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dieser fotograf spielt mit seiner faszination für den menschlichen körper

Wenn Bartosz Ludwinski nicht gerade im Wald oder in den Bergen mit seinem Motocross unterwegs ist und als Resident im Hamburger PAL auflegt, geht er seiner großen Leidenschaft hinter der Linse nach.​ Mit uns hat der Fotogaf über seine Anziehung zur...

von Juule Kay
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14 Februar 2017, 11:30am

Viel Haut, viel Rot und viel Gefühl stecken in den Fotos des in Polen geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Bartosz Ludwinski. Viel mehr als die Tatsache, dass es den jungen Fotografen vor vier Jahren in den hohen Norden Deutschlands verschlagen hat, spuckt das Internet über den in Hamburg lebenden Fotografen nicht aus. Diese geheimnisvolle Aura spiegelt sich auch in den Arbeiten von Ludwinski wider, die den Betrachter geradezu herausfordern, die Geschichte hinter seinen Bildern erraten zu wollen. So ging es uns auch, als wir zum ersten Mal über Ludwinkis Arbeiten im Internet gestolpert sind. Was er während seines Treffens mit Tyler, The Creator erlebt hat und was es tatsächlich mit seiner Faszination für den menschlichen Körper auf sich hat, verrät uns der Fotograf im Interview. 

Wie bist du zum Fotografieren gekommen? Kannst du dich an dein erstes Foto erinnern?
Kann ich, ja. Meine Familie und ich waren im Urlaub in der Bretagne, das war, glaube ich, in den 90ern. Dort stand dieses große Schiff, das mich fasziniert hat. Meine Mutter hat mir ihre Kamera gegeben und ich habe innerhalb von wenigen Minuten den gesamten Film vollgeknipst — danach hatte ich Kameraverbot. Dann habe ich mich erst wieder 2007 bewusst mit Fotografie auseinandergesetzt. Meine Ex-Freundin hatte eine Spiegelreflex-Kamera, die ich so schnell nicht mehr aus der Hand gegeben habe. Meine erste eigene habe ich mir kurze Zeit später gekauft.

Deine Fotos sind oft ein Spiel aus Licht und Farbe. Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Das überlasse ich lieber anderen, aber vielleicht wäre ehrlich ein passendes Wort.

Welche Beziehung hast du zur Farbe Rot?
Rot ist eine fleischliche und entschlossene Farbe. Irgendwas an ihr zieht mich an. Sie ist dominant, aber nicht aufdringlich. Am liebsten mag ich Rot in Kombination mit Schwarz und Weiß oder Blau. Das beruhigt mich irgendwie.

Inwiefern beeinflusst dich Hamburg in deinem Schaffen?
Jeder Mensch wird von seinem unmittelbaren Umfeld beeinflusst — einige mehr, andere weniger. Bei mir ist es weniger die Stadt, die mich inspiriert, sondern die Leute, mit denen ich mich umgebe. Künstler, Illustratoren, Musiker, Autoren. Aber auch andere Fotografen beeinflussen mich genauso wie das aktuelle Weltgeschehen.

In deinen Fotos ist viel nackte Haut zu sehen. Welche Rolle spielt Intimität in deinen Fotos?
Das höre ich ständig, es ist womöglich auch nicht ganz unberechtigt. Trotzdem nervt mich dieses Thema. Nackte Männer reizen mich nämlich — unter künstlerischen Aspekten — genauso wie nackte Frauen. Vielleicht ist das auch schlicht eine grundsätzliche Faszination für die menschliche Anatomie. Haut und Haare finde ich zum Beispiel abgefahren. Mich begeistern Menschen im Allgemeinen, unabhängig von ihrem Aussehen, ihrem Alter oder ähnlichem. Nacktheit ist dabei nebensächlich. Trotzdem spielt Intimität natürlich eine große Rolle und hat nicht unbedingt etwas mit Sexualität zutun, sondern viel mehr mit Vertrauen.

Du hattest schon Musiker wie Tyler, The Creator oder Zebra Katz vor deiner Linse. Wie kam es dazu? Verbindest du damit zwei Leidenschaften?
Absolut. Ich höre ununterbrochen Musik und lege im Hamburger Club PAL als Resident DJ auf. Musik ist neben der Fotografie meine größte Leidenschaft. An dem Tag, als ich Tyler, The Creator fotografiert habe, bin ich gemeinsam mit ein paar Journalisten nach Berlin gefahren. Wir wussten nicht so richtig, was uns erwarten wird, weil er einige Tage zuvor ein Interview in L.A. nach zwei Minuten mit den Worten „Ich geh' jetzt Trampolin springen" abgebrochen hat. Unser Nachmittag mit Tyler war dann aber sehr lustig. Der Typ ist irre, ich mag das. Während er seine Pizza aß, hat er hat mich fünfmal gefragt, ob ich Sex mit einem Dinosaurier haben würde.

Kannst du dich an eine besonders absurde Geschichte hinter einem deiner Fotos erinnern?
Es gab eine Situation bei meinem ersten Shoot mit Nettie R. Harris, die durch Terry Richardson bekannt wurde. Sie hat mich wenige Minuten nach dem ersten Händedruck gefragt, wo die Toilette ist und ob ich Bock hätte, sie dabei zu fotografieren. Das habe ich dann getan. Das ist natürlich auch eine Art, Freundschaft zu schließen.

Welches Gefühl möchtest du mit deinen Fotos ausdrücken?
Natürlich möchte ich Menschen mit meinen Fotos begeistern, aber eine bestimmte Botschaft habe ich nicht. Ich freue mich, wenn meine Fotos etwas in den Leuten auslösen. Welche Gefühle das sind, spielt erstmal keine Rolle.

@bartoszludwinski

Credits


Text: Juule Kay
Fotos: Bartosz Ludwinski