supermodel josephine skriver wuchs mit einem schwulen vater und einer lesbischen mutter auf

Das dänische Supermodel Josephine Skriver lacht von den Titelseiten der Mode-Magazine, ist der Start in Kampagnen für Gucci, Armani, DKNY und läuft auf so ziemlich jedem Laufsteg unter der Sonne. Doch nur wenige wissen, dass Josephine in einer LGBTQ...

von Tish Weinstock
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27 März 2015, 9:40am

Josephine Skriver

Vor zwanzig Jahren schaltete Josephines Mutter eine Anzeige in einem LGBTQ-Magazin, um einen schwulen Mann zur Familiengründung zu suchen. Jetzt zwei Kinder später geht es der Skriver-Familie blendend. Josephine waren die Umstände ihres Heranwachsens etc. nie wirklich bewusst, denn LGBTQ-Familien sind genau so, wie jede andere Familie, bis vielleicht auf die Tatsache, dass es oft weniger Streit, größere Urlaube und mehr Geschenke zu Weihnachten gibt. Josephine ist die Repräsentantin des Family Equality Councils und dessen Outspoken Generation-Programm, einem Projekt, welches die Aufgabe hat ein Bewusstsein für LGBTQ-Familien schaffen, indem Eltern und Kindern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Geschichten zu teilen. Wir treffen die Schönheit, um von ihr zu hören, wie es sich anfühlt ein „Regenbogenkind" zu sein.

Wie war es für dich und deinen Bruder mit homosexuellen Eltern aufzuwachsen?
Ich wusste nicht, dass mein Leben nennenswert anders war, weil ich Eltern hatte, die meinen Bruder und mich sehr liebten; Eltern, die sich aufopferten, liebten, kämpften und uns Dinge über das Leben lehrten, wie alle anderen Eltern es auch getan hätten.

Macht es dir etwas aus, wenn Leute Bezeichnungen wie „unkonventionell" oder „nicht traditionell" benutzen, wenn sie auf deine Erziehung verweisen?
Ich hoffe, dass das Konzept der „Familie" eines Tages mehr als das traditionelle heterosexuelle Pärchen mit zwei Kindern, einem Haus und einem weißen Lattenzaun bedeuten wird. Für mich ist eine Familie eine Gruppe durch Liebe verbundener Menschen! Liebe ist, was eine Familie ausmacht!

Wir wurden alle in unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Persönlichkeiten geboren, und wir alle haben das Recht darauf einfach zu sein, wer wir sind! Es hat ohne Zweifel mein Herz geöffnet und mich gelehrt, dass Liebe nicht urteilt, Liebe nicht diskriminiert und Liebe keinen Hass kennt.

Wie hat das Aufwachsen in der LGBTQ-Community deinen Blick auf die Welt beeinflusst?
Es hat mir gezeigt, dass man auf die Welt mit offenen Augen und offenem Geist zugehen muss! Keiner von uns ist gleich … Wir wurden alle in unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Persönlichkeiten geboren, und wir alle haben das Recht darauf einfach zu sein, wer wir sind! Es hat ohne Zweifel mein Herz geöffnet und mich gelehrt, dass Liebe nicht urteilt, Liebe nicht diskriminiert und Liebe keinen Hass kennt.

Warum wollte deine Mutter ausdrücklich, dass ihr beide einen schwulen und nicht einen heterosexuellen Vater habt?
Eigentlich wollte meine Mutter nie ausdrücklich einen schwulen Vater für uns. Aber als Teil der LGBTQ-Community war es für sie einfach eine sehr natürliche Entscheidung, einen Vater mit demselben Hintergrund zu suchen.

Hat es für dich als du jünger warst einen Unterschied gemacht, dass deine Mutter und dein Vater nicht in einer konventionellen Beziehung zueinander standen?
Ganz und gar nicht. Meine Eltern waren und sind homosexuell, sodass es für mich merkwürdig wäre, mir sie in einer heterosexuellen Beziehung vorzustellen.

Wie viel Zeit verbringt ihr zusammen als gesamte Familie?
Da der Atlantik zwischen uns liegt, ist es für mich heutzutage nicht einfach, aber wir verbringen größere Feiertage und Geburtstage zusammen.

Haben du und deine Familie jemals Diskriminierung aus erster Hand erfahren?
Ja, traurigerweise ist es nicht immer einfach Teil einer Minderheit zu sein, auf die einige Menschen hinabschauen, also haben wir natürlich auch ein paar mal solche Erfahrungen gemacht. Aber ich glaube, dass in einem Land wie Dänemark aufzuwachsen mich vor viel Hass, wie er in anderen Teilen der Welt weiterhin existiert, geschützt hat.

Was unterscheidet Dänemark von anderen Ländern, wenn es um LGBTQ-Familien und -Gemeinschaften geht?
Dänemark ist sehr progressiv im Kampf für LGBTQ-Rechte, also hatte ich das Glück, in einem sehr akzeptierenden Land aufzuwachsen. Wir sind auf keinen Fall perfekte Menschen, aber ich schätze die Offenheit, welche die Dänen gegenüber diesem besonderen Thema haben.

Bist du mit vielen LGBTQ-Familien befreundet?
Um ehrlich zu sein, nein. Als ich aufgewachsen bin, war ich in meiner Altersgruppe das einzige Kind mit LGBTQ-Eltern. Erst, als einige Jahre später mein Bruder geboren wurde, fingen schließlich die meisten Freunde meiner Eltern damit an, eigene Kinder zu bekommen. Jetzt bin ich wie eine große Schwester für sie alle.

Findest du, dass LGBTQ-Familien ausreichend in Medien, Pop-Kultur oder sogar im allgemeinen Bewusstsein vertreten sind?
Nicht wirklich. Ich wünschte, dass diese Beziehungen mehr gezeigt werden würden, und nicht nur, wenn eine Sendung politisch korrekt sein und alle einbeziehen will! Wenn LGBTQ-Familien einfach als ein Teil der Normalsituation dargestellt werden würden, mit Mitgliedern, welche genau die selben Belange wie andere Familien auch haben, ohne irgendwelche Stereotypen - das würde helfen einen sichtbaren Fortschritt zu machen.
Was ist mit Filmen wie The Kids Are Alright (in welchem zwei lesbische Eltern auseinandergerissen werden, als eine von ihnen mit dem biologischen Vater/dem anonymen Samenspender ihrer Kinder schläft)? Sind solche Filme hilfreich oder schädlich für die Gleichberechtigung von LGBTQ-Familien?
Ich muss zugeben, dass ich mich von dem Film etwas angegriffen gefühlt habe, weil ich zunächst wirklich froh darüber war, dass das Thema auf die große Leinwand gebracht wurde. Aber die Szene in der sich die Mutter entscheidet, mit dem männlichen Hetero-Vater zu schlafen war - zumindest für mich - sehr unnötig und ein unglaubwürdiges Szenario!

Was kann nur falsch daran sein, einen anderen Menschen zu lieben, der genauso empfindet und eine gemeinsame Familie haben zu wollen? Frau oder Mann … Liebe ist Liebe und das Herz will, was es will.

Wirst du im Kontext deiner Eltern häufig über deine eigene Sexualität befragt?
Ja, sehr viel!

Was hoffst du mit dem Family Equality Council und seinem Outspoken Generation-Programm zu erreichen?
Ich hoffe, dass ich ein Bewusstsein dafür schaffen kann, wie toll und liebevoll Eltern, die Mitglieder der LGBTQ-Community sind, sein können. Wen sie lieben macht sie nicht weniger fähig, großartige Menschen aufzuziehen. Je mehr Menschen begreifen, dass meine eigene Erziehung und die von anderen gesund und positiv war, desto mehr werden sie verstehen, dass die Liebe in einem LGBTQ-Haushalt nichts anderes ist als in einem Hetero-Haushalt.

Inwiefern wird es dir bei der Angelegenheit helfen, dass du Model bist?
Ein bekanntes Gesicht zu haben kann helfen, eine lautere Stimme zu haben, um sie in diesem Kampf zu benutzen.

Sollten mehr Models das Wort ergreifen und sich für wichtige Themen einsetzen?
Es ist sehr wichtig für das, woran du glaubst zu kämpfen, weil schon der kleinste Beitrag zu großen Veränderungen führen kann. Wenn du also die Macht hast, gehört zu werden und deine Botschaft im Rest der Welt zu verbreiten, würde ich persönlich es als Schande empfinden, wenn ich keinen Vorteil aus dieser Gelegenheit ziehen würde.

Wenn du den Kindern von LGBTQ-Familien eine Botschaft vermitteln könntest, welche wäre das?
Sei froh und stolz darauf, wie wunderbar und tapfer deine Eltern sind! Sie haben keinen Rückzieher gemacht! Sie haben hart dafür gekämpft, dich in ihrem Leben zu haben!

Und was würdest du den Menschen sagen, die sie und ihre Eltern diskriminieren?
Meine Frage an diese Leute wäre einfach: Was kann nur falsch daran sein, einen anderen Menschen zu lieben, der genauso empfindet und eine gemeinsame Familie haben zu wollen? Frau oder Mann … Liebe ist Liebe und das Herz will, was es will. Kinder aus solchen Familien sind keine Opfer oder Menschen die bemitleidenswert sind, weil sie einfach sind, wie jedes andere Kind auch - sie wünschen sich die Liebe ihrer Eltern, die wiederum darauf hoffen, diese zurückgeben zu können.

@JosephinSkriver

Credits


Interview: Tish Weinstock 

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