2015 war das jahr von … weiblichen mcs

Ein Hoch auf die letzten zwölf Monate voller Rapperinnen, die stärker und toller nicht sein könnten.

von i-D Staff
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22 Dezember 2015, 9:45am

Auf das Geschlecht im Kunstkontext zu verweisen, besonders in der Musik, ist ein kontroverses Thema. Sind Listen mit den „Mächtigsten Frauen im Popbusiness" hinderlich oder förderlich für die Gleichstellung der Frau? Macht die Bezeichnung von Nicki Minaj als Queen of Rap sie dem King of Rap unterlegen oder deutet es viel mehr an, dass es nur Platz für eine Frau gibt? Man kann dafür und dagegen argumentieren, aber was unbestreitbar in allen Musikgenres, von Rock bis Rap, vorherrscht: Die Zahlen belegen immer noch eine männliche Überlegenheit. Deshalb wäre es falsch, die wenigen weiblichen Acts, die erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen sind, nicht zu erwähnen.

Im Jahr 2015 haben wir eine Anzahl an weiblichen MCs gesehen, die es so noch nicht gab. Sie feierten ihre Debüts, entwickelten sich weiter oder bestimmten die internationalen Debatten. Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall, dass in diesem Jahr viel darüber diskutiert wurde, wie Women of Color in den feministischen Diskurs eingebunden werden können und wie sie in der Kreativbranche sichtbarer werden können. Es war das Jahr, in dem Binx Walton das IT Girl wurde; in dem Jourdann Dunn den Preis für das Model des Jahres erhielt; in dem mit Rihanna das erste schwarze Gesicht eine Dior-Kampagne zierte und in dem Winnie Harlow den Unterschied zwischen kultureller Aneignung und kultureller Wertschätzung klarstellte.

In der Rapwelt haben etablierte Künstlerinnen wie Nicki Minaj den Rassismus und Sexismus in der Musikbranche kritisiert und öffentlich Stellung bezogen und Missy Elliot bestätigte mit ihrem Comeback, dass sie wieder in Hochform ist, so als ob sie uns nie verlassen hätte. Die große Anzahl an neuen Talenten, die dieses Jahr sichtbar wurden und die die volle Kontrolle über ihre Texte, Distribution und Image haben, war überwältigend. Es war längst überfällig, dass diese Künstlerinnen das Ansehen bekommen, das sie verdienen, und beweisen, dass Major Labels auf die Bedeutungslosigkeit zusteuern, wenn sie nicht bald aufwachen. 

2015 war das Jahr von weiblichen MCs. Wir präsentieren euch ein paar unserer i-D Favoritinnen, die dieses Jahr von sich reden gemacht haben und von denen wir 2016 noch viel mehr hören werden. 

DonMonique

Foto: Elijah Dominique

2015 war das Jahr von DonMonique. Die New Yorker Künstlerin rappte in ihrem Track „Pilates" über Kylie Jenner und freundete sich daraufhin mit dem Model an. Wir sprachen mit ihr über den Refrain „got Kendall, got Kylie, got Miley" und sie sagte uns: „Miley ist natürlich MDMA. Kendall und Kylie sind das, was man noch so hat." Dieses Jahr erschien ihre Debüt-EP Thirst Trap mit düsteren Tracks zum Immer-Wiederhören. Nicht ganz überraschend landete die EP auf mehreren Best-of-Listen, aber das ist noch lange nicht genug für DonMonique. Ihr Blick richtet sich auf die Zukunft und auf mögliche Kollaborationen mit den „OG Dogs" wie 50 Cent. 

Unser Lieblingstrack: You Ain't Heard

Leikeli47

Foto: Bibi Borthwick

Das Erste, was einem an Leikeli47 auffällt ist die Maske, die sie trägt. Doch das ändert sich ganz schnell, wenn sie ihren Mund aufmacht und sie zu rappen beginnt. Ihr Sound ist reduziert, bewusst und direkt. In ihrem ersten Interview überhaupt, sagte die in Brooklyn lebende Rapperin, dass sie ihre Songs fast immer selbst produziert. „Es gibt nur zwei oder drei Leute, mit denen ich produziere, und das ist selten. Das meiste von mir kommt nur von mir." Letzten Monat veröffentlichte sie ihre erste LP unter dem Titel LK-47 Part III. Damit bewies sie, dass sie keine Soundcloud-Eintagsfliege ist. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Platte, auf denen sie mit Rockgitarren, politischen Texten und den fetten Beats experimentiert, durch die wir auf sie aufmerksam wurden. Wenn 2015 ihr Durchbruch war, dann ist das nächste Jahr ihr großer Erfolg.

Unser Lieblingstrack: My Ex Is a Ho

Lady Leshurr

Queen's Speech Ep. 4

Wir haben es immer gesagt, 2015 ist das Jahr, in dem Grime internationale Aufmerksamkeit erhalten hat. Bekannt wurde das Genre durch Skepta und Stormzy, aber mit Lady Leshurr bekam es eine weibliche Note. Sie ist nicht die First Lady of Grime, sondern eindeutig die Queen of Grime und sie weiß das: Die Tracks, mit denen sie bekannt wurde, trugen den Titel Queen's Speech. Die dazugehörigen Musikvideos präsentierten sie uns als MC, deren Flow absolut flawless ist und deren Punchlines auf den Punkt waren. Für uns ist sie bereits die Anführerin der neuen Grime-Riege. Unseren Kollegen von Noisey verriet sie, dass sie 2016 ihr erstes Studioalbum veröffentlichen wird. 

Unser Lieblingstrack: Queen's Speech Ep. 4

Tink

Foto: Alasdair McLellan

Im März baten wir Tink, sich in fünf Wörtern zu beschreiben. Ihre Antwort: „Die Stimme meiner Generation". Diese Antwort hätte bei jedem anderen Künstler arrogant gewirkt, aber nicht so bei der Ausnahmekünstlerin. Die Rapperin aus Chicago ist seit 2013 unterwegs, aber dieses Jahr kam der große Durchbruch. Angeblich besuchte Aaliyah Timbaland im Traum und sagte ihm, dass Tink „diejenige welche" ist. Wir freuen uns auf ihr Debütalbum Think Tink, das 2016 erscheinen soll.

Unser Lieblingstrack: L.E.A.S.H

Junglepussy

Foto via Noisey

„Das Universum gab mir den Namen Junglepussy", sagte uns die New Yorker Rapperin. „Ich habe nichts davon geplant". Dieses „Nichts" aus unglaublich guten Mixtapes, MoMa-Ausstellungen und einer Fangemeinde geschah trotzdem. Wir liebe Junglepussy schon seit Jahren, aber dieses Jahr brachte sie mit Pregnant With Success ihr erstes Studioalbum heraus, auf denen sowohl clubtaugliche Tracks und ruhigere Songs ihren Platz fanden. 

Unser Lieblingstrack: Get to Steppin

Tkay Maidza

Foto: Courtesy of Dew Process

Tkay Maidza ist die in Simbabwe geborene, in Australien aufgewachsene Rapperin, Sängerin und Produzentin, die 2015 lokal und global mit sensationellen Tracks, Videos und Konzerten überzeugte. In den letzten 12 Monaten war Takudzwa Victoria Rosa Maidza damit beschäftigt, mit Mark Ronson live aufzutreten, mit Baauer Tracks zu produzieren, mit Adult Swim an den Musikvideos zu arbeiten und exklusiv für i-D ein Modekurzfilm zu drehen. 2016 soll ein Album auf den Markt kommen, wir können es kaum abwarten.

Unser Lieblingstrack: Ghost

Nicki Minaj

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Nicki Minaj - Anaconda" von NickiNinajAtVEVO

Vor etwa einem Jahr brachte Onika Tanya Maraj den Soundtrack für die Feiertage heraus: The Pinkprint. Das Deluxealbum mit 22 Songs bescherte uns mit  „Anaconda" und der Beyoncé-Kollab „Feeling Myself" nicht nur charttaugliche Hits und Ohrwürmer, sondern bewies auch, dass Nicki Minaj zu gleichen Teilen singen, rappen, tanzen und schreiben kann. Das Album gehört zu den wichtigsten unserer Zeit und ist viel mehr als das bloße beleidigende und vorherrschende Urteil „Ein gutes Album für eine Rapperin" oder „Ein tolles Album für einen Urban-Künstler" der Mainstream-Medien. Im Sommer kritisierte sie öffentlich den Fernsehsender MTV für dessen Ignoranz gegenüber schwarzen Künstlerinnen. Nicki hinterfragte auch, warum sich die American Sweethearts Taylor Swift und Miley Cyrus die Black Culture aneignen und warum viele Awardshows immer noch weiße Künstler bevorzugen. 

Unser Lieblingstrack: Truffle Butter, I Lied und Shanghai

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Credits


Text: Courtney DeWitt and Isabelle Hellyer

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