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Moderne Männlichkeit durch die Linse von Yann Faucher

Ryan White

Mit seiner Kamera bildet der Fotograf jede noch so unscheinbare Facette seiner Models ab. Warum es wichtig ist, dem eigenen Instinkt zu folgen, anstatt andere zu kopieren, hat er uns im Gespräch erklärt.

Yann Fauchers Fotografien haben wir zum ersten Mal in dem Magazin Granta entdeckt und mussten sofort an eine Mischung aus Wolfgang Tillmans und Ryan McGinley denken. Der junge Franzose hatte für die Sex Issue (No. 110) den Foto-Essay Body beigesteuert, eine intime, vielfältige und überzeugende Studie über den nackten Körper. Fotografien, die so stark sind, dass sie eigentlich keine Erklärung brauchen. Eigentlich. Die außergewöhnliche Fluidität, die Yanns Arbeiten ausmacht, ist genau das, was uns so fasziniert.


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Eigentlich stammt Yann Faucher aus einer Kleinstadt in der südlichen Bretagne und ist mit dem Meer aufgewachsen. Für seinen Traum zog er nach London, wo er nun als Fotograf für Magazine wie Wonderland, Hero, Purple und L'Officiel Hommes arbeitet. Im Interview erklärt er uns, worauf es wirklich in der Fotografie ankommt.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe 2004 damit angefangen, als die Fotografie erschwinglicher wurde. Das wollte ich davor zwar auch schon immer, aber weder als Teenager noch als Student konnte ich mir Filme und deren Entwicklung leisten. Ich habe nie Fotografie studiert, sondern Naturwissenschaften – also nichts Kunstbezogenes. Das hat meiner Kreativität jedenfalls nicht geschadet.

Wie erschaffst du etwas Neues, wo es doch eigentlich schon alles gibt?
Ich höre auf mein Gefühl und plane, wie ich meine Fotografien präsentiere. Mich interessieren wirklich die Menschen vor meiner Kamera. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Es ist jedes Mal so, als ob du ein gutes Buch liest!

Wie siehst du die Konkurrenz durch andere junge Fotografen?
Die wenigen Male, in denen ich mich mit anderen konkurrieren musste, habe ich versagt. Das bin einfach nicht ich. Für mich ist es leichter, nicht groß darüber nachzudenken. Das würde ich jedem ans Herz legen.

Analog oder digital?
Analog, aber ich habe nichts gegen digital. Analog passt nur besser zu meinem Stil, außerdem dauert der Entwicklungsprozess länger. Das mag ich. Ich gebe allerdings keine Unsummen für das Equipment aus, weil ich mir das gar nicht leisten kann. Mit der Zeit habe ich gelernt, mit einem kleinen Budget auszukommen.

Was ist die größte Herausforderung als Fotograf?
Es hängt wirklich von der jeweiligen Situation ab, solange du neugierig bleibst und dir Zeit gibst. Natürlich ist Geld immer ein Thema, aber finanzielle Mittel sind nicht alles.

Ist die Fotografie eine elitäre Angelegenheit?
Ja, es ist einfacher, wenn du ein Shooting von deinem eigenen Geld finanzieren kannst. Wenn wir ehrlich sind, besteht diese Industrie hauptsächlich aus Menschen, die nicht besonders einzigartig, kreativ oder originell sind. Die können einfach nur gut den Stil anderer kopieren und haben es geschafft, weil sie Geld und ein Netzwerk haben.

Was braucht ein Bild, um dich zu überzeugen?
Ich bin egoistisch: Es muss mir zuerst gefallen. Dafür gibt es kein Patentrezept.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Vollzeit als Fotograf arbeiten möchte?
Besorg dir einen Teilzeit-Job, der nichts mit der Kreativindustrie zu tun hat. Der wird dich erden.

Brauchen wir dank iPhone und den sozialen Netzwerken heutzutage noch professionelle Fotografen?
Das ergänzt sich. Es ist einfacher, Dinge zu fotografieren und zu dokumentieren. Das Internet ist eine so mächtige Erfindung, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Es beschleunigt und steigert meine Kreativität, aber gleichzeitig denke ich auch, dass die Dinge länger brauchen, um in meinem Kopf zu reifen.

Wie sieht die Zukunft der Fotografie aus?
Ich bin optimistisch, solange die Leute ehrlich mit dem Medium umgehen und nicht versuchen, die Fähigkeiten, den Prozess oder das Netzwerk eines anderen zu kopieren. Wenn sich die Fotografen organisch entwickeln und ihrem eigenen Instinkt folgen, ist doch alles gut. Diese Industrie lässt sich zu sehr durch die sozialen Medien beeinflussen. Social Media ist wichtig, aber nicht alles.

Warum ist Print immer noch wichtig?
Weil du dadurch erst erkennst, wie schlecht eine Fotografie tatsächlich ist.

@yannfaucher

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.