emily ratajkowski verteidigt ihr recht auf make-up und rasierte achseln

Das Model reagiert auf Vorwürfe, dass sie keine Feministin sein kann, weil sie dem gängigen Schönheitsideal entspricht.

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07 April 2016, 3:45pm

@emrata

Ohne Emily Ratajkowski wäre Robin Thickes kontroverses Musikvideo „Blurred Lines" niemals 445 Millionen Mal auf YouTube angeschaut worden. Damals tanzte die Frau, die als „Blurred Lines Model" den Zorn der Internetmoralapostel auf sich gezogen hat, in nichts mehr als knappen Höschen und rotem Lippenstift. Drei Jahre später hatte sie Aufträge aus der High-Fashion- und Filmbranche an Land gezogen. Jetzt hat das Model, die Schauspielerin und die Feministin wieder Ungemach auf sich gezogen, weil sie es wagt, ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren. Ist sie nun das am meisten geliebte oder das am meisten gehasste Girl des Internets?

Ratajkowskis neue Rolle als feministische Vorkämpferin wurde publik, als sie im letzten Monat Kim Kardashian gegen Kritik aufgrund ihres mittlerweile berühmt gewordenen Nacktselfies verteidigte. „Was ziehe ich heute Abend an?", fragte sie belustigt auf Instagram und hat daneben ein Nacktselfie von sich selbst im Badezimmer gepostet. Für jeden Like, jedes Herzchen-Emoji oder andere Form von Befürwortung gab es einen negativen Kommentar. Anscheinend haben diese Leute nicht verstanden, dass es bei dem (Fast-)Nacktbild nicht um Männer geht, sondern um das Recht am eigenen Körper. Es gab die Leute, die ihr absprachen, dass sie sich überhaupt Feministin nennen darf, weil sie schöne Haare hat und Make-up trägt. An die Adresse derjenigen gerichtet, hat sie geantwortet, dass eine Feministin zu sein, nicht (immer) bedeutet, dass man keinen Lippenstift trägt und sich Achselhaare wachsen lässt.

„Wir leben in einem Patriarchat, ja, und die Schönheitsideale sind eine Reaktion darauf", erklärte sie vor Kurzem WWD. „Das bedeutet nicht, dass ich nicht innerhalb dieser Welt aktiv werden darf. Ich kann innerhalb dieser Welt aktiv sein, um etwas zu erreichen. Ich trage zum Beispiel Make-up, aber das bedeutet nicht, dass ich keine Feministin bin. Ich trage zwar Make-up, das meine Vorzüge betont and das einem Schönheitsideal der patriarchalischen Gesellschaft entspricht, aber ich lebe in dieser Welt. Ich trage Make-up nicht, um Männern zu gefallen. Ich trage Make-up für mich. Ich lasse auch meine Achselhaare nicht als Zeichen des Kampfes gegen das Patriarchat wachsen. Ich trage einen BH. Das sind für mich Dinge, die ich nicht ablehnen muss, um ein Statement für meine Sexualität zu setzen."

Sie würde auch noch gängigen Schönheitsidealen entsprechen, wenn sie dunkle Augenringe und Achselhaare hätte. Vor der Kontroverse um das Nacktselfie hat sie für Lenny in einem Essay die Machtstrukturen hinter dem sexy Look beschrieben. „Ich lehne es ab, in dieser Welt voller Scham und stillen Entschuldigungen zu leben", schrieb sie. „Das Leben kann nicht durch die Meinung der anderen bestimmt werden. Ich wünschte, dass mir vermittelt worden wäre, dass die Reaktionen der Leute auf meine Sexualität deren Problem ist und nicht meins." Wahr ist, dass der Körper, den sie auf Instagram präsentiert, für 99,9 Prozent der Frauen unerreichbar ist. Bloß: Männer können diesen Körper eben auch nicht haben. Und genau deshalb ist der Großteil der Hater so verärgert.

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto via Instagram

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