Left: Yellow Rug, 1992, Oil on canvas, 50.25h x 45.63w in (127.64h x 115.89w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Right: Mr. Coffee, 1993, Oil on canvas, 48.13h x 34.25w in (122.24h x 87w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Die andere Realität schwuler Liebe während der Hochzeit von Aids

Maler Hugh Steers zeigt in seinen Öl-Gemälden die Menschen hinter der Krankheit.

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Juni 29 2018, 10:25am

Left: Yellow Rug, 1992, Oil on canvas, 50.25h x 45.63w in (127.64h x 115.89w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Right: Mr. Coffee, 1993, Oil on canvas, 48.13h x 34.25w in (122.24h x 87w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Die meisten Bilder aus der frühen Aids-Epidemie sehen meistens düster aus: abgemagerte Menschen in Rollstühlen oder ans Krankenbett gefesselt. Sie zeigen die schreckliche Realität in der Anfangszeit von Aids. Eine Zeit, in der die Ärzte erst verstehen mussten, mit was sie es eigentlich zu tun haben. Eine Zeit, in der sich der US-Präsident weigerte, auch nur die drei Buchstaben HIV öffentlich auszusprechen. Was diesen Darstellungen fehlt, ist das Menschliche. Sie fangen nicht die individuellen Schicksale ein, die durch HIV/ Aids zerstört wurden.


Aus dem VICE-Netzwerk: Eine Dokumentation über PrEP und was die Methode für die Community bedeutet


Auch der verstorbene Künstler Hugh Steers malte in den 80er und 90er Jahren schwule Männer, die mit HIV / Aids lebten. Mit einem Unterschied: In seinen Ölgemälden vermischt sich Leid mit Leidenschaft. So sehen wir auf einem Bild einen Mann in einer Erwachsenenwindel, der von seinem Partner innig umarmt wird. Ein anderer macht Platz auf seinem Sterbebett, damit er mit seinem Partner kuscheln kann. Die Szenen spielen alle hinter verschlossenen Türen. Hugh Steers führt uns damit vor Augen, wie stark das HIV-Stigma damals war. Die Menschen wurden vom Mainstream in private Räume gezwungen. Viele Ärzte weigerten sich in den 80er Jahren, überhaupt Menschen mit HIV / Aids zu behandeln: "Ich muss zuerst an mich und meine Familie denken", sagte damals ein Arzt aus Milwaukee gegenüber der New York Times.

Black Tank, 1988, Oil on canvas, 40h x 46w in (101.60h x 116.84w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Heute hängen Arbeiten von Keith Haring und Robert Mapplethorpe in bekannten Museen auf der ganzen Welt, in denen sie sich explizit mit HIV / Aids auseinandersetzten. Manchmal landen sie sogar auf Taschen von Coach oder Hemden von Raf Simons. Davon sind Hugh Steers Arbeiten weit entfernt. Seine figurative Malerei war in den 90ern im Kunst-Mainstream nicht gerne gesehen. Doch Hugh Steers' Zeit ist jetzt gekommen. Die radikal weiche Eleganz seiner Ölgemälde reiht sich ein in die Kunst einer Lynette Yiadom-Boakye.

Eine Auswahl von Hugh Steers Arbeiten ist derzeit in der New Yorker Galerie Alexander Grey Associates zu bestaunen. Unter dem Titel The Nullities of Life wird in den Räumen bereits die dritte Ausstellung über die Arbeiten des Künstlers präsentiert. Leider blieb Hugh Steers dieser Ruhm zu Lebzeiten verwehrt. Er starb im Alter von 32 Jahren an den Folgen der Krankheit, die er in seinen Bildern so plastisch darstellte. Man fragt sich unweigerlich: Sind die Männer Freunde? Partner? Ehemänner? In einer Welt, die nur Hass und Nicht-Achtung für Schwule mit HIV kannte, konnten sich die Männer nur auf sich selbst verlassen. Diese Solidarität unter Schwulen war damals überlebenswichtig. Heute existiert unter dem Kürzel PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) ein wirksamer Schutz für HIV-negative Menschen vor einer HIV-Infektion. Jeden Morgen eine Tablette nehmen, um das Risiko einer HIV-Infektion drastisch zu reduzieren. Ein enormer emanzipatorischer Meilenstein angesichts der furchtbaren Auswirkungen von HIV und Aids auf die Community in den 80ern und 90ern. Nicht nur dass heute ein wirksamer Schutz vor einer HIV-Infektion existiert, eine HIV-Infektion ist heutzutage kein sicheres Todesurteil mehr, sondern sehr gut therapierbar.

Grey Mattress, 1988, Oil on canvas, 64.50h x 67.75w x 2.25d in (163.83h x 172.09w x 5.71d cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
Poster, 1990, Oil on canvas, 42.13h x 51w x 2.25d in (107h x 129.54w x 5.71d cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
Grapes at Night, 1993, Oil on gessoed paper, 13.06h x 11.19w in (33.18h x 28.42w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
Pockets, 1993, Oil on canvas, 60h x 54.25w in (152.40h x 137.79w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
Phones: Tribute to El Greco, 1988, Oil on canvas, Diptych, overall: 50h x 79.5w in, Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
High Tops, 1994, Oil on canvas, 51.13h x 39.25w in (129.86h x 99.69w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers
Robe Help, 1988, Oil on gessoed paper, 15.06h x 11.06w in (38.26h x 28.10w cm), Courtesy Alexander Gray Associates, New York, © Estate of Hugh Steers

Die Ausstellung "The Nullities of Life" kannst du dir noch bis zum 20. Juli in der New Yorker Galerie Alexander Gray Associaties anschauen. Mehr Informationen über PrEP in Deutschland, und wie du dich engagieren kannst, findest auf der Website der Deutschen AIDS-Hilfe. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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