Links: Maison Margiela, Artisanal, Frühjahr/Sommer 2015. Rechts: Liga le-masker, Gogodala (Kultur), Golf von Papua, Melanesien, Pazifik, von 1995, Collection Wereldmuseum Rotterdam, inv. nr. 73853, Galerie Fine Arts Collections, 199n

Wie Walter van Beirendonck die Rolle der Maskierung neu definiert

Von Margiela bis Craig Green: Wir haben mit der belgischen Modeikone im Zuge seiner neuen Ausstellung über Masken in der Mode gesprochen.

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Sep. 5 2017, 11:02am

Links: Maison Margiela, Artisanal, Frühjahr/Sommer 2015. Rechts: Liga le-masker, Gogodala (Kultur), Golf von Papua, Melanesien, Pazifik, von 1995, Collection Wereldmuseum Rotterdam, inv. nr. 73853, Galerie Fine Arts Collections, 199n

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Letzten Dienstag ist das letzte Puzzle-Teil der Ausstellung im Wereldmuseum angekommen: Basquiat. Damit ist die Ausstellung anders als die bisherigen Ausstellungen in der 130-jährigen Geschichte dieser niederländischen Institution, die sich dem akademischen Studium anderer Kulturen und Völker widmet. Der bekannte belgische Designer Walter van Beirendonck öffnet das Museum mit der von ihm kuratierten Ausstellung für ein breiteres Publikum.


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"Ich kenne das Museum schon lange", erklärt Walter am Telefon, während er mitten in den Vorbereitungen zur Eröffnung steckt. "Es ist ein bisschen altmodisch, hat eine lange Geschichte und eine umfangreiche Sammlung, aber Ethnologische Museen sind nicht mehr wirklich lebendig und stehen vor dem Problem, neue Wege zu finden, um ihr Erbe zu präsentieren. Sie haben mir deswegen freie Hand gegeben und ich durfte das machen, was ich wollte."

Links: Gesichtsmaske, Lwalwa (Kultur), Demokratische Republik Kongo, von 1978, Collectie Wereldmuseum Rotterdam, inv. nr. 73133, prof. mr. P. en mw. I. Sanders, 1995 Rechts: Viktor & Rolf, Performance of Sculptures, #18, Haute Couture Frühjahr/Sommer 2016

Masken haben in der Karriere des Designers schon immer eine wichtige Rolle gespielt, seit seinen Anfängen in der Gruppe der Antwerp Six, die in den 80ern neue Ästhetik in die Mode gebracht und Belgien als Modezentrum etabliert haben. Für Walter sind die Masken frivol, ein Fetischobjekt. Als Make-up haben sie ihren Weg in seine Kollektionen gefunden. Dafür hat er sich von der Kunstgeschichte und ethnologischen Artefakten aus dem Wereldmuseum inspirieren lassen.

"Es geht um die Fantasie. Ich möchte die Besucher in eine andere Welt entführen", sagt er. "Es gibt eine Margiela-Maske, die mit einer Maske aus Papua Neuguinea korrespondiert. Daneben steht ein Foto von Robert Mapplethorpe. Es findet eine Konversation zwischen diesen Welten statt. Das unterscheidet die Ausstellung von einer traditionellen Ausstellung. Meine ist freier und es geht mir um Kontraste."

Walter Van Beirendonck, Hand on Heart, Herbst/Winter 2011. Foto: Ronald Stoops

Und auch die Gegenstände aus der Dauerausstellung werden nicht nur als bloße Artefakte präsentiert, sondern in ihrem jeweiligen Kontext gezeigt. Walter van Beirendonck wollte sie nicht auf ein hohes Podest stellen, sondern klar machen, dass diese Masken in Zeremonien und Ritualen benutzt wurden. Ganz so wie bei Margiela, bei dem Masken ihre eigene zeremonielle Funktion auf dem Laufsteg haben. "Das ermöglicht klare Vergleiche", stimmt Walter zu. "Die Art und Weise, wie Masken Anonymität erschaffen. Martin Margiela hat die Masken ähnlich eingesetzt. Es ist schön zu sehen, dass dieses Verständnis der Maske in verschiedenen Kulturen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Orten existiert hat. Das ist kultur- und genreübergreifend."

Links: Louise Bourgeois, Untitled, 2002. Rechts: Dirk Van Saene, Herbst/Winter 2016. Foto: Ronald Stoops

Gerade im Modekontext verfügt die Maske über eine Macht, die andere Teile nicht haben: die Möglichkeit einer kompletten Transformation. "Eine Maske beeinflusst die ganze Erscheinung. Sie verleiht ihr Stärke. Wenn ich in meinen Kollektionen mit Masken arbeite, dann tue ich das, weil sie verstören. Man blickt etwas an, das man nicht gleich versteht. Sie haben etwas Subversives."

"Vielleicht ist meine Ausstellung auch zu kontrovers. Aber mir war wichtig, dass sie verzaubert und man sie genießen kann, ohne sie zu übertheoretisieren. Es geht um den Respekt für die Objekte aus anderen Kulturen, die in dieser Ausstellung gezeigt werden und darum, neu zu denken und sich von bisherigen Denkmustern zu lösen. Ich habe mit meinem Herzen daran gearbeitet."

Links: Antilope, Kurumba (Kultur), Burkina Faso, erste Hälfte 20. Jahrhundert, Collectie Wereldmuseum Rotterdam, inv nr. 56758. Rechts: Charles Fréger, Cerbul (Hert), Corlata, Rumänien, 2010-2011, Fotoserie Wilder Mann

Power Mask – The Power of Masks läuft bis zum 7. Januar 2018 im Wereldmuseum in Rotterdam. Hier findest du mehr Informationen.