der australische musiker oscar key sung erklärt, wie viel melbourne in berlin steckt

​Wir haben den Australier in einem Café in Neukölln getroffen, um die beiden Szene-Städte hinsichtlich Menschen, Musik und Mitternachtssnacks zu vergleichen.

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Aug. 2 2017, 10:50am

Spätestens seit seinem Hit "All I Could Do" ist Oscar Key Sung auch über die Grenzen Australien bekannt. Er selbst beschreibt seine Musik als "ehrlich und trotz Basslastigkeit zerbrechlich" und lässt uns in eine experimentelle, fast schon psychedelische Traumwelt eintauchen, in der emotionale Worte auf tanzbare Beats treffen. Damit schafft der 27-Jährige eine ganz eigene Realität, die bereits beim ersten Ton mitreißt.

Kein Wunder also, dass dieses Jahr schon viel bei ihm passiert ist: Nach seiner Tour mit The Avalanches, seinem Debüt auf dem SXSW Festival in Texas und einer Performance mit der australischen Fotografin und Künstlerin Prue Stent hat es den Musiker nach L.A. gezogen, um an seinem neuen Album zu arbeiten. Von der Berliner Subkultur angezogen, hat es Oscar erst vor Kurzem weiter nach Berlin verschlagen. Und weil sich das australische Clubkind mittlerweile auch in unserer Hauptstadt gut auskennt, haben wir ihn um einen Vergleich gebeten: Wo feiert man wie? Was ist typische australisch und welche merkwürdigen Dinge beobachtet man wo?


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In Berlin ist es normal, am Sonntag in einen Club zu gehen. Wie sieht ein typischer Sonntag in Melbourne aus?
Meine Sonntage können ganz unterschiedlich aussehen: An manchen Tagen bin ich extrem introvertiert, zeichne gerne, höre Musik oder ein Freund kommt zu Besuch und wir trinken Tee. An anderen bin ich dagegen hungrig nach Erfahrungen und sozialer Interaktion.

Wie unterscheidet sich die Berliner Musikszene von der in Melbourne?
Melbourne ist von allem ziemlich weit weg. Wenn Leute auf ihrer Tour dort Halt machen, sind sie meistens musikalisch auf einem ziemlich hohen Level. Berlin hat eine Art Durchgangs-Szene, weil die Stadt für viele nur ein kurzer Zwischenstopp ist. Außerdem gibt es so viele experimentelle Künstler — in Melbourne sind das deutlich weniger.

Lass uns übers Essen reden. In Berlin ist die Currywurst quasi das Nationalgericht. Was isst man in Melbourne besonders gerne?
Ich bin halb spanisch, also haben wir immer viel "Wog Food" (A.d. Red. jegliches Essen, das weder Fleischpastete oder asiatisch ist) gegessen. Typisches australisches Essen geht eher in Richtung Barbecue, aber das war nie wirklich mein Ding. Nicht jeder kommt auf einem Känguru zur Arbeit und spielt Australian Football [Lacht]. Das Ding ist, dass Australien im Vergleich zu vielen Ländern in Europa keine wirkliche kulturelle Identität hat. Es ist das Land der Aborigines, das ist unsere Geschichte.

Was ist dein absoluter Lieblings-Mitternachtssnack, wenn du in Berlin zum Späti gehst?
Irgendeine Sorte Schokolade, am besten mit Haselnuss.

In Berlin sieht man eine Menge komischer Gestalten in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Welche merkwürdigen Dinge, hast du schon beobachtet?
Wenn du um zehn Uhr morgens nach Hause stolperst, ist es in den meisten Städten fast schon unangenehm, nicht so in Berlin: Dort bist du im Vergleich zu den meisten Leuten, denen du begegnest, ziemlich fit. [Lacht]

Aber meine Oma erzählt mir gerne diese eine Geschichte. Ich hatte schon immer sehr feminine Züge als kleiner Junge und noch dazu sehr lange Haare — man konnte mich damals also wirklich leicht für ein Mädchen halten. Mein Vater hat mir damals aus Spaß gesagt, dass ich die Leute vom Gegenteil überzeugen sollte. Und als diese alten Frauen damals in der Straßenbahn zu mir meinten, was für ein wunderschönes, kleines Mädchen ich doch sei, habe ich einfach meine Hose vor ihnen runtergezogen. [Lacht]

Man sagt, Deutsche seien sehr direkt, aber auch unnahbar. Was ist typisch australisch?
Mir wurde gesagt, dass Australier sehr liebevolle Menschen sind. Sie drücken dich fest zur Begrüßung, schütteln kräftig deine Hand oder legen oft ihren Arm um dich. Außerdem machen sich Australier gerne über dich lustig.

Wenn wir gerade über Charaktereigenschaften reden. Bist du selbst genauso kontrastreich wie deine Musik?
Ich glaube schon. Ich bin in vielerlei Hinsicht sehr feminin und wurde auch schon früh dazu ermutigt, das auszuleben. Auf der anderen Seite kann ich aber auch sehr maskulin sein. Es gibt eine Songzeile aus dem Kendrick-Lamar-Album, in der es heißt "antisocial extrovert" — damit kann ich mich wirklich gut identifizieren.

@oscarkeysung

Am 17. August kannst du Oscar Key Sung live im Prince Charles in Berlin erleben. Alle Informationen findest du hier.

Credits


Fotos: Shannon May Powell