Diese Künstlerin steckt Basketball-Spieler in Ball-Kleider

Die afro-kanadische Künstlerin Esmaa Mohamoud spricht mit uns über Genderfluidität und erklärt, warum wir mehr Vielfalt in Kunsteinrichtungen brauchen.

|
Dez. 18 2017, 3:09pm

One of the Boys by Esmaa Mohamou

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

"Die meisten Leute denken, dass ich ein Mann bin, wenn sie meine Kunst sehen", sagt Esmaa Mohamoud als wir sie auf der NADA Kunstmesse in Miami treffen. "Meine Perspektive speist sich aus meiner eigenen Maskulinität. Auch wenn ich eine Frau bin, habe ich maskuline Seiten an mir."


Auch auf i-D: Grace Neutral trifft die jungen Brasilianer, die eine neue Afro-Bewegung ins Leben gerufen haben und die sich ihre kulturelle Identität wieder zu eigen machen


Die 25-jährige Künstlerin ist mit ihren Multimedia-Installationen, in denen es um Gender und Sport geht, schnell zum Darling der zeitgenössischen Kunstszene in Kanada geworden. Mit ihren Basketball-Skulpturen und auf Performance beruhenden Fotografien schafft sie einfache und dennoch vielschichtige Erzählungen über Black Identity und hinterfragt so gleichzeitig die Darstellung von People of Colour in den Mainstream-Medien.

Sport hat in Esmaas Jugend eine wichtige Rolle gespielt. Es war ein "Ort für die Community", wie sie selbst sagt. Doch als sie älter wurde und ihre hauptsächlich männlichen Freunde über Sport-Stipendien ans College kamen, fragte sie sich immer mehr, wie die Sport- und Bildungs-Strukturen in Nordamerika wirklich funktionieren. "Ohne Sport würden sich die meisten keine Uni-Ausbildung leisten können", erklärt sie. "Das ist die traurige Realität für viele junge Schwarze."

Für ihre Fotoserie One of the Boys hat die junge Fotografin zwei ihrer Musen in ein Hybrid-Kleidungsstück (designt von dem Künstler Qendrin Hoti) gesteckt. Bei diesem sieht der obere Teil wie ein Basketball-Trikot aus, das ab der Hüfte zu einem extravaganten Ballkleid wird. Esmaa erklärt auch, dass es sich bei einem der Models um eine Frau handelt. "Das ist ein Grund, warum ich sie in dieser Position fotografiert habe", erklärt die Künstlerin. "Damit man mit der Widersprüchlichkeit von Geschlechtern und seinen eigenen Erwartungen spielen kann."

Auf meine Frage, wer die Models sind, antwortet sie mit einem Lächeln: "Es war wirklich schwer, schwarze Männer zu finden, die bereit waren, ein Kleid anzuziehen." Nachdem sie eine Absage von Dutzenden Männern (einschließlich befreundeten Künstlern) bekam, erklärte sich schließlich der kleine Bruder eines Freundes dazu bereit. "Diese Arbeiten sind gerade deshalb so wichtig, weil die schwarze Maskulinität so fragil ist, dass schwarze Männer es als Angriff auf ihre Männlichkeit empfinden, wenn sie ein Kleid tragen sollen", sagt sie. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit als ein afro-zentristisches, vom Football inspiriertes Performance-Piece, das durch den Akt des Kniefalls durch amerikanische Footballspieler inspiriert worden sei.

Auf die Repräsentanz von schwarzen Künstlern angesprochen, fordert sie ein stärkeres Bewusstsein dafür, wie Kulturinstitutionen funktionieren: "Manchmal habe ich das Gefühl, dass schwarze, zeitgenössische Künstler als Feigenblatt herhalten müssen. Was ich so faszinierend am Schwarz-Sein finde, ist die Vielschichtigkeit an Identitäten. Es gibt nicht die eine Definition. Beide Seiten haben die gleiche Verantwortung, diese Vielfalt zu zeigen. Es geht um die Institution, aber auch um die Künstler selbst."