Tom und Bill, 2006 | Foto: Imago

Die Styles von Tokio Hotel 2005 - 2017, bewertet von Tom und Bill Kaulitz

Die Zwillinge blicken mit uns auf ihren Style zurück und klären ein für alle Mal, in welchem Jahr Bill "vollkommen Banane" aussah.

|
Okt. 23 2017, 11:46am

Tom und Bill, 2006 | Foto: Imago

Bill und Tom Kaulitz wurden nicht nur mit ihrer Band Tokio Hotel berühmt, sondern auch mit ihren extravaganten Looks. Schon als 15-Jährige wussten die beiden, wie man Muttis und Teenies zum Schreien bringt – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Inzwischen sind die zwei Magdeburger nach L.A. umgesiedelt, treiben sich aber auch gerne auf den Fashionweeks und im Berliner Nachtleben herum. Mit uns haben sie auf ein paar Styles aus ihren Anfangsjahren zurückgeblickt und diese sichtlich schmerzbefreit kommentiert.


Auch auf i-D: Wir haben Tokios genderlose Jugend getroffen


Gab es einprägsame Phasen in eurem Leben, die euren Style beeinflusst haben?
Bill: Lustigerweise habe ich das Gefühl, dass die Mode und Musik, die du gehört hast, immer zusammen kamen. Ich glaube, das gibt es heute gar nicht mehr so wirklich. Wenn man eine Band gehört hat, hat man sich ganz bestimmt angezogen. Das war immer ein Commitment.
Tom: Damals stand man noch für etwas. Und uns hat man sofort angesehen, wofür wir gerade stehen.

Hat sich euer Verhältnis zum Aussehen verändert, als ihr plötzlich in der Öffentlichkeit standet?
Tom: Eigentlich gar nicht. In der Anfangszeit sahen wir noch genauso aus wie in der Schulzeit. Wir hatten nur ein bisschen mehr Budget, also haben wir uns unfassbar viel im gleichen Style gekauft.
Bill: In der Schulzeit hatte ich ja nie Kohle für Klamotten, deswegen habe ich immer selber Sachen genäht oder meine Mama hat mir Sachen gemacht, weil ich nie etwas von der Stange anziehen wollte. Wenn man dann plötzlich Geld verdient und Marken kaufen kann, verliert man sich für einen kurzen Moment. Ich finde, das sieht man bei ganz vielen Künstlern. Die kommen mit einer Idee und einer Personality und verlieren sie sich dann kurz, weil sie sich alles kaufen können und irgendwie ihre modische Identität verlieren. Im besten Falle findet man sich nach einer kurzen Zeit wieder, aber bei ganz vielen Künstlern denke ich immer "Ah ja, die hat jetzt Geld mit ihrem ersten Album gemacht und jetzt sieht sie total Banane aus" — bei mir war das auch so.

Welche Phase war das, als du Banane aussahst?
Bill: Ich würde sagen zweites Album, so mit 17. Vielleicht ist ja ein Foto von der verwirrten Phase dabei.

Runde 1: Tokio Hotel 2005

Foto: imago/T-F-Foto

Bill: Das war noch der Anfang, so sind wir auch zur Schule gegangen. Was waren das nochmal für Hosen? Diesel, oder?
Tom: Ich hatte zumindest keine Diesel an. Ach geil, war noch so ein bisschen Schlag in den Hosen?
Bill: Ja, Horror. Also meine Hose ist schon die beste. Bei mir ging es immer noch am meisten klar.
Tom: Nee, nee.
Bill: Also deine ist ja wohl ganz furchtbar.
Tom: Ja, klar.

Runde 2: Tom und Bill 2006

Foto: imago/Future Image

Bill: Genau, das war meine verwirrte Phase. Das war beim zweiten Album mit 17.
Tom: Sehr schöne Kette, muss ich sagen [Lacht].
Bill: Der Karl-Kani-Pulli wäre jetzt wahrscheinlich wieder cool, oder?
Tom: Ich glaube auch.
Bill: Das meine ich zum Beispiel mit der Verwirrung: das Jackett ist eigentlich nicht verkehrt, aber in der Kombination geht das gar nicht. Dabei war es von Dior und hat 3000 Euro gekostet oder so.
Tom: Ich hatte damals aber auch unglaublich viel Glück, weil ich auf diese ganzen Klamotten stand, die sehr preiswert waren. Ich hatte ungelogen 5000 von solchen Pullovern und Caps. Zu der Zeit habe ich eigentlich alles nur einmal angezogen.
Bill: So dekadent.
Tom: Aber zusammen waren die 5000 Pullover wahrscheinlich genauso teuer wie eins deiner Teile.
Bill: Das ist genau das Ding. Plötzlich hat man Kohle, findet es geil und will etwas kaufen. Aber man weiß nicht so recht, wie man damit umgehen soll. Dann sieht man ein bisschen aus wie ein Verwirrter auf der Straße, bei dem die Leute sagen: 'Nimm schnell die Kinder zur Seite'.

Runde 3: Tokio Hotel 2007

Foto: imago/ZUMA Press

Bill: Das waren die EMAs, da fand ich die Haare ganz gut.
Tom: Bei mir hat sich das kaum verändert bis ich ein Jahr später meine Haare abgeschnitten habe. Das fiel mir total schwer, weil ich Dreadlocks hatte, seit ich 12 war. Da steckte so viel Arbeit drin.
Bill: Du hasst auch Veränderung.
Tom: Ich musste sie so viel pflegen und nachdrehen, weil wir ja eigentlich glatte Haare haben. Und wenn du dich irgendwann davon trennst, fällt das zwar schwer, aber es ist auch befreiend – ein bisschen so, als hättest du ganz lange eine Freundin gehabt, viel Arbeit und Zeit reingesteckt, und plötzlich stellt sich heraus, dass es doch nichts war. Das war schon ein bisschen enttäuschend, aber man hatte die Freundin auch lang genug.

Runde 4: Tokio Hotel 2009

Foto: imago/CordonPress

Bill: Da haben wir uns zum ersten Mal etwas mehr verändert.
Tom: Haare ähnlich, aber etwas erwachsener.
Bill: Tom hat langsam angefangen, Geschmack zu entwickeln. Da ging bei ihm auch das Verständnis für Mode los.

Was war das für eine Lebensphase?
Bill: Psychisch war die sehr schwierig — damals ist es zum ersten Mal mit den Fans anstrengend geworden. Umso älter man wurde, desto mehr hat man gemerkt, dass das mit dem Privatleben nicht klappt. Da hatten wir auch zum ersten Mal Lust, eines zu haben.

Das kam ja relativ spät, dass ihr ein Privatleben wolltet.
Bill: Ja, da waren wir ungefähr 20.
Tom: Davor hast du ja auch noch kein richtiges Erwachsenenleben und findest es cool, on the road zu sein. Aber mit 20 merkst du, dass du kein soziales Umfeld hast und auch mal deine Ruhe haben willst. Du fängst an, dir ein Leben aufzubauen, aber es funktioniert irgendwie nicht.
Bill: Kurz darauf sind wir nach Amerika gegangen.
Tom: Entweder kommt der Britney-Spears-Moment oder du rettest dich nach L.A..

Runde 5: Tom und Bill 2010

Foto: imago/ Granata Images

Bill: Schau mal, da sind wir richtig braun.
Tom: Da kamen wir gerade aus dem Urlaub von den Malediven, das weiß ich noch.
Bill: Da bin ich für Dsquared gelaufen, davon sind auch die Klamotten. Das war das erste und einzige Mal, dass ich auf dem Laufsteg war. Ich habe für die beiden die Show eröffnet.

Wolltest du das schon länger?
Bill: Ja, total. Ich habe mir nie vorstellen können, das wirklich ernsthaft zu machen, aber Lust hatte ich auf jeden Fall. Die haben damals auch unsere Bühnenkostüme gemacht. Hast du auch Dsquared an?
Tom: Bestimmt.

Runde 6: Bill und Tom 2011

Foto: imago/ ZUMA Press

Bill: Das war ganz geil, das war in Japan.
Tom: Da siehst du auch ein bisschen so aus, als würdest du gleich so Hostel-mäßig durchdrehen.
Bill: Ja, ich sehe ein bisschen aus wie ein Massenmörder, aber der Mantel ist der Wahnsinn. Er ist aus einem ganz schweren Material und total ungemütlich, aber sieht total geil aus.

Hast du den noch?
Bill: Ja, ich habe alle Sachen noch. Ich habe ein Fundus, in dem alte Bühnenkostüme hängen. Ich kann zu jedem Kleidungsstück genau sagen, wann und wo ich es anhatte und was dabei passiert ist. Eigentlich ist es wie ein kleines Museum. Ich kann einfach nichts wegschmeißen, auch wenn ich weiß, dass ich es wahrscheinlich nie wieder anziehen werde. Manchmal finde ich sogar Sachen wieder, die noch ein Preisschild haben und nie getragen wurden.
Tom: Wenn du Sachen neun Jahre lang liegen lässt, kann das auch wiederkommen.

Hast du deine 5000 Karl-Kani-Pullis aufgehoben?
Tom: Ne, ich kann das nicht. Ich habe alles gespendet.
Bill: Du hast gar nichts mehr. Ich habe das Gefühl, du hast noch zwei Koffer und das war es.
Tom: Ich habe acht Koffer und das war es.

Runde 7: Bill 2011

Foto: Imago/ PicturePerfect International

Bill: Das hat tatsächlich ein Fan für mich gemacht.
Tom: Irgendwie siehst du da weird aus. Was stimmt denn da nicht?
Bill: Das passiert manchmal. Viele Fans fangen an, Mode zu designen, weil ich sie darauf gebracht habe. Es ist erst jetzt wieder auf Tour passiert: Da war eine, die Modedesign studiert hat und als Abschlussarbeit eine Jacke für mich gemacht hat, die sie mir mitgebracht hat — teilweise ist das echt ganz cooles Zeug. Wenn ich nicht mit der Musik angefangen hätte, hätte ich bestimmt was mit Mode gemacht, das war immer meine Leidenschaft. Ich habe früher auch immer gezeichnet und Klamotten entworfen.

Runde 8: Bill 2017

Foto: Imago/ PanoramiC

Bill: Das war zur Paris Fashion Week. Da habe ich ein Soloprojekt gemacht und hatte die Haare kurz und pink. Ich erinnere mich immer an alles ganz genau wegen der Outfits.
Tom: Das fand ich ganz gut, da warst du aber auch nicht in Deutschland [Lacht].