Diese neue Netflix-Serie räumt mit traditionellen Beziehungsvorstellungen auf

"She’s Gotta Have It" ist die TV-Adaption des gleichnamigen Films von Spike Lee und zeigt endlich ein breiteres Spektrum der weiblichen Sexualität. Cute Boys inklusive.

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Nov. 24 2017, 10:03am

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Dieses Jahr gab es bereits einige Serien und Filmen mit Suchtpotenzial auf Netflix zu sehen. Mindhunter taucht tief in die Psyche von Serienmördern ein, die uns sonst nur in unseren Albträumen begegnen. Als wir Glow gesehen haben, wollten wir am liebsten gleich selbst in den Wrestling-Ring und den Body überstreifen. Und dass man an Stranger Things 2 dieses Jahr nicht vorbeikam – IRL und im Netz –, versteht sich von selbst.


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Doch zum Glück hat der Streaming-Dienst pünktlich zu unserem Winterschlaf mit She’s Gotta Have It erneut eine mögliche Lieblingsserie ins Rennen geschickt (Dark haben wir euch ja bereits hier ans Herz gelegt). Darin geht es um die sex-positive, polyamouröse, pansexuelle Malerin Nola Darling aus Brooklyn, gespielt von DeWanda Wise, und ihre drei sehr unterschiedlichen Beziehungen. Die Serie ist ein Remake des gleichnamigen, 31 Jahre alten Spike-Lee-Films durch den Kultregisseur selbst, ergänzt um neue Drehbuchautorinnen, darunter auch seine Schwester Joie Lee, die selbst eine Schauspielerin, Autorin und Regisseur ist. Die Vielfalt vor und hinter der Kamera verspricht, dass es dieses Mal weiblichere Charaktere geben wird. She’s Gotta Have It gehört damit inhaltlich zu einer Reihe nicht weniger fantastischer Serien wie Chewing Gum und Insecure, die alle mit den Klischees über Women of Color im Fernsehen (und im Rest der Mainstream-Medien) aufräumen und versuchen, Alternativen zu zeigen.

Seit den Anfängen von Film und Fernsehen gehört die weibliche Sexualität zu den am stärksten reglementierten Themen und ist voller Stereotype. Es gibt die Femme fatale, das unschuldige und naive Mädchen, die Single-Frau, deren Probleme (wie gebrochene Fingernägel) gelöst werden, sobald sie in einem funkelnden Hochzeitskleid steckt. Genau deswegen ist die Figur der offen polyamourös lebenden Nola mit ihren drei Beziehungen auch so erfrischend ehrlich und anders. In Film und TV werden nur selten Frauen dargestellt, die die Kontrolle über ihre eigene Sexualität haben und sich auch noch wohl darin fühlen. "[Nola] ist eine Frau, die versucht, drei Männer unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, dass es heutzutage mehr solcher Frauen wie Nola gibt. Doch nur wenig hat sich an der Verurteilung durch die Männer getan", so Spike Lee zur New York Times.

Wenn die limitierten medialen Darstellungen zu der verzerrten, gesellschaftlichen Wahrnehmung von weiblicher Sexualität geführt haben, dann kann das Fernsehen zumindest dazu beitragen, dass das Thema mit vielschichtigen Alternativen anders gezeigt wird. Dass es mehr Serien wie She’s Gotta Have It braucht, ist sowieso klar. Und jetzt gibt es keine Ausreden mehr, nicht zu Hause zu bleiben und die dunkle Jahreszeit im Bett zu überwintern.