was bedeutet es, radikal zu sein?

Reba Maybury, Editor von „Sang Bleu“, bat Londons radikale Urgesteine, ihre verrücktesten Geschichten auszupacken.

von Felicity Kinsella
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19 Februar 2015, 12:50pm

Indem sie nur über 50-Jährige featured, hat Reba Maybury sichergestellt, dass in ihrer Zeitung Radical People nur wahre Pioniere auftauchen, die an etwas glauben und die ihr ganzes Leben für ihre Überzeugungen gekämpft haben. Vom Sade-Bassisten Paul Denman bis zu i-D's Kulturkorrespondentin Princess Julia, Londons Radikale lernen uns etwas über Werte, soziale Konstrukte und Mitleid. Sie schreiben sehr persönlich darüber, was für sie radikal ist. Die entstandenen Essays reichen von lustigen und traurigen Erinnerungen bis zu reinen Reaktion auf das Wort. Die unglaublich aussagekräftigen Porträts kommen von Kingsley Ifill. Die Geschichten sind exzentrisch, herzzerreißend und aufklärend. Wir präsentieren euch vor zum Launch von „Radical People" im März Auszüge aus den Erzählungen. 

Paul Denman
„1. November 1977: Der Tag, an dem Punk mein Leben verändert hat. Sheffield. 22:30 Uhr. Ich bin schweißgebadet, voller Spucke und Bier. The Clash haben soeben die Bühne verlassen und ich wusste, dass mein Leben, so wie ich es kannte, vorbei war. Ich werde raus gehen und etwas aus meinem Leben machen. Etwas Größeres. Etwas Besseres. Und ich werde kämpfen. Ich kündige meinen Fabrikjob, sage Tschüss zu meinen Gewerkschaftsfreunden, gehe raus und will etwas werden, etwas verdammt Großes."

Judy Blame
„Jahre lang war ich Unruhestifter, habe Drogen genommen und in jedem Teil meines Lebens experimentiert. Das Radikalste, was man heutzutage machen kann, ist, sich um sich selbst und andere zu kümmern."

Ms. Lana Pellay
„Ich werde oft als Radikale gesehen, weil ich daran glaube, dass das Geschlecht ein Mythos und ein essentialistisches soziales Konstrukt ist; einige sehen es als Wahrheit an, aber für die meisten von uns, die aufmerksam sind, gibt es überhaupt keine Wahrheit. Weil die echte Bedeutung von trans ist, alle Ideen über gegensätzliche Geschlechter hinter sich zu lassen und die Möglichkeit zu feiern, dass es eine Bewusstseinsebene gibt, die nichts mit dem Geschlecht zu tun hat."

Ms. Princess Julia
„Ashley [Veirs, Mitbewohner von Princess Julia 1978] war hysterisch. Ich wusste nie wirklich, was er den ganzen Tag machte, aber ich hatte eine vage Vorstellung davon. Er dachte sich oft Geschichten aus. Einmal erzählte er mir, dass er manchmal Sex mit dem Vermieter hatte, um die Miete nicht zahlen zu müssen. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn mit einem sehr tuntigen Typen überrascht habe, als Geld eingesammelt wurde (oder vielmehr nicht eingesammelt wurde). Er trug eine locker sitzende Jeans, anscheinend auch keine Unterwäsche und benahm sich sehr komisch."

Jeffrey Hinton
„1994. Ich kehrte nach London zurück, es war aufreibend, zuzuschauen wie 80% meiner Freunde auf der ganzen Welt an AIDS starben. An meiner Seite war mein bester Freund Space Princess (Peter Hammond). Ich erinnere mich daran, dass ich in meinem Musikzimmer saß und Julia sagt, dass Space am Telefon ist. Zu diesem Zeitpunkt wog er ungefähr 38 Kilogramm, hatte die Kontrolle über seine Blase verloren und war dement. Die letzten Tage mit Space haben mir Angst gemacht. Er fragte mich, wo ich bin und wieso er mich nicht sieht. Ich hatte ihn verloren und das Licht ging aus."

Ron Athey
„Verrückt war es 1981, als die monatlichen Partys im The One Way anfingen und der alte Leder-Wachmann die Punk-Boys fickte. Eine kinky Mischung aus Downtown-L.A.-Kunst-Exzentrikern, jungen Punks, Showbands, neuen Drag Queens, wie Vaginal Davis, Old-School-Promis ,wie Lily Tomlin, und mein Liebling, mit dem ich Hühnchen gegessen habe, Edie the Egg Lady: Edith Massey."

sangblue.com

Credits


Fotos: Kingsley Ifill

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