17 deutsche fashion-trends, die kamen und (gott sei dank) gingen

Die meisten It-Pieces vergangener Zeiten sollten auf dem Scheiterhaufen des guten Stils brennen. Ein Rückblick über die Geschmacklosigkeiten der Vergangenheit. Aber Vorsicht: What goes around comes back around.

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Aug. 3 2015, 12:55pm

via Siren of Songs

1. Hüftjeans von Miss Sixty
Jahrelang malträtierten tief sitzende Miss Sixty-Jeans mit Nieten die Ledersitze vom Papas neuem Benz und herausblitzende Tanga-Strings legten den Blick auf das „Arschgeweih aka Schlampen-Stempel" (Zitat Michael Mittermeier) frei. Mögen sie ewig in der Kleiderkreisel-Endstation verstauben.

2. Indie-Rocker-Look
Pete Doherty und Carl Barat waren mit den Libertines die Stones der 00er-Jahre. Weil man aber weder das Bonvivant-Leben eines Rockstars noch eine Liebschaft mit Kate Moss nachahmen konnte, musste der Stil dran glauben: So zwängten sich dicke Pos in schwarze Skinny Jeans, dazu trug der Möchtegern-Musiker schmale Krawatte und Fedora - ein Look, der wirklich niemandem stand, außer eben: genau, Pete Doherty. Das hat sogar Carl Barat eingesehen. Bestes Beispiel dafür Robert Stadlober. 

3. Hüftgürtel mit Glitzersteinen und Gliederkette
2001 wollten alle Mädchen nicht nur so tanzen wie R 'n' B-Queen Aaliyah in dem Video zu ihrem Hit „Try again", sondern sich auch so anziehen (oder besser gesagt: ausziehen). Der Titel könnte sich nämlich rückblickend auch auf ihr Stripper-Outfit beziehen, aus dem der Glitzer-Gürtel hervorging. 

4. American Apparel
Eine Zeit lang war die Mode aus „Downtown L.A." von Lüstling Dov Charney (mehrfach wegen sexueller Belästigung verklagt) der letzte Schrei der Cool Kids und Feier-Jungs trugen mehr V-Auschnitt als die dazugehörigen Nylon-Hot-Pants-Mädchen mit buschigen Augenbrauen. Charney flog raus, eine Frau (CEO Paula Schneider) soll den Sinkflug nun aufhalten.

5. Totenkopf-Motiv
Was haben Keith Richards, Lindsay Lohan and Yoko Ono gemeinsam? Sie alle trugen den Skull-Print-Scarf von Alexander McQueen. Zur düsteren Seele McQueens (er beging 2010 Selbstmord) passte das Totenkopf-Motiv. Doch seit Trash-Designer Philipp Plein Lederjacken und Wodka-Flaschen mit Strass-Skulls verziert, taugt der Schal nur noch zum Taschentuch - wenn man St. Pauli-Fan ist.

6. Von Dutch-Caps
Als Christian Audigier 2001 Chefdesigner bei Von Dutch in Los Angeles wurde, etablierte er eine neue Marketing-Form im großen Stil: Celebrity Relations. Weil ihm das Geld für Werbung fehlte, schickte er seine „Trucker Caps", das Ursymbol des „White Trash" an Stars wie Britney Spears, Justin Timberlake (erinnert ihr euch noch an den Denim-Partnerlook?) oder Jay Z. Und die trugen sie tatsächlich. Und alle anderen dann auch.

7. Ed Hardy
2005 schlug der mittlerweile verstorbene Christian Audigier erneut zu und verschickte die Shirts mit Tattoo-Print seines eigenen Labels „Ed Hardy". David Beckham, Madonna und Heidi Klum zeigten sich in den schrillen Teilen mit Herz-, Tiger- und „Love kills slowly"-Drucken. Der Hype fand seinen traurigen Höhepunkt in Lizenzprodukten aus dem Baumarkt wie Toiletten-Deckel oder Autofußmatten und endete mit der Studi-VZ-Gruppe „Wer ist dieser Ed Hardy und warum kotzt der dauernd auf Shirts und Caps???"

8. J'adore Dior-Shirts
Anfang der Nullerjahre trug Carrie Bradshaw das Shirt mit dem Schriftzug „J'adore Dior" in Sex and the City - daraufhin war es überall ausverkauft. Leider zeigte sich bald auch Paris Hilton überall mit dem Shirt; John Gallianos Entwurf wurde zum No-Go. Motto-Shirts gehören aber eigentlich sowieso verboten. Oder an den Ballermann.

9. French Manicure
Weiße Nagelspitzen tragen heute nur noch Frauen mit Stempelkarte für ein Solarium mit wohlklingenden Namen wie „Sun shine" oder „California Sun".

10. Minnetonkas
Kate Moss machte die Fransen-Stiefel aus Wildleder weltberühmt: Während ihrer skandalträchtigen Liaison mit Pete Doherty (siehe Punkt 4) trug sie praktisch nichts anderes und wurde zuverlässig von den Paparazzi abgelichtet, wenn sie mit ihrem blutverschmierten Drogen-Poeten aus einem Londoner Pup flüchtete. Hochglanz-Magazine wie InStyle feierten Minnetonkas in gefühlt 348 Ausgaben als DAS It-Piece. Heute gehen sie nur noch als Teil eines Pocahontas-Kostüms durch.

11. Tattoo-Ketten
Eng anliegende Ketten, die wie ein Tribal am Hals aussehen, waren niemals schön und noch dazu unbequem - der begriff „Choker" (vgl. engl. „würgen") kommt schließlich nicht von ungefähr. Rita Ora und Bonnie Strange wurden kürzlich mit den verschlungenen Halsketten gesichtet. Hoffentlich bleibt es bei diesen Ausnahmen.

12. Clutches von Louis Vuitton
Die Pochette aus Monogram-Canvas von Louis Vuitton klemmten sich wohlhabende Gören unter die Achsel (iih!), wenn sie nach der Lektüre von „Wie angle ich mir einen Millionär" im It-Club der Stadt auf der Jagd nach einem Sugar Daddy waren. Prominentes Beispiel: Verena Kerth.

13. Jeans in Stiefeln
Die Hose in kniehohe Stiefel zu stecken, war und ist ausnahmslos zwei Gruppen vorbehalten: Menschen, die ihre Freizeit auf einem Reiterhof verbringen, und Anglern. Der Rest hat Glück, dass der Trend angesagt war, bevor das Internet das Vergessen unmöglich machte.

14. Baby-G Uhren
Kükengelb, Himmelblau, Zuckerwatterosa - in quietschbunten Farben schmückten die Modelle von Casio in den 90ern die Handgelenke und waren so etwas wie die Apple Watch des Pausenhofs. Damals konnte man mit Funktionen wie Beleuchtung, Stoppuhr und Wecker noch beeindrucken. Die Marke bemüht sich gerade mit Multicolor-Modellen und Streetstyle-Sondereditionen um ein Comeback. Besser als die Ice-Watch im Rolex-Look sind sie allemal.

15. Prada Rucksack
Der kleine Rucksack aus Nylon war in den 90ern der It-Bag der Jetsetterin. Er symbolisierte: Ich bin unkompliziert und abenteuerlustig - solange es First Class in ein 5-Sterne-Resort nach Maui geht.

16. Jogging-Anzüge aus Nicki oder Frottee
Der strassverzierte Proll-Jogger von Juicy Couture war der Freizeit-Liebling der Promis wie J.Lo und Kim Kardashian - letztere schaffte es ja bekanntermaßen auf das Cover der amerikanischen Vogue (#breaktheinternet), der Plüsch-Albtraum nur bis in den Kleiderschrank von Cindy aus Marzahn aka unlustige Berufslustige. Besonders Hartgesottene trugen die Gangster-Variante von Rapper Karl Kani.

17. Buffalos
Der wohl unwürdigste Schuh der 90er und dank der Spice Girls das Must-Have einer ganzen Generation. „If you wanna be my future, forget my past" schmetterte die Girl-Band in ihrem Hit „Wannabe" und meinte wohl das Schicksal der klobigen Plateau-Treter.

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Credits


Text: Isabelle Braun
Bilder via Imago / Future Image