Diese jungen Berliner lassen sich in keine Schublade stecken

Der Fotograf und Filmemacher Matt Lambert ist für seine Suche nach der echten und wahren Form von Jugend und Sexualität bekannt. Wir haben ihn gebeten, die junge Generation Berlins für uns zu fotografieren.

von Matt Lambert
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18 November 2015, 11:05am

"Letzten Monat habe ich ein paar Berliner Teenager getroffen, die sich als nicht-hetero identifizieren. Ich sprach mit ihnen über die Stadt, wie die Stadt ihre Identität beeinflusst und wen sie lieben. Es hat mich nicht überrascht, dass sie darüber viel weniger nachdenken als ältere Generationen. Vor fünf Jahren kam ich in nach Berlin und in vielen meiner Arbeiten beschäftige ich mich mit Jugend, Intimität, Liebe und Sex.


Auch auf i-D: Bowies Berlin – ein Film von Matt Lambert


Berlin hat mir eine Stimme verliehen und mein Auge geschärft. Ich bewundere die Offenheit und das Selbstvertrauen dieser Jugendlichen. Es sind die Leute abseits des Mainstreams, die Berlin voranbringen. Noch spannender finde ich, wie diese Energie und die innovativen Gedanken von der nächsten Generation aufgenommen und verinnerlicht werden." – Matt Lambert.

"Auf Berlins Straßen treffe ich jeden Tag auf Menschen, die anders aussehen und ihre Sexualität frei ausleben. Dies gibt mir Selbstbewusstsein, mein eigenes Ich rauszulassen. Oft ist es in Berlin sogar ein Vorteil für mich, schwul zu sein, da viele Berliner sich gerne mit Leuten umgeben, die nicht der Norm entsprechen. Ich denke, von Generation zu Generation werden die Menschen überall in Deutschland toleranter und es wird in der Zukunft ein einheitlich tolerantes Deutschland geben." - Bennett, 18

"Es ist wichtig, dass man einerseits so akzeptiert wird, wie man ist, und andererseits auch Gleichgesinnte findet. In Berlin geht beides." - Zoe, 19

"Auch wenn das Leben hier in Berlin nicht immer leicht ist, schwul sein ist nie der Grund dafür. In Berlin entscheide ich, wer ich sein will, was ich tun will und mit wem ich abhänge." - Lukas, 17

"Ich erinnere mich an keine Situation in Berlin, in der ich auf Grund meiner Identität wirklich unsicher war. Natürlich gibt es Leute, die pöbeln, aber den meisten fehlt die Motivation, wirklich etwas zu tun. Und die, die pöbeln, sind immer in der Unterzahl. Es gibt immer Unterstützer des Anderen und deshalb lohnt es sich, sich so auszudrücken, wie man will. Ich glaube, jemand, der mit Vielfalt nicht klar kommt, kommt in Berlin nicht lange klar." - Fion, 17

"Berlin ist ein Königreich, wie kein anderes auf dieser Welt. Du kannst hier sein, wer immer du auch sein willst. Du kannst machen, was auch immer du machen willst. Berlin bietet einem so viele Freiheiten. Es ist wunderbar. Ich fühle mich so wohl, mich selbst auszudrücken und ich selbst zu sein. Manchmal frage ich mich, ob mich Berlin geändert hat oder ob es einfach mein wahres Ich nach außen gebracht hat. Ich habe in vielen verschiedenen Städten gelebt, aber Berlin ist die perfekte Stadt für dein Coming-Out. Die LGBTQ-Community ist riesig und die Kultur sehr jung und queer." - Sadly, 18

"Berlin hat es mir erlaubt, ohne Limits zu leben. Ich habe immer schon gesagt, was ich denke und fühle. Berlin ist sozial sehr schnelllebig und Menschen beurteilen deine Sexualität nicht wirklich, was Berlin zu einem sehr integrierten Ort für Schwule macht. Es ist nichts Besonderes, schwul zu sein. Ob du noch so oder so bist, ist nicht mal erwähnenswert." - Henry, 18

"In Berlin hat jeder seinen Freiraum. Du kannst hier deine dunkelsten Gefühle und Wünsche ausleben. Abnormität wird zur Normalität. Das gibt mir die Freiheit zu machen, was ich will. In Berlin ist es egal, ob du schwul, straight, bi, Trans oder was auch immer bist."- Hans, 18

"Manchmal wenn ich durch die Straßen Berlins laufe, bekomme ich das Gefühl, dass jeder hier speziell ist und jeder das Recht hat, so zu leben, wie er oder sie glücklich ist. Berlin hat mich dazu ermutigt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Ich liebe Berlin und seine Schnelligkeit, sein Leben und Verschiedenheit." - Karla, 18

"In Berlin spielt Sexualität keine Rolle, es geht um die Persönlichkeit der Menschen. Die Toleranz ist groß und man wird nicht gleich in eine Schublade gesteckt. Für mich persönlich ist es so, dass ich versuche meine Sexualität nicht zu definieren, weil es mir um den Charakter des Menschen geht und das Geschlecht in den Hintergrund rückt. Für meine Familie war meine Sexualität nie ein Problem. Ich habe mit meinen Eltern nie ausführlich über das Thema gesprochen, aber ich weiß, dass sie mich lieben, so wie ich bin " - Maeva, 18

"Berlin ermöglicht es mir, so zu sein, wie ich wirklich bin, ohne über die Meinungen oder Gefühle der anderen nachdenken zu müssen. Seit ich hierher gezogen bin, ist meine Sexualität nicht länger ein Thema." - Nico, 18

Credits


Fotos: Matt Lambert
Assistenz: Luca Fuchs
Haare & Make-up: Tan Vuong

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