diese badass-oma ist besser als du auf instagram

Baddie Winkle ist die Oma, die wir werden wollen, und sie ist auch noch zufällig der BFF von Miley Cyrus.

von Ashley Hoffman
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19 Juli 2016, 11:25am

Helen van Winkle ist 88 Jahre (sie hatte gestern Geburtstag, Happy Birthday) und kommt aus Kentucky. Das wird dir erstmal nichts sagen. Besser bekannt ist sie als Baddie Winkle, die fresheste Oma auf Instagram mit über 2 Millionen Followern. Zu ihren Fans gehören unter anderem Miley und Drake. Aus der Amerikanerin mit ihren knallbunten Neon-Outfits und frechen Kommentaren („Stealing your man since 1928" und „When the haters think i give a $hit" sind Klassiker) wurde eine Social-Media-Ikone des 21. Jahrhunderts.

Die viel beschäftige Helen für ein Interview zu erwischen, ist aber eine Sache für sich. Sie ist in Las Vegas auf Clubtour unterwegs, steht für eine Kampagne von PSD Underwear vor der Kamera, holt sich in Toronto bei den Digi Awards den Instragrammer of the Year Award passend in einem knallig violetten Mantel ab—nur ein Auszug aus einer Woche in ihrem Leben. Bei so einem gefüllten Terminkalender ist es auch kein Wunder, dass sie es seit ein paar Monaten nicht mehr sonntags in die Kirche geschafft hat. Baddie Winkle lebt zusammen mit ihrer Tochter Kennedy und ihrer Enkeln Dawn in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee.

„Ich kann das alles gar nicht mehr fassen. Es gibt so viele Leute, die mich lieben. Das ist kaum begreiflich", sagt sie mir, als ich sie dann doch erwische.

Die vielen (Millionen) Fans sehen sich auf ihrem Instagram-Account Videos von ihr an, wie sie in Minikleid zu „Hotline Bling" tanzt, leuchtende Sneaker und einen Been Trill-Badeanzug rockt. Mit ihren knalligen Regenbogenoutfits und ihrer puren Lebensfreude beweist Baddie, dass Älterwerden keinem Todesurteil gleichkommen muss, beschönigt auch auch nichts: Älterwerden heißt auch Tabletten nehmen und die obligatorische Hüft-OP.

Was für einen Effekt Baddie hat, zeigt sich in den vielen Kommentaren, wie der von Kgoieb: „Ich möchte auch so badass wie dieses Chick werden, #lifegoals". Und das ist nur einer von tausenden, ähnlichen Kommentaren, die in ihrem Feed zu finden sind. Zu ihren Fans gehören aber nicht nur junge Menschen. „Mir sagen auch ältere Menschen, dass ich sie inspiriere. Dass sie einfach raus und Dinge erleben wollen. Und viele haben das dann auch umgesetzt", so Baddie Winkle.

Wie ist Baddie zu Baddie geworden? Im April 2014 ging ein Foto von ihr beim Sonnen in einem Crop-Top, das ihre Enkelin gemacht hatte, auf Twitter viral. Seitdem wurden ihre Fotos immer professioneller und frecher. Kennedy und Baddie stellen die verspielten Signature-Looks aus dem immer größer werdenden Kleiderschrank zusammen, den großen Marken, aber auch kleine Etsy-Shops nur zu gerne füllen.

Baddie Winkle geht entspannt mit ihrem neu gefundenen Internetrum um. „Das hat mein Leben total verändert", sagt sie. Auf meine Frage, ob sie Probleme mit einer Online-Persönlichkeit habe, antwortet sie: „Ich glaube nicht, dass ich mich wirklich verändert habe. Ich bin immer noch ich."

Heute zählt zu Baddies Fans die ebenfalls aus Kentucky stammende Ravewear-Begeisterte Miley Cyrus. „Miley ist toll", erklärt mir Baddie. „Als ich sie getroffen habe, konnte ich nicht fassen, wie süß sie ist. Sie ist außergewöhnlich und bodenständig, was mich überrascht hat. Sie war nicht überheblich nach dem Motto ‚Ich bin ein großer Star und bin größer als du', wie es so viele tun."

Dann ist da noch die Sache mit Drake. Über Monate zeigte Baddie ihre absolute Liebe für Drake, bevor er Rapper sie endlich bemerkte. Nachdem er ein Bild von ihr mit einem Tank-Top und dem Slogan „Drake would never treat me like this" repostete, war eine ganz neue Metaebene erreicht.

Wie jeder mit über einer Million Follower weiß: Haters gonna hate. „Wir nennen die, die mich nicht mögen, basics. Wir beten für die basics", sagt sie. „Ich bete dafür, dass sie ein eigenes Leben haben. Wenn du nichts Positives zu sagen hast, dann sage nichts." Ihre Trolle kommentieren Sachen mit „Du sollst in einem Altersheim sein". Das hat sie anfangs noch verletzt, bis sie gelernt hat, das einfach auszublenden.

Baddie ist gläubige Christin. Ihr Großvater war Pfarrer. Nachdem ihr Ehemann Earl bei einem Autounfall ums Leben kam und ihr Sohn David an Krebs starb, zweifelte sie an ihrem Glauben. „Ich möchte nicht die ganze Zeit weinen. Dass mich das Internet so liebt, hat mir viel geholfen. Ich werde beide irgendwann wiedersehen. Daran habe ich keine Zweifel."

Ihr neues Leben als Social-Media-Superstar besteht aus Shootings für neuen Content für ihren Instagram-Account und auch Presseinterviews wie diesem. Wenn sie mal Zeit für sich hat, entspannt sie sich gerne in Leggins (oder Crop-Tops) und schaut die neuesten Folgen von Blacklist, NCIS und Schatten der Leidenschaft.

Aufgewachsen ist Helen auf einer Farm mit Hühnern, Schweinen und Pferden in Glomar, Kentucky in der Vor-Internet-Zeit. Es gab keine Elektrizität bis sie acht Jahre alt war. Wie verbrachte sie ihre Freizeit damals? Sie fuhr auf Holzwagen den Berg runter, im Wald veranstaltete sie einen Zirkus und verkroch sich in Weinreben.

„Man darf nicht vergessen, dass ich während der Großen Depression aufgewachsen bin. Ich war aber schon immer ein eigenwilliges Kind. Ich habe schon immer alberne Dinge getan. Das war nichts Wildes, aber ich habe immer mein Ding gemacht."

Wenn man es sich richtig überlegt, dann hat sich nicht viel verändert.

@baddiewinkle

Credits


Text: Ashley Hoffman
Titelfoto via Imago

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