Foto: Screenshots von Instagram

Willkommen in Jennifer Mehigans skurriler Cyber-Welt aus Power-Frauen

Die irische Künstlerin macht 3D-Kunst, die Pixel in eine pinke Traumwelt fernab von gesellschaftlichen Stereotypen und Gender-Konstrukten verwandelt. Wir verraten dir, wer sich hinter der Irin verbirgt.

|
Okt. 19 2017, 9:01am

Foto: Screenshots von Instagram

Wirft man einen Blick auf die Arbeiten von Jennifer Mehigan, findet man sich schnell in einer Sequenz einer dieser verrückten Videospiele wieder, die du dir ohne eine gehörige Portion Fantasie so niemals erträumt hättest. Und das ist noch nicht einmal übertrieben. Die Irin kreiert mit Hilfe von 3D-Software Kunst, die abstrakte Formen und Frauen-Power vereint. Ihre in Pastelltöne getauchte Cyber-Welt setzt sich dabei mit gängigen Themen wie dem Female Gaze und Konstrukten wie Femininität und Maskulinität auseinander. So vereint ihr Instagram-Account muskulöse Bodybuilder-Frauen, die Männer in den Schwitzkasten nehmen, und Animationen nackter Frauen, deren Genitalien das Tor zu einer anderen Galaxie eröffnen.


Auch auf i-D: Hans Ulrich Obrist und Blondey McCoy sprechen über Kunst

"Ich glaube, dass das Internet nur eine Verlängerung des Male Gaze ist, also verändert es sich auch die ganze Zeit und wird zur Zielscheibe für Kritik. Femininität und Maskulinität sind nur komische Einheiten, die wir jeden Tag steuern müssen. Ihre ästhetischen Verständnisse sind so tief in uns verankert, dass es einfach ist, sie als visuelle Repräsentation zu benutzen, weil wir einen übersteigerten Wert auf sie legen", antwortet die Künstlerin auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Male und Female Gaze. Darum versucht die Künstlerin, mit diesen Annahmen zu brechen und dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, in ihr ganz eigenes Universum einzutauchen, in dem Stereotype und Schönheitsideale keinen Platz haben.

Die meiste Zeit ihres Lebens hat Jennifer übrigens in Singapur verbracht, auch wenn sie sich schnell der virtuellen Welt zugewandt hat, als sich ihre Familie einen Computer leisten konnte. Zwar ist das Internet ihre kreative Spielwiese, trotzdem versucht die Künstlerin, nicht nur online abzuhängen. Zu ihren Hobbys gehört es, mit ihrem Hund wandern zu gehen oder Cello zu spielen. "Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber ich hatte das Gefühl, dass mein Leben zu etwas wird, was ich nicht wollte — zu sehr darauf bedacht, das Internet auszusaugen, anstatt mich genug mit meinen eigentlichen Bedürfnisse zu beschäftigen. Also habe ich angefangen, wieder ein nicht-virtuelles Ganzes zu werden und das funktioniert bis jetzt ziemlich gut."


Das versucht sie nicht nur in ihrem Privatleben, sondern auch in ihrer Arbeit: "Gerade gehe ich durch eine Phase, in der ich mich darauf konzentriere, Dinge im Hier und Jetzt zu machen und meinen Fokus mehr auf das Handwerk zu setzen." Ihr Wunsch, die digitale und analoge Welt zu verbinden, spiegelt sich besonders in ihren Ausstellungen wider. So auch in der vergangenen Gruppenausstellung Cyber Corporeality in Wien, in der sie sich gemeinsam mit Künstlern wie LaTurbo Avedon und Adam de Neige die Frage gestellt hat, wie wir Körper heutzutage in beiden Sphären überhaupt noch definieren können. Jennifers Antwort darauf: "Es gibt diesen Trend hin zu einem Mangel an Fantasie in beiden Bereichen. Schließlich nutzen wir immer noch sehr traditionelle und alberne Methoden, um Körper zu erschaffen."

Um die virtuelle Welt mit dem Haptischen zu verbinden, vermischt Jennifer ihre abstrakte Kunst mit textilen Skulpturen im realen Raum. "Ich glaube, dass ich gerade am Anfang von etwas stehe, aber ich bin noch dabei herauszufinden, wie beides zusammen funktioniert." Wir sind gespannt, wie das in Zukunft genau aussehen wird.

@jennifermehigan