„hört auf, uns als transmodels zu bezeichnen“

Ein offener Brief vom Männermodel Casil McArthur, Shootingstar von Marc Jacobs’ Autumn/Winter-17-Runway-Show und Muse von Fotografin Collier Schorr, über die Realität von Transgender in der Modewelt.

|
März 8 2017, 11:40am

Foto: Greg Chan

Ich werde die ganze Zeit gefragt, wie es sich anfühlt, ein männliches Transmodel zu sein. Die Sache mit dem Transmodel-Dasein ist die: Eigentlich ist alles gleich, außer dass die Leute extrem transphob sind.

Als Transgender und als Person, die sich auch öffentlich darüber äußert, sage ich: Man kann kein Leben ohne das Label Transgender führen. Immer wird man auf Trans-„Irgendwas" reduziert, man kann nie nur eine ganz normale Person, ohne den Zusatz Trans, sein. Ich werde in meinem Arbeitsumfeld immer noch mit dem falschen Geschlecht angesprochen und manchmal sogar Butch genannt, was man einfach nicht zu mir sagen sollte. Transmodel zu sein, bedeutet, dass der Rest der Welt mehr über einen wissen will, als es tatsächlich angebracht ist. Die Menschen wollen wissen: „Was hast du in der Hose?", „Wann habe ich entschieden, die Angleichung vorzunehmen?". Das geht euch nichts an. Wie würde es euch gehen, wenn ich euch das mal fragen würde?

Diese Probleme entstehen durch Ignoranz. Ignoranz entsteht durch Leute, die sich verstecken können, die nicht informiert sind oder die nicht lernfähig sind. Das heißt natürlich nicht immer, dass all diese Menschen Böses wollen. Aber es tut trotzdem weh, es ist frustrierend und anstrengend. Weil ich mit dem Schlechten anfange, heißt es nicht, dass alles schlecht ist. Es gehört aber zu den wichtigsten Anliegen, die mir auf der Seele brennen, weil sich etwas ändern muss.

Ich möchte über meine Erfahrung als Männermodel sprechen, das einfach zufällig auch Transgender ist. Lies dir diesen Satz bitte noch einmal durch, denn es ist ein gewaltiger Unterschied. Ich möchte nicht als „Trans" bezeichnet werden. Ich möchte als gewöhnliches Männermodel betrachtet werden. Damit es normaler wird, müssen Trans-Menschen als etwas Normales gelten. Und um das zu zeigen, muss man die Repräsentation von Transgender in den Medien erhöhen. Dann haben Trans-Menschen, die in den Medien sind, nicht mehr diese große Bürde zu tragen. Wir müssen das verändern, was als normal gilt.

Ich bin froh, dass sich die Situation bessert. Aber es ist noch nicht gut genug. Trotz allen Steinen, die uns in den Weg gelegt werden könnten, und uns werden überall Steine in den Weg gelegt, gibt es Licht am Ende des Tunnels.

Ich freue mich darüber, dass ich Modeln kann und dadurch meine kreative Ausdrucksform gefunden habe. Ich habe mich in der Modelwelt immer wohl gefühlt, weil die Atmosphäre hier wunderbar, fließend und frei ist. Bei den meisten Künstlern, mit denen ich gearbeitet habe, konnte ich meine Persönlichkeit ausdrücken und wurde mit Respekt behandelt. Solche Erfahrungen werden aber von Momenten überschattet, in denen ich nicht ganz ich selbst sein kann.

Meine Glücksformel ist, dass man seine Persönlichkeit nicht versteckt und zeigt, wer man ist. Man muss für seine Person kämpfen und sich jeden Tag daran erinnern, wie wichtig man ist. Ich bin dankbar dafür, dass mir das Modeln eine Plattform gibt, mit der ich anderen helfen kann, damit sie sich nicht so alleine fühlen müssen. Ich werde meine Stimme benutzen. Man darf keine Angst davor haben, das eine Leben, das man hat, so zu leben, wie man wirklich ist. Eins ist aber auch klar: Das ist kein leichter Prozess. Aber einer, der es wert ist.

Wir haben uns mit Hari Nef unterhalten. Schau dir hier unser Videointerview mit ihr an.

Credits


Text: Casil McArthur
Fotos via Instagram