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die etwas andere weihnachtsansprache von grace neutral

Wenn du es noch nicht getan hast, dann sollte 2016 das Jahr werden, in dem du Vorurteile überwindest, offener wirst und mit dem Vorverurteilen anderer Personen aufhörst. Unsere Lieblingselfe und Tätowiererin Grace Neutral ermutigt dich in ihrer etwas...

von Grace Neutral
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24 Dezember 2015, 8:55am

Mein Name ist Grace Neutral. Ich lebe in London, ich bin 26 Jahre alt und ich bin eine Tätowiererin, die sich auf ohne Maschine handgestochene Tattoos spezialisiert hat.

Ich nehme an, dass ich nicht so wie das typische Mädchen von nebenan aussehe. Ich habe mich für Körpermodifikationen entschieden. Nur um es klarzustellen: Das habe ich getan, damit ich mich in meiner eigenen Haut wohlfühlen kann. Auf meinem Kinn, auf meinen Wangen und auf meiner Stirn habe ich Skarifizierungen, meine Ohrläppchen wurden entfernt und ich habe mir meine Ohren anspitzen lassen. Ich habe keinen Bauchnabel mehr, ich habe eine gespaltene Zunge und ein Augapfeltattoo. Außerdem ist fast mein ganzer Körper tätowiert.

Schon als ich klein war, war klar, dass ich nie eine Mitläuferin werden würde. Ich habe mich nie wie die anderen Mädchen in der Schule angezogen oder versucht, mich wie Popstars oder andere Prominente anzuziehen. Versteht mich nicht falsch, ich war ein Hardcore-Spice-Girls-Fan, als ich noch ein kleines Mädchen war, und ich hatte auch ein paar Spice-Girl-Outfits, das war es dann aber auch schon. Meine Mutter ist Künstlerin, die schon immer von Stammeskulturen aus der ganzen Welt inspiriert wurde. Schon von klein auf hatte ich Zugang zu allen möglichen Büchern, Fotografien und Gemälden von und über Stammeskulturen und deren Körperkunst. Ich habe sogar meine Abschlussarbeit im Kunstunterricht über Körpermodifikationen in Stammeskulturen geschrieben. Ich weiß nicht, ob das der ausschlaggebende Grund war, wieso ich meinen Körper modifizieren wollte, aber ein Teil meiner Erziehung bestand darin, zu wissen, was für radikale und schöne Dinge Leute mit ihrem Körper alles anstellen.

Lies hier unser Interview mit der wunderschönen Alienprinzessin.

Ich habe immer versucht, mir 100 Prozent treu zu sein. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich in die Schublade passe, in die mich der Beauty-Mainstream stecken wollte. Ich habe das nicht vorsätzlich getan, um eine Rebellin zu sein. Die eingängigen Schönheitsvorstellungen haben mich nie interessiert, denn die hätten mich in eine Ecke gedrängt, in die ich nicht passe. Ich gehörte schon immer zu den Leuten, die denken, dass man das tun und lassen kann, was man will, solange man dabei keine anderen Leute verletzt. Schließlich ist es doch der eigene Körper und man sollte das tun und lassen dürfen, was man damit will. Niemand sollte dir vorschreiben, wie du auszusehen oder was du zu tragen hast. Dir gehört dein Körper. Er gehört dir zu 100 Prozent und du das Recht, damit zu tun, was auch immer du damit tun willst.

Dadurch dass ich meinen Körper so extrem verändert habe, ernte ich natürlich schiefe Blicke und blöde Kommentare. In solchen Momenten denke ich mir, dass diese Reaktionen der Leute einfach nur Projektionen ihrer eigenen Unsicherheiten sind. Das ist für mich aber nichts Negatives, denn durch die unterschiedlichen Reaktionen der Leute - gute wie schlechte - habe ich viel über Aufmerksamkeit gelernt. Ich habe dadurch viel über mich und das Universum herausgefunden. Stereotype Vorstellungen können nur überwunden werden, wenn wir jeden Tag mit Offenheit und Unvoreingenommenheit begegnen. Schließlich ist es doch so, dass die Leute sehr voreingenommen sind, da wir die Geschichten der anderen nicht kennen. Wenn wir diese Voreingenommenheit überwinden, dann gäbe es keine Kategorien wie Mainstream- und Alternative-Schönheit. Wir bräuchten keine Kategorien, denn jeder könnte so sein, wie er oder sie ist. Wir wurden alle als Unikate geboren. Wieso sollten wir dann nicht so bleiben können?

@GraceNeutral

Credits


Text: Grace Neutral
Foto: Douglas Irvine