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björk wehrt sich gegen sexistische kritiken

„Lasst uns 2017 zu dem Jahr küren, in dem wir alles ändern werden!!!“

von Hannah Ongley
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22 Dezember 2016, 11:17am

Nach ihrem DJ-Gig beim Day for Night Festival in Houston am vergangenen Wochenende hat die Sängerin Björk die Berichterstattung der Medien scharf kritisiert. Eigentlich wollte die isländische Künstlerin die Chance nutzen, um neben Musikern wie Aphex Twin, Arca und Oneohtrix Point Never ihre Fähigkeiten hinter den Plattentellern unter Beweis zu stellen. Das aber sahen anscheinend viele der anwesenden (Musik)journalisten anders. Statt auf ihr Set zu achten, kritisierten sie die Sängerin und warfen ihr „fehlende Bühnenpräsenz" vor und dass sie sich „hinter den Decks versteckt hätte, statt zu performen". 

„Ich bin mir darüber bewusst, dass ich erst seit einem knappen Jahr auch öffentlich als DJ auftrete und dass sich der ein oder andere vielleicht noch daran gewöhnen muss. Meine Fans haben mich darin immer sehr bestärkt und mich auf dieser musikalischen Reise begleitet. Sie haben nie etwas kritisiert, sondern haben mich so akzeptiert, wie ich bin", schrieb sie in ihrem gestrigen Facebook-Post. „Der Nerd in mir hat sich so sehr auf diesen Auftritt gefreut, ich habe wochenlang daran gearbeitet, die verschiedene Tracks zusammenzuschneiden, um das Gefühl, was ich empfinde, wenn ich gute Musik höre, mit dem Publikum zu teilen."

Außerdem verurteilt sie im gleichen Post/Text, dass Frauen immer noch sexistischen Stereotypen ausgesetzt sind, mit denen einhergeht, dass Frauen—nach Meinung mancher—lieber nicht mit weniger konventionellen Sounds experimentieren sollten. „Von Frauen in der Musikindustrie wird erwartet, dass sie Songs über ihre Boyfriends oder Ex-Boyfriends singen. Männern dagegen ist es erlaubt, zwischen verschiedenen Genres hin und her zu wechseln und zu absoluten Musik-Nerds zu werden, Frauen dagegen nicht. Wenn wir unsere Brust nicht aufschneiden und bluten, wegen der Männer und der Kinder in unserem Leben, betrügen wir unser Publikum", schreibt Björk. 

Das ist nicht das erste Mal, dass die Sängerin der Musikindustrie vorwirft, ein boys club zu sein. Bereits im März diesen Jahres ist ein Video aus den 90ern aufgetaucht, das die Sängerin im Interview mit einem spanischen TV-Sender zeigt, in dem sie ihre Gedanken diesbezüglich offen ausspricht. Einige Monate später, genauer gesagt im Juni 2016, warf sie der Filmindustrie vor, dass diese Frauen über 30 anders behandle als jüngere Frauen. Eins kann man also sagen: Björk hat keine Lust mehr, sich das alles gefallen zu lassen. „Lasst uns 2017 zu dem Jahr küren, in dem wir alles ändern werden!!! Für das Recht auf Vielfältigkeit der Frauen in dieser Welt!!!" 

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: Ari Magg 
[The Passionate Issue, No. 244, June 2004]