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zwei papas sind besser als einer

Zwei Väter zu haben ist nicht mehr so ungewöhnlich, wie es einmal war. Immer mehr homosexuelle Pärchen entscheiden sich für Kinder, trotz der vielen Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden – finanziell, rechtlich und sozial.

von i-D Team
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16 März 2015, 11:50am

Bruno Staub

Am 23. September 2012 gaben Designer Tom Ford und sein Partner Richard Buckley die Geburt ihres Sohnes Alexander John Buckley-Ford bekannt. Eine Leihmutter brachte den Jungen zur Welt. Alexander ist das erste Kind der beiden, die seit 25 Jahren zusammen sind. Tom und Richard sind nur ein Beispiel in einer Reihe von gleichgeschlechtlichen Promi-Paaren, die Kinder haben. Vor vier Jahren haben Elton John und David Furnish am ersten Weihnachtsfeiertag die Geburt ihres Sohnes Zachary Jackson Levon Furnish-John bekanntgegeben. Er kam ebenfalls durch eine Leihmutter zur Welt. Mittlerweile haben die beiden zwei gemeinsame Söhne. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr sich unsere Leben durch den kleinen Engel geändert haben", sagte Furnish der Presse kurz nach Zacharys Geburt. Elton John fügte hinzu: „Vater sein ist das beste, was uns jemals passiert ist." 

Die Zunahme von Regenbogenfamilien (Familien, bei denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als eine Familie leben) in den letzten Jahren wird in englischsprachigen Ländern als Gayby Boom bezeichnet. Ricky Martin und sein damaliger Partner Carlos Gonzàlez Abella wurden 2008 mit Hilfe einer Leihmutter die stolzen Eltern von Zwillingen, Valentino und Matteo. Cynthia Nixon, besser bekannt in ihrer Rolle als Miranda Hobbes in der Fernsehserie Sex and the City, wurde zum wiederholten Mal Mutter, als ihre langjährige Partnerin Christine Marinoni 2011 ein Baby zur Welt brachte. Seit Mai letzten Jahres erscheint alle zwei Monate das Hochglanzmagazin Pink Parenting mit allem, was gleichgeschlechtliche Paare über Adoption, Leihmutterschaft und Pflegefamilien wissen müssen. Trotz der Zunahme und besseren Sichtbarkeit von Regenbogenfamilien, sehen sich gleichgeschlechtliche Paare immer noch mit vielen Herausforderungen bei der Familienplanung und Familienrealisation konfrontiert. Wie Elton John gegenüber dem britischen Guardian erklärt hat: „Ich denke, dass man es als Einzelkind schwer hat und dann noch als Einzelkind eines Promis. Ich möchte, dass [Zachary] ein Geschwisterchen hat, damit er nicht allein ist. Ich bin mir bewusst, dass er unter großem Druck stehen wird, wenn er zur Schule geht. Es wird die Leute geben, die sagen werden: ‚Du hast keine Mama'. Das wird passieren. Bevor wir ihn bekommen haben, haben wir darüber gesprochen. Ich will jemanden an seiner Seite, der ihn unterstützen kann."

Die Rolle der ‚Mutter' in schwulen Regenbogenfamilien ist in vielerlei Hinsicht unbekanntes Terrain. Was passiert, wenn man sich mit seiner Spenderin überwirft? Wie und wann erzählt man seinem Kind, wo es wirklich herkommt? Unweigerlich wollen einige adoptierte Kinder oder durch Leihmutterschaft Geborene früher oder später wissen, wer ihre leibliche Mutter ist. Elternschaft hat nichts mit der biologischen Urheberschaft des Kindes zu tun. Es geht darum, jemand anderen zu lieben, für ihn zu sorgen, auf ihn aufzupassen und dieser Person alles zu geben, damit es seinen Weg ins und im Leben findet. „Unsere Kinder kenne ihre Leihmütter und wir besuchen sie in den USA", sagen Barrie und Tony Drewitt-Barlow, die 1999 Geschichte geschrieben haben, als sie nach Kalifornien geflogen sind, um ihre Zwillinge nach Hause zu bringen, die durch Spendereier und durch eine Leihmutter ausgetragen wurden - das erste gleichgeschlechtliche Elternpaar Großbritanniens. Die Zwillinge, Saffron und Aspen, waren die ersten Kinder in Großbritannien, auf deren Geburtsurkunde zwei Väter stehen. Das Paar hat seitdem vier weitere Kinder durch Leihmutterschaft bekommen. Sie haben sogar ihre eigene Leihmutteragentur gegründet, die gleichgeschlechtliche Paare in den USA und Europa unterstützt.

Wenn man einem Kind ein liebevolles Zuhause und die Sicherheit bieten kann, dass es zu einer eigenständigen, selbstwussten Person heranwachsen kann, dann spielt es keine Rolle, ob die Eltern schwul, hetero oder bi sind. Beim Großziehen von Kindern kommt es nur auf eins an: uneingeschränkte Liebe. Die sexuelle Orientierung der Eltern hat damit nichts zu tun.

Der britische Schauspieler Rupert Everett - selber offen schwul - wurde 2012 für seine Kommentare über Regenbogenfamilien heftig kritisiert. In einem Interview mit der Londoner Sunday Times sagte er, dass er sich „nichts Schlimmeres vorstellen kann, als von zwei schwulen Vätern aufgezogen zu werden." Er fügte hinzu, dass schwule Männer „keine guten Eltern" seien. Die Reaktionen aus der schwulen Community ließen nicht lange auf sich warten. „Rupert sollte öfter mal rausgehen, um die Realität mit eigenen Augen zu sehen. Es gibt absolut keine Beweise, dass Kinder aus Regenbogenfamilien darunter leiden, dass sie zwei Mütter oder zwei Väter haben", kommentierte Ben Summerskill, ehem. Vorsitzender der britischen LGBT-Organisation Stonewall.

Die Mehrheit der Leute weiß das. Wenn man einem Kind ein liebevolles Zuhause und die Sicherheit bieten kann, dass es zu einer eigenständigen, selbstwussten Person heranwachsen kann, dann spielt es keine Rolle, ob die Eltern schwul, hetero oder bi sind. Beim Großziehen von Kindern kommt es nur auf eins an: uneingeschränkte Liebe. Die sexuelle Orientierung der Eltern hat damit nichts zu tun. Eine Studie der britischen Child Welfare Organisation [Organisation für das Kindeswohl] bestätigt das: Kinder aus Regenbogenfamilien unterscheiden sich in keiner Weise in ihrer Entwicklung von Kindern aus Hetero-Familien. Ebenfalls sagt die sexuelle Orientierung der Eltern nichts über die Qualität als Eltern oder das Funktionieren als Familie aus. Die Studie stellt außerdem fest, dass Erwachsene, die in Regenbogenfamilien aufgewachsen sind, toleranter sind. Vielleicht etwas, wovon Rupert lernen könnte?

Laut einer Studie des Birkbeck College in London ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass schwule Paare, die aktiv auf der Suche nach Adoption sind oder Kinder mit Hilfe von Leihmüttern haben wollen, engagierte, liebevolle und finanziell solvente Eltern werden. Sie können keine Kinder auf natürliche Weise bekommen, also müssen sie sich bewusst dafür entscheiden, ein Kind zu adoptieren oder eine Leihmutter zu finden. Nicht nur in Großbritannien sind gleichgeschlechtliche Paare eine noch unerschlossene Quelle für Adoptionen. Von den 3.200 adoptierten Kindern in Großbritannien wurden 2010 nur 4% von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert. Robert Triefus, Marketingchef von Gucci und enger Freund von i-D, war mit seinem Partner Caleb Negron 1999 eines der ersten gleichgeschlechtlichen Paare, die adoptiert haben. „Die zwei Jahre, bevor die Adoption von Matteo endgültig durch war, waren die reinste Achterbahnfahrt. Wir haben jedes Gefühl durchgemacht, von Angst und Jubel, bis zu tiefer Verzweiflung und intensiver Freude. In dem kleinen Jungen fanden wir uneingeschränkte Liebe und er ist jetzt Teil unserer Leben und der Grund, jeden Tag und jede Nacht zu feiern. Wir hoffen damit anderen, die auch von Adoption träumen, Hoffnung machen zu können. Es gibt so viele Kinder da draußen, die dringend liebende Eltern brauchen", sagte Robert zu i-D. Robert und Caleb haben inzwischen ihr zweites Kind adoptiert.

Die vielleicht größte Herausforderung moderner Erziehung ist die Frage, ob es wichtiger ist einen „Vater" oder „Papa" zu haben. Als jemand, der mit einem abwesenden Vater aufgewachsen ist, bin ich unter den ersten, die für „Papa" argumentieren. Am Ende kommt es doch nicht auf die Gene an, wenn man keinen hat, der einen mit Liebe, Rat und Unterstützung dabei hilft zu der Person heranzuwachsen, die man wirklich ist. Vatersein erschöpft sich nicht darin, hin und wieder anzurufen oder aus schlechtem Gewissen 20 Euro zuzuschicken. Ein abwesendes Elternteil kann dir Sonntagnacht nicht bei deinen Mathe-Hausaufgaben helfen oder dich umarmen, wenn du dich schlecht fühlst. Ein Vater ist nur der biologische Erzeuger für sein Kind. Ein Papa ist für sein Kind rund um die Uhr, sieben Tage die Woche da. Er nimmt aktiv in und an dessen Leben teil, hilft ihm zu wachsen, zieht es auf und pflegt es. Und dafür braucht man nicht dieselben Gene zu teilen.

Töpfchentraining, Geschrei, laufende Nasen und Diskussionen beim Zubettbringen sind für Hetero- und Homo-Eltern dasselbe. Das Level an Aufmerksamkeit, das Kinder brauchen, ist eine Herausforderung. Als Elternteil ist man für jemand anderen verantwortlich. Ihr Leben liegt in den Händen der Eltern und die Entscheidungen, die man als Eltern trifft, beeinflussen sie. Es liegt an den Eltern ihre Zukunft zu gestalten und ihnen richtig von falsch beizubringen. Ein Kind muss gefüttert, angezogen und beschützt werden und sie vertrauen den Eltern, dass schlimme Sachen wieder vorbeigehen. Ob homo oder hetero, reich oder arm, groß oder klein, Eltern sind die wichtigsten Personen im Leben eines Kindes. Es ist die Pflicht und Verantwortung von Eltern dieses riesige Kompliment zurückzugeben und sicherzustellen, dass Kinder wissen, dass sie das wichtigste im Leben der Eltern sind. Alle Eltern sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder, aber wenn ein Kind mit genügend Liebe und Zuneigung aufgewachsen ist, dann stehen die Chance ziemlich gut, dass es seinen Weg finden wird. Das Erwachsenwerden ist für Kinder oft nicht leicht, aber heutzutage ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Grund dafür die Sexualität ihrer Eltern ist.

Credits


Text: Christopher Bennett
Foto: Bruno Staub
Styling: Elgar Johnson