garma kang ist unsere neue wavy lieblingscrew aus dem berliner untergrund

Das Kollektiv erklärt uns, warum sie Rap auf Deutsch machen, aber keinen Deutschrap.

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12 Mai 2017, 9:45am

foto: dahahm choi

Manche sagen, die Garma Kang ist der neue Berliner Untergrund. Die Garma Kang sagt, sie ist viel zu high für den Untergrund. Mit ihrem allerersten Release mixtape.zip, das am Freitag veröffentlicht wurde, hat die Kang ihre Hits von der Dropbox endlich in die Player ihrer Fanbase geschoben und zeigt ihnen, wie ein "gottverdammtes Mixtape" geht: nämlich ungefähr so. Mit ihren wavy Liveshows und dem Namen, der nur von einem Marketingenie stammen kann, sammelt die junge Crew seit circa einem Jahr reihenweise Fans und zeigt der Deutschrapszene das, was sie am wenigsten kann: heavy wave content & positive vibes only. Wir haben das Kreativkollektiv um die vier Rapper Mad Flows, Bel Owrd, Easy und Ricky Tan in ihrem Studio in Kreuzberg besucht, um mehr über das Kang life zu erfahren.

Zu Beginn erstmal, wer ist eigentlich die Garma Kang?
Ricky Tan: Die Gang besteht aus zehn Leuten. Vier Rapper (Madflows, Bel Owrd, Easy und ich), zwei Produzenten (MathisTypeBeats und †Jewelz†, der gerade mit Ufo361 auf Tour ist), zwei Videoproduzenten (Bruce Thompson und Malcolm Saidou), ein Merchdesigner (Schmennis) und eine Fotografin und Grafikdesignerin (Tatjana Glowinski).
Bel Owrd: Easy macht auch Beats. Viele interdisziplinäre Genies, könnte man sagen.

Und seit wann gibt es die Kang?
Bel Owrd: Die Kang gibt es seit einem Jahr. Ich habe Ricky Tan über gemeinsame Freunde kennengelernt und wir haben erstmal nur abgehangen und gefeiert, bis ich erfahren habe, dass er auch Musik macht. Dann haben wir Tracks aufgenommen und im Studio hat sich alles von ganz alleine erweitert.
Ricky Tan: Madflows, Easy und ich haben uns beim Sneakerverkaufen kennengelernt. Im Prinzip ist es einfach der Freundeskreis, mit dem man viel Zeit verbringt und feiern geht.

Auf eurer Soundcloud steht, dass die Kang acht Kulturkreise vereint. Könnt ihr mich mal durchführen?
Ricky Tan: Ich weiß gar nicht, wer das geschrieben hat. Ich bin halb Koreaner, halb deutsch.
Bruce Thompson: Kiwi, Neuseeländer.
Tatjana: Halb Türkin, halb deutsch.
MathisTypeBeats: Halb Pfälzer, halb Saarländer.
Malcolm: Halb deutsch, halb Nigerianer.
Mad Flows: Ziemlich viel. Türkisch, indisch, französisch, irisch und schwarzamerikanisch. 
Ricky Tan: Schmennis ist Russe und Easy ist Ghanaer.

Wie sieht das Kang life aus?
Ricky Tan: Zusammen sind wir meistens im Studio. Ansonsten sehen wir uns oft, wenn die Sonne untergeht, bis sie wieder aufgeht.
Bel Owrd: Unsere Base ist eigentlich jeden Freitag im St. Georg, ansonsten in Bars oder bei Store Events. Oft wenn es free alcohol gibt.

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Ihr sprecht nicht nur jetzt Deutsch und Englisch, ihr rappt auch auf beiden Sprachen. Das ist ja eher rar in der deutschen HipHop-Szene.
Bel Owrd: Wenn Leute in einer Gang oder Kang sind, kommen sie eben meistens aus einer Nachbarschaft. Unsere Kang hat sich innerhalb kurzer Zeit zusammengewürfelt. Deswegen repräsentieren wir nicht den gleichen Ort, wo wir herkommen …
Ricky Tan: …sondern den gleichen State of Mind. Wie Mad Flows schon mal so schön gesagt hat: Ein Sammelbecken für Misfits, die alle gut zusammenpassen und daraus etwas Großes schaffen.

Kommt ihr musikalisch aus ähnlichen Backgrounds?
Bel Owrd: Ich komme vom Geige- und Schlagzeugspielen und im Chor singen. Das ist mein musikalischer Background. Vor der Rapmusik habe ich nur instrumentale Musik gemacht.
MathisTypeBeats: Fake Mc.
Bel Owrd: Genau.
Ricky Tan: Ich habe vorher viel HipHop aufgelegt. Zwar habe ich auch gerappt und Instrumente gelernt, aber die prägendste Zeit vor der Kang war das Auflegen.
MathisTypeBeats: Ich komme eher so aus dem Ambient- und Technobereich. Ich habe zum ersten Mal mit Bel Owrd Rap gemacht.
Bel Owrd: Das fand ich gerade spannend, dass er aus diesem elektronischen Bereich kommt und seine Beats sehr anders klingen als alles, was sonst im Deutschrap passiert.

Ihr kommt also aus verschiedenen Backgrounds und Rap ist der gemeinsame Nenner.
Ricky Tan: Das kann man so sagen. Ich denke, keiner von uns schränkt sich auf HipHop ein. Die HipHop-Kultur ist der gleiche Nenner. Alles, was mit der Musik gemacht wird, ist jedoch frei. Es geht nicht darum, den krassesten HipHop-Song zu machen, sondern nur um gute Musik, egal aus welchem Genre die musikalische Untermalung kommt.

Wenn ihr jetzt einen Track anmachen müsstest, der allen gefällt, welcher wäre das?
Ricky Tan: Kommt darauf an, wie der Pegel ist.
Mad Flows: Vielleicht Kendrick, vielleicht Anderson.Paak, vielleicht Kaytranada.
MathisTypeBeats: Vielleicht "That part" von Schoolboy Q. Vor zwei Wochen habe wir auch alle Westcoast G-Funk Shit gevibt. Wir können uns auch alle auf alte Sachen einigen, zum Beispiel Swishahouse.
Mad Flows: Dieser alte Trap Sound,Three 6 Mafia — alles, was einen nicen Chillvibe, nice Drums und eine nice Bassline hat. Wir alle lieben Groovy Shit.

Macht ihr euch viele Gedanken um eure Ästhetik oder passiert das auch organisch?
Mad Flows: Wir rufen uns jeden Tag in der Früh an, um zu sehen, was die anderen an haben. Don't fuck with the vibe!
MathisTypeBeats: Generell sind wir gerade noch dabei, unsere Ästhetik zu finden und zu gucken, was für uns funktioniert, was wir nice finden und wie man sich abheben kann, ohne das Zeug von anderen nachzumachen. Es ist nicht so, dass wir schon fertig sind. Es ist permanent Potenzial nach oben da. Wir experimentieren auch. Experimentaler Swag.
Ricky Tan: Wavy.
Mad Flows: Wir haben alle unterschiedliche Ideen und sind auch nicht immer der gleichen Meinung. Am Ende des Tages einigen wir uns aber immer auf etwas, mit dem alle glücklich sind. Wir sind keine Gruppe, in der alle gleich sind oder sind gleich benehmen. Wir sind eine Gruppe an Individuen, die sich zusammengefunden haben. Wir wollen uns nicht in eine Box stecken und sagen "Das und das ist das, was wir sind und machen". Wir mischen alles zusammen und hoffen, dass es den Leuten gefällt. Wenn nicht, dann FUCK THEM! 
Bel Owrd: KANGBANG.

Wie ist es bei den Videos, Malcolm und Bruce?
Malcolm: Das Video "Hits in der Dropbox" war das erste, das ich von vorne bis hinten ganz alleine gemacht habe. Wir hatten kein Drehbuch oder so geschrieben. Wir haben einfach eine Grillparty-Rooftop-Jam veranstaltet und dort ist auch das Video entstanden. 
Bruce Thompson: Ich wollte das, was Garma Kang ausmacht, einfangen: Unsere Persönlichkeiten.
Mad Flows: Es geht um die Ästhetik. Wir wollen den Vibe, den wir haben, einfach rüberbringen. 

Ihr orientiert euch offensichtlich eher an der englischen Rapszene als an der deutschen. Interessiert ihr euch überhaupt für Deutschrap?
Alle:
Ja und nein. 

Wie passt ihr in die Deutschrapszene?
Ricky Tan: Ich denke, es gibt jetzt eine neue Welle an Künstlern. Speziell die ganzen neuen melodischen Geschichten im Rap haben die Szene etwas freier gemacht. Gleichzeitig wächst auch die internationale Akzeptanz von Rap, weil ihn weltweit Leute auf den verschiedensten Sprachen hören. Dort ordnen wir uns eher ein als im deutschen Rapgeschehen.
Bel Owrd: Ich würde auch nicht sagen, dass man uns nicht bei Deutschrap einordnen kann, wir tun das einfach selbst nicht. Wir machen selten Musik mit der Deutschrapszene im Hinterkopf. Es sollen auch nicht nur Leute hören, die Deutsch sprechen und jede Referenz verstehen. Wir machen Rap auf Deutsch, aber es ist nicht unbedingt Deutschrap.
Easy: Ich höre Deutschrap unfassbar gerne. Das Ding ist nur, dass wir in Deutschland hinterherhinken. Man kann keine Inspiration im deutschen Rap sammeln. Dann schaut man eher nach Amerika oder Frankreich.
MathisTypeBeats: Das Problem bei Deutschrap ist, dass es so selbstreferenziell ist. Es wird ständig auf Dinge Bezug genommen, die innerhalb des Kreises passieren. Für Leute, die nichts damit zu tun haben, klingt das dann wie ein Zirkus. Wenn man das mit äußeren Einflüssen anreichert, wird das schnell ansprechender und spannender.
Ricky Tan: Vor allem wenn man den Künstler kennenlernt und nicht nur die Maske, die er aufsetzt, um dort stattzufinden. Das macht für mich den Unterschied zwischen dem Lächerlichen und Ernsteren. Trap bzw. diese neue 808-Geschichte funktioniert ja in Deutschland fast nur über dieses Lächerlichsein. Der wahre Künstler und nicht nur der Rapper mit der Maske zu werden, das ist das Ziel.

Ihr spielt bald auf dem Splash. Wie sehen denn eure Liveshows aus?
Ricky Tan: Ich glaube, dafür sind wir momentan am bekanntesten. Wir haben ja erst drei oder vier Videos und Tracks draußen, dafür finden wir aber in Berlin viel live statt. Die Leute gehen immer gut mit.
Mad Flows: High energy.
MathisTypeBeats: Untertrieben.

Steht ihr alle als Crew auf der Bühne?
Mad Flows: Meistens sind nur die Rapper auf der Bühne. Wir sind nicht so für dieses "Bring the clique up"-Ding. 
MathisTypeBeats: Viele unserer Freunde kommen immer vorbei.
Ricky Tan: Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe. Die ganze Family ist da.

Euer erstes Mixtape ist letzet Woche erscheinen. Was geht da?
Ricky Tan:Heavy wave content. Es sind alles Songs, die im letzten Jahr entstanden sind und verschiedene Facetten von uns zeigen. Deswegen ist es auch ein Mixtape. Es ist das erste Mal, dass wir alle zu viert zusammengearbeitet haben. Es ist eine Mischung aus Bangern und clubtauglichen Tracks und ein paar wavy, lo-fi Songs, die dann meistens von MathisTypeBeats kommen. Es ist auch das erste komplett gemeinsame Projekt, mit unseren Grafikdesignern, Fotografen etc. Das Mixtape ist ein erster Eindruck, wer wir sind, was wir machen.

Habt ihr zum Abschluss noch eine Message an die Welt?
Ricky Tan: Mike, irgendwelche letzen Worte?
Mad Flows: Das ist das erste Kapitel. Das ist erst der Anfang, Baby. 

@garmakang

Credits


Text: Viola Funk
Fotos: Tatjana Glowinski