petite meller ist der neue pastellfarbene traum des pop

Wir trafen die französische Sängerin und sprachen mit ihr über ihr „lil’ empire“ und ließen uns erklären, warum Giraffen die besseren Küsser sind.

von Devin Barrett
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13 August 2015, 2:05pm

Petite Meller sorgt für eine Dosis Freude und gute Laune im Pop. Ihr stehen ganz wunderbar verspielte Looks von Undercover und Jacquemus und sie verfügt über einen ganz und gar einzigartigen Style, der ganz und gar einzigartig ist. Sie wurde online von ihrem Manager Stuart Clarke entdeckt. Die Französin erweckt Träume und Fantasien zum Leben. Sie singt, so sagt sie uns, direkt aus ihrem Unterbewusstsein und lässt sich von ihrem Philosophiestudium an der Pariser Sorbonne inspirieren. Auch die Musikvideos zu ihren drei Singles haben eine fesselnde und traumhafte Qualität und verzaubern mit ihren Pastelltönen und der reichen Bildsprache. Ihre neueste Veröffentlichung „Baby Love" gibt uns Petite Meller in Farbe.

Vor der Veröffentlichung ihres Albums sprachen wir mit der mittlerweile in London lebenden Sängerin über ihr eigenes Genre, Wasserski und Siegmund Freud.

Woher kommst du?
Ich bin in Paris und Tel Aviv aufgewachsen, bis mich mein britischer Manager entdeckt hat und mich nach London gebracht hat, wo alles ernster wurde. Den einen Tag war ich beim Arzt und der fand heraus, dass ich zwei extra Knochen habe. Ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, woher ich komme.

Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du Musikerin werden wolltest?
Ich habe das nie wirklich entschieden. Die meisten meiner Songs stammen aus meinem Unterbewussten. Mein Ziel ist es, das Unterdrückte zum Leben zu Erwecken und durch meine Videos erschaffe ich Wirklichkeiten, von denen ich hoffe, dass andere Leute daran teilhaben wollen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
„Le Nouveau Jazzy Pop." Es ist ein Mix aus Jazz, afrikanischer Musik und französischen Chansons.

Du machst deinen Master in Philosophie an der Pariser Sorbonne. Wie beeinflusst das deine Arbeiten?
Mich haben die Arbeiten von Freud, Lacan, Deleuze, aber auch von Shakespeare und Kant schon immer interessiert. Alle setzen sich in ihren Werken mit dem Unterbewussten, den Träumen und Fantasien der Menschen auseinander. Für Freud beruhen Träume auf einer Kindheitserinnerung, die sich jede Nacht in einem anderen Gewand zeigt. In meinem „Backpack"-Video zeige ich Szenen aus meiner Kindheit: wie ich als Mädchen zum ersten Mal meine Sexualität durch ein Spiel entdecke. Außerdem habe ich für eine Szene auch Wasserski gelernt, was für das befreiende Gefühl steht, zu wissen, dass es Dinge gibt, die einfach zu ihrer Zeit passieren - so fühle ich mich zumindest gerade. Es geht darum, deine Symptome zu lieben und was du früher als Nachteil empfunden hast, zu deinem Vorteil einzusetzen.

Das Musikvideo zu „Baby Love" wurde in der Giraffe Manor in Kenia gedreht. Wie war das?
Die Giraffe in der Kussszene war das Schwierigste. Es hat Stunden gedauert, eine weibliche Giraffe zu überzeugen, mich zu küssen. Dann haben wir eine männliche Giraffe genommen - er hatte die längste Zunge - und ehe ich mich versah, leckte er mich wild ab!

Jedes deiner Videos zeichnet sich durch eine traumhafte Qualität aus. Wie ist dein Ansatz?
Ich habe die erste Idee für das Video immer sofort nachdem ich den Song aufgenommen habe, dann sammle ich die Referenzen und arbeite mit den Regisseuren A.T. Mann und Napoleon Habeica zusammen, um meine Fantasien zum Leben zu erwecken. Ich arbeite auch mit meinen Stylisten Nao Koyabu und Gabrielle Swan an den Farben und Filmreferenzen.

Was mich verwundert ist, dass ich die meisten Leute, mit denen ich zusammenarbeite, durch Social Media kenne. Das schafft eine neue Landkarte, was ich gerne my lil' empire nenne.

Was inspiriert dich?
Ich war schon immer vom klassischen Kino inspiriert - die ästhetischen Filme von Leuten wie Bergman, Antonioni und Tarkowski. Für mich unterscheiden sich diese Filme nicht von Songs. Sie sind Poesie. Im Intro des Videos zu „NYC Time" zollten wir Antonionis Liebe 1962 [auch bekannt als Sonnenfinsternis] Tribut. Ich wollte diese leeren Vorstadtorte zeigen, die den Start der Reise symbolisieren.

Du arbeitest bei jedem Song mit einem anderen Produzenten zusammen, warum?
Ich bin sehr eigen was mein Genre und den Sound, den ich möchte, angeht. Ich bevorzuge zum Beispiel lieber Congas oder Beatbox-Sounds gegenüber programmierten Drums. Mit jedem neuen Produzenten bekomme ich neue Einblicke in mein Genre. Man könnte sagen, dass ich meine eigene Sprache spreche und jeder Produzent spricht mit einem anderen Akzent. Ich lerne auch viel von meinen Produzenten. Meine schnellen Discobeats habe ich vom schwedischen Produzenten Jocke Åhlund, afrikanische Chöre vom Südafrikaner Craigie Dodds und den australischen Touch von Pnau.

Wie sieht dein Kreativprozess aus?
Ich singe immer aus meinem Unterbewusstsein. Ich schreibe keine Songs, bevor ich nicht im Studio bin. Als ich „Baby Love" mit Jocke Åhlund im Studio in Stockholm geschrieben habe, fragte ich einfach, ob ich mit meinem Mund beatboxen kann, weil ich die programmierten Drums nicht mochte und aus meinem Mund kam einfach ein afrikanischer Rhythmus. Dann fügten wir die Bongos und Congas hinzu und ich wusste sofort, wo das Musikvideo dazu gedreht werden musste.

Beeinflussen Mode und Kunst deine Musik?
Ich liebe den Style von Antonionis Schauspielerinnen wie Anita Eckberg und Monica Vitti. Ihre Rollen inspirieren meine Videos und die Art und Weise, wie ich im Leben und auf der Bühne agiere. Ich arbeite meistens mit jungen Haute Couture-Designern, die ich online finde. Marta Cesaro vom London College of Fashion hat die riesigen Hüte im „Baby Love"-Video entworfen. Einige der Schülerinnen tragen Kleidung von Jacquemus. Daneben haben wir viel mit französischer Unterwäsche im viktorianischen Stil, die wir auf dem Pariser Porte de Vances Flohmarkt gekauft hatten, gearbeitet. Die Kinder und ich tragen die Spring Court Sneaker, die John und Yoko getragen haben.

Wie hat sich dein Verhältnis von Musik und Mode mit der Zeit verändert?
Für das „Baby Love"-Video habe ich meine ganze Pastellfarbpalette gegen leuchtende Farben eingetauscht, zu denen mich die Umgebung in Nairobi inspiriert hat. Ich habe rote Schals und leuchtend gelbe Schulmädchen-Outfits gekauft. Der Verband von Matt Star, den ich in jedem Video an meiner Hand trage, steht für Heilung und Bewältigung. Meine Rötung ist das Ergebnis eines traumatischen Sonnenbrandes aus meiner Kindheit, die ich mit Stolz trage. Darum geht es kurz gesagt in meinem Video „Backpack".

Was können wir von deinem nächsten Album erwarten?
Viel Saxophon-, Congaklänge sowie den Ladysmith Black Mambazo Chor.

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@petitemeller

Credits


Text: Devin Barrett

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