Photo via Getty Images, Instagram, courtesy of Ludovic de Saint Sernin and Instagram

Wie bauchfrei für Männer zum heißesten Trend des Sommers wurde

Designer wie Ludovic de Saint Sernin und Riccardo Tisci haben den Look bereits auf dem Laufsteg gezeigt. Über einen textilen Befreiungsschlag.

von Camay Abraham
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17 August 2021, 7:29am

Photo via Getty Images, Instagram, courtesy of Ludovic de Saint Sernin and Instagram

Beim Betrachten der vergangenen Menswear Kollektionen ist uns ein Trend ganz besonders aufgefallen: Crop Tops für Männer. Riccardo Tisci hat für Burberry die Warrior-Variante entworfen, der Pariser Ludovic de Saint Sernin präsentierte eine elegante Glam-Rock-Version. Bei dem Label Palomo Spain waren auch glitzernde, mit Pailletten besetzte Modelle zu sehen, der australische Designer Dion Lee zeigte eine Häkelinterpretation.

Während Crop Tops lange ausschließlich mit Damenmode assoziiert wurden, hat das knapp geschnittene Kleidungsstück in den letzten Jahren auch einen Weg in die Männermode gefunden. "Ich liebe kurze Tops, weil sie mich an die 2000er erinnern", erklärt Ludovic de Saint Sernin. „Damals habe ich mir Girls wie Paris Hilton, Lindsay Lohan oder die Olsen-Zwillinge aufgeschaut und sie um ihre Outfits beneidet, denn ich wollte auch genau diese Mode tragen. Das schien für mich damals als Mann aber unmöglich. Irgendwann habe ich begriffen, dass es nur scheinbare Einschränkungen von außen, von der Gesellschaft, sind und ich tragen kann, was immer ich will. Das war einer der Gründe, weshalb ich mein eigenes Label gegründet habe. Ich wollte eine Ästhetik entwickeln, die es auch Männern jeder sexuellen Orientierung möglich macht, diesen von den 00er Jahren inspirierten Look zu tragen und sich darin selbstbewusst zu fühlen.“

 Burberry SS22 Menswear
Photo courtesy of Burberry
two models posing in ludovic de saint sernin ss21 halter tops
Photos courtesy of Ludovic de Saint Sernin

Kati Chitrakorn, Retail Editor von Vogue Business, sagte im Guardian letzten August in einem Interview: „Männermode öffnet sich langsam immer mehr für Kleidungsstücke, die früher als typisch weiblich assoziiert worden wären – High Heels, Schmuck, bunte Prints. Ich denke es liegt daran, dass wir in den letzten Jahren ein größeres Verständnis bekommen haben, wie unterschiedlich Männlichkeit definiert werden und aussehen kann“.

Zum Thema Auflösung der Grenze zwischen den Geschlechtern sagt Ludovic de Saint Sernin: „Um ehrlich zu sein habe ich über Genderfluidität in der Mode am Anfang noch gar nicht nachgedacht. Mir ging es vor allem darum, ein Label aufzubauen, mit dem ich mich wirklich identifizieren kann. Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass Kleidung nicht spezifisch männlich oder weiblich sein muss. Wem auch immer meine Mode gefällt, soll sie tragen. Es ist heute so wichtig, sich durch seine Kleidung auszudrücken und Spaß dabei zu haben. Es geht darum, zu tragen, was auch immer einen am besten repräsentiert.“

photos of dennis rodman in tank tops and halters
Photo by Ron Galella, Ltd./Ron Galella Collection via Getty Images, by Stefanie Keenan/Patrick McMullan via Getty Images and by Getty Images

Denkt man über Crop Tops bei Männern genauer nach, fallen einem ein paar Pioniere ein, die den Look bereits in den 80s getragen haben, wie etwa der junge Jackie Chan oder Basketball-Superstar und Style-Ikone Dennis Rodman. Der Sportler sorgte 1995 bei den VMAs für Aufsehen, als er in einem glitzernden Crop Top über den roten Teppich lief und trug in dem Film Double Team ein ähnliches neonfarbenes Modell.

Vor etwa zwei Monaten postete der philippinisch-amerikanische Beauty-Influencer Bretman Rock ein Foto von sich in einem weißen Crop Top und gleich dazu seine Referenz – natürlich ein Bild von Jackie Chan. Auch der amerikanische Schauspieler Rickey Thompson ist für seine Liebe zu kurzer Oberbekleidung bekannt, genau wie der japanische Sänger Takayan Gorizal.

Dass die Mode bislang nach Geschlechtern aufgeteilt war, hat Männer deutlich eingeschränkt. Doch durch die modische Emanzipation löst sich ein starres Männlichkeitsbild immer weiter auf und macht ihre Diversität auch optisch immer sichtbarer.

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