diese fotografin macht die erfahrungen von women of color sichtbar

Wir haben uns mit der Künstlerin über die Bedeutung von Herkunft und Geschlecht unterhalten.

von Tish Weinstock
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16 Dezember 2016, 2:55pm

Zoé Lawrence wurde zwar in Pembroke geboren, hat ihr Leben aber in Florida und der Karibik verbracht und war doch nirgends richtig zu Hause. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit Stereotypen gegenüber schwarzer Frauen auseinander, durch die auch sie zu oft auf eindimensionale Geschichten reduzieren wurde. Sie zeigt in ihren Fotos Orte, in denen Fragen der Herkunft und des Geschlechts unmittelbar miteinander zu tun haben. Ihre pastellfarbenen und romantischen Porträts von Women of Color zeigen fernab aller Klischees, was es bedeutet, eine schwarze Frau zu sein. Die Fotografin veröffentlicht regelmäßig im Rookie Mag und hat mit der Ausstellung TBH (To Be Honest) auf der Art Basel Miami Beach für Aufsehen gesorgt. In der Gruppenausstellung ging es um die Arbeiten von Künstlern aus der karibischen Diaspora, die im Süden Floridas leben. Wir haben mir der Fotografin über die Bedeutung von Herkunft und Geschlecht gesprochen.

Wie bist du zur Kunst gekommen?
Ich bin viel alleine gereist, als ich ernsthaft mit dem Fotografieren angefangen habe. Dadurch habe ich gesehen, dass es so viel gibt, dass man einfach festhalten muss. Dieses Verlangen, alles zu dokumentieren, ist wohl ein Ergebnis meiner Kindheit und der Sorge, dass ich meine Herkunft irgendwie vergessen würde. Ich wollte das Gute und das Schlechte zeigen. Und dieses Verlangen ist auch der Grund, warum ich heute als Fotografin arbeite. Mit 20 bin ich alleine durch Europa gereist. Das war das Beste, was ich für mich selbst machen konnte. Ich habe auf dem Trip verstanden, was ich mit meinem Leben anfangen will: dass ich etwas machen möchte, das mit anderen zu tun hat und das daraus etwas Konkretes entsteht, auf das ich später zurückschauen kann. Ich habe viel mit meinem Handy fotografiert und die Bilder dann auf Instagram hochgeladen. Einen Monat später hat mich das Rookie Mag gebeten, für sie zu fotografieren. Das ist alles sehr schnell gegangen.

Was inspiriert dich?
Meine Freunde inspirieren mich viel. In meinen Fotos geht es viel um Freundschaften, neue und alte. Außerdem finde ich es inspirierend, wenn ich sehe, das etwas wächst. Wenn man etwas übt und man schon nach ein paar Monaten Resultate sieht.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Mein Stil ändert sich gerade. Ich habe vor allem Fotos gemacht, die sehr sanft waren. Meine Bildsprache hat sich verändert.

Erzähle uns mehr über deinen kreativen Prozess.
Wenn ich mich überwältigt fühle oder wütend bin, dann versuche ich, damit auf kreative Art und Weise umzugehen.

In deiner Kunst geht es viel um Fragen der Herkunft und des Geschlechts. 
Durch die Fotografie verstehe ich die Dinge besser, viel von diesen Konzepten steckt in meinen Werken, weil ich eine Woman of Color bin und mich in Welten bewege, die nicht für mich gemacht wurden. Ich werde überall daran erinnert, dass meine Identität auf ein Klischee reduziert wird, das keinen Raum für eine mehrdimensionale Persönlichkeit hat. Deswegen kann ich es nicht ignorieren. In meinen Fotos verarbeite ich viele dieser verinnerlichten Gefühle.

Warum ist es so wichtig, dass Women of Color sichtbar sind?
Weil unsere Perspektiven einfach mal der Hammer sind. Gib einer schwarzen Person, die sich als Femme identifiziert, eine Kamera in die Hand und eine Plattform und sie wird dir richtig gutes Zeug abliefern. So schöne Filme wie Selma und Daughters of the Dust sind deshalb entstanden, weil man marginalisierten Stimmen die Plattform gegeben hat, ihre Wahrheiten zu erzählen.

Sollte das eigene Geschlecht oder die eigene Herkunft die eigene Arbeit bestimmen?
Für jeden Künstler ist es anders. Für mich sind diese Dinge wichtig, aber ich würde nicht sagen, dass sie meine Arbeit bestimmen. Beeinflussen? Definitiv.

Feminismus und Vielfalt in allen Lebensbereichen sind Teil des gesellschaftlichen Diskurses geworden. Wie findest du das?
Es wird immer schwieriger, Feminismus und das Thema Vielfalt zu ignorieren. Die sozialen Netzwerke haben unterdrückten Communitys eine Stimme gegeben. Da ist es nur selbstverständlich, dass wir darüber reden.

Machst du dir Sorgen darüber, dass beides nur vorübergehende Trends sind?
Ja, definitiv, auch was Feminismus angeht. Vieles geht in Clickbait-Artikeln und einfach zu verdauenden, massentauglichen Häppchen unter. Aber man muss auch sagen, dass es immer noch besser ist, wenn jemand nur ein bisschen über Feminismus Bescheid weiß als gar nicht.

Erzähle uns mehr über die Ausstellung im Rahmen der Art Basel Miami Beach.
Bei TBH (To Be Honest) ging es um Künstler aus der Generation Z, oder Millenials, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind und deren Arbeiten durch das Internet und Social Media maßgeblich geprägt wurden. Ich habe sie mit meinem guten Freund Jimmy Garcon kurz nach Hurrikan Matthew geplant. Wir wollten uns auf Künstler konzentrieren, die aus der karibischen Diaspora stammen. Damit wollten wir einen Safe Space für die erste und zweite Generation von Künstlern aus der Karibik schaffen. Sie sollten mit uns ihre einzigartigen Perspektiven ihres Lebens im Süden Floridas teilen, denn sie sind nach wie vor tief mit der afrokaribischen und karibischen Kultur verbunden. Dieser Florida way of life sollte auf authentische und ehrliche Weise dargestellt werden, deswegen der Titel To be Honest. Das Lustige an Südflorida ist, dass hier niemand nur amerikanisch ist. Auch wenn man in den USA geboren wurde, liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Eltern Einwanderer sind.

Was erhoffst du dir für die Zukunft?
Ich möchte einfach weiter dazulernen und etwas verändern.

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: Zoe Lawrence

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