Lil C “Wir sind fabelhaft, rein faktisch gesprochen"

Um Calvin Kleins Pride-Kollektion zu feiern, sprechen wir mit bahnbrechenden jungen queeren Künstler*innen aus ganz Europa. Diesmal teilt die Radiomoderatorin und DJane Lil C mit uns, warum "fabelhaft sein" die Essenz des queeren Londoner Lebens ist.

von Created with Calvin Klein
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01 Dezember 2020, 6:06pm

Das Jahr 2020 war alles andere als eine große, geile Party – vor allem für queere Menschen, die weder einen CSD noch in ihren safe spaces feiern konnten. Dennoch hat die queere Community mit großer Hartnäckigkeit bewiesen, dass es mehr gibt, als nur Partys und Paraden, um sich zu zeigen und zu feiern. Denn: Queer Pride ist etwas, das jeder in sich selbst trägt und dadurch jeden Tag aufs Neue zelebrieren kann. 

Um genau diesen Spaß am Selbstausdruck zu feiern und das volle Spektrum der LGBTQIA*-Identitäten zu feiern, launcht die Modemarke Calvin Klein nun #PROUDINMYCALVINS. Eine Kampagne, mit der neun innovativen, queeren Persönlichkeiten von überall auf der Welt eine Plattform gegeben wird, um ihr authentisches Selbst in einer Reihe von Videos und Bildern auszudrücken. In diesem Jahr hat Calvin Klein außerdem verschiedene Vorreiter der queeren Community zusammengetrommelt, um Themen wie Liebe, Familie, Coming-Out und Identität zu thematisieren.

Natürlich darf bei Calvin Klein auch die Mode nicht zu kurz kommen, immerhin ist sie ein Teil des Selbstausdrucks und der Kern der Marke: Zu #PROUDINMYCALVINS wurde eine Pride-Kollektion gedroppt, die das ganze Jahr über erhältlich ist – nicht nur, wenn gerade CSD-Saison ist.

Wir bei i-D möchten Teil dieses Movements sein und haben fünf aufstrebende LGBTQIA-Künstlerinnen gefragt, was ihnen Pride bedeutet, welcher Community sie sich zugehörig fühlen, was das queere Leben in ihrer Stadt so aufregend macht und welche Veränderungen sie sich für die queere Gleichberechtigung in der Zukunft wünschen. 

Heute sprechen wir mit Lil C. Sie ist Boiler Room Host und dem Moderatorin bei NTS Radio und will eine Prise Spaß, eine gewisse Leichtigkeit und den feierlichen Gemeinschaftssinn der queeren Londoner Partyszene ins Leben ihrer Hörer*innen bringen.

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Was bedeutet Pride für dich?
Pride bedeutet sich wohl zu fühlen, als das eigene authentische Selbst existieren zu können und gleichzeitig die Existenz aller anderen zu respektieren. Es geht ums Feiern, Verständnis und Respekt.

Was an dem, was du tust, erfüllt dich mit Stolz?
Wenn jemand die Musik mag, die du spielst, oder wenn ihnen deine Sendung und wer du bist gefällt, dann werden sie deine Radioshow regelmäßig hören. Denn sie interessieren sich dafür, was du persönlich zur Sendung beiträgst, für deinen Geschmack und deine Kuratierung. Das, worauf ich am meisten stolz bin, ist, dass ich den Menschen, die ich selbst bewundere, eine Plattform geben kann. Da geht es nicht mehr nur um mich selbst, sondern auch darum, wen ich fördern und mit mir gemeinsam ins Rampenlicht rücken darf.

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Welche Stimmung möchtest du deinen Zuhörer*innen vermitteln?
Eine gewisse Leichtigkeit. Die meiste Zeit fühlt sich alles so ernst an, deshalb ist es die Absicht meiner Show, dass du eine Stunde lang einfach zuhören, durchs Zimmer tanzen oder dabei kochen kannst und sie soll ein Soundtrack sein, den du nutzen kannst, um dich einfach mal von der Welt abzuschotten.

Was ist das Beste daran, queer zu sein und in London zu leben?
Ähm, wir sind fabelhaft, rein faktisch gesprochen. Wir brauchen keinen Wissenschaftlerin hinzuzuziehen, aber wenn jemand ein paar Tests durchführen würde, würden die Ergebnisse zeigen, dass unsere Londoner Community einfach fabelhaft ist! Das ist also wahrscheinlich eines der besten Dinge daran, hier zu leben. Wir sind eine Gruppe von fabelhaften Menschen, die ähnlich fabelhafte Dinge tun. Es geht einfach nur darum, fabelhaft zu sein, wenn ich ehrlich bin!

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Siehst du dich sich selbst als Teil einer bestimmten Community?
Die Community in London, in der ich mich zuhause fühle, und die queere Clubszene, in der wir leben, lebt so sehr davon, gemeinsam in physischen Räumen zu sein und bei monatlichen Partys wie Pxssy Palace und BBZ zusammenzukommen. Vor der Pandemie haben wir uns getroffen und getanzt – dabei dreht sich alles ums Loslassens, das Feiern und den Spaß. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie radikal queere Schwarze Freude ist, weil so vieles auf dieser Welt einem das Gefühl gibt, es gäbe so viel Schmerz. Queere Schwarze Freude ist wirklich emanzipatorisch – sie zeigt, dass wir ohne Angst existieren können. Und sobald du ohne Angst existierst, bist du wirklich frei. Das sollte unser aller Ziel sein.

Oft wird gesagt, dass die erste Pride-Parade ein Protest war – ein halbes Jahrhundert nach Stonewall: Was glaubst, wofür wir heute noch kämpfen müssen?
Für die Rechte von Trans-Menschen. Dieses Jahr war wirklich wild. Man weiß, dass etwas wirklich ernst wird, wenn es auch im Mainstream ankommt. Auf der einen Seite steigt das Bewusstsein, und zwar schon seit einigen Jahren, aber dann sieht man sich die andere Seite an, nämlich die Statistiken von Selbstmordraten und die Lebenserwartung in der Trans*-Community. Das ist zwar bei Weitem nicht das Einzige, worum wir uns kümmern müssen, aber diese Community ist unterrepräsentiert und missverstanden und hat nicht das Gefühl, dass im Hinblick auf Gesetzgebung und staatliche Unterstützung gerade die richtigen Dinge geschehen.