde man sich selbst verkaufen. Ich mache die Kunst für mich, ich biete jetzt auch kaum noch Drucke zum Verkauf an. Ich mache es auf jeden Fall nicht, um damit Geld zu verdienen. Das ist nur eine Nebensache.  

Wie sieht es mit der Fotografie aus? Wäre das eine weitere Möglichkeit für dich?
Ich habe vor etwa zwei Jahren begonnen, Fotos zu machen. Ich habe stundenlang fotografiert, aber nur so, zum Spaß. Ich bearbeite die Bilder und stelle sie so zusammen, dass sie nebeneinander ästhetisch ansprechend aussehen. Das ist aber nur ein Hobby von mir.

Es scheint, als hättest du sehr viele Hobbies. Wie sieht deine Woche normalerweise aus?
Montags bleibe ich so gut wie immer zu Hause und ordne ein wenig mein Leben. Dienstags setze ich mich gerne in ein nettes Café und plane all die Einzelheiten, wenn gerade eine Ausstellung oder eine Zusammenarbeit ansteht. Dann nehme ich mir Stift und Papier und fange an, ein neues Kunststück zu zeichnen. Ich scanne es meist ein: Ich benutze gerne alte Programme wie zum Beispiel MS Paint—den professionelleren Adobe Illustrator brauche ich nicht. Später treffe ich mich mit meinen Freunden. Mittwochs und Donnerstags mache ich im Grunde in etwa das Gleiche. Freitags, Samstags und Sonntags gehe ich gerne aus. Die eine Hälfte meines Lebens verbringe ich damit, zu feiern und die andere damit, Kunst zu machen. Das sind momentan die beiden einzigen Sachen, die mir wirklich wichtig sind.

Was steht als nächstes an?
Ich bin noch sehr jung und unerfahren. Ich werde mich vom Leben überraschen lassen.  

@kinaiwong

Credits


Text: Isabelle Hellyer

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