7 legendäre Looks der Vivienne Westwood

Unsere heißgeliebte Dame Viv sah in den vergangenen 50 Jahren nicht ein einziges Mal langweilig aus.

von James Anderson
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15 Mai 2020, 4:45am

Imagery Charlie Ley/Mirrorpix/Getty Images and Tim P. Whitby/Getty Images

Bilder Charlie Ley/Mirrorpix/Getty Images und Tim P. Whitby/Getty Images

Von der Punk-Pionierin der 1970er über den neoromantischen Chic der 80er bis zu den Korsagen und Plateauschuhen, die sie in den 90ern wiederauferstehen ließ: Vivienne Westwood, heute allbekannt und eine globale Marke, hat eine ganz schön lange Reise hinter sich. Die unverblümte Umweltaktivistin und Protestlerin, die erst letzte Woche großartige 79 Jahre alt wurde, hat Unmengen an Preisen eingeheimst, war Gegenstand unzähliger Bücher, Ausstellungen und Dokumentarfilme, und wird von Modestudenten regelmäßig als Inspiration zitiert. Und die stets energiegeladene Vivienne macht keine Anstalten, locker zu lassen. Zum verspäteten Geburtstagsgruß blicken wir zurück auf fünf Jahrzehnte ihrer ikonischsten Mode-Momente. Hoch soll sie leben!

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FOTO VON CHARLIE LEY/MIRRORPIX/GETTY IMAGES

1971: Let it Rock

Von 1971 an entfesselten Vivienne und (der 2010 verstorbene) Malcolm McLaren eine ganze Folge bahnbrechender Geschäftsexperimente in ihrem Ladenlokal in Chelsea, 430 King’s Road (Vivienne hat bis heute dort eine Boutique mit dem Namen Worlds End). Die erste dieser Unternehmungen, Let it Rock, spielte mit popkultureller Nostalgie: Das Geschäft war spezialisiert auf originalbelassene und umgearbeitete Rock-and-Roll-Garderobe aus den 1950ern, die inmitten von Einrichtungsgegenständen, Schallplatten und Magazinen aus derselben Ära dargeboten wurde. Diese fünf Jahrzehnte alte Aufnahme zeigt eine junge Vivienne in einem zeitlos fantastischen Look. Ihre in Spitzen abstehenden Haare waren ihrer Zeit voraus – damals trug sie fast niemand so.

1977: Zerstöre die Vergangenheit, erschaffe die Zukunft

1973 wurden Vivienne und Malcolm ihres Ladens überdrüssig und verwandelten Let it Rock in Too Fast to Live, Too Young to Die, worin sie allerhand Biker-inspirierte Klamotten feilboten. Ein Jahr später änderte das kühne Duo neuerlich die Richtung und nannte den Laden SEX. Das Angebot umfasste damals ungeheuerlichen Gummi-, PVC- und Leder-Kink. Die Kundschaft war eine wilde Mischung aus erlebnishungrigen Teens, Fetischenthusiasten, Sexarbeitern, Hardcore-Fashion-Queens und zukünftigen Mitgliedern der Sex Pistols (Malcolm war der Manager der Band), was SEX zum Epizentrum der Londoner Punkszene machte. Im Jahr 1976 dann wurde aus SEX Seditionaries, wo das Duo T-Shirt-Unikate mit zunehmend kontroversen Bildern und Slogans verkaufte, zusammen mit unglaublichen Bondage-Anzügen und Stiefeln aus Schottenstoff. Dieses ganze Jahrzehnt der Innovationen hindurch trug Vivienne stets ihre eigenen punkigen Kreationen, wie das aus Mulltuch gefertigte T-Shirt mit dem Aufdruck “Destroy” – Originale sind heute extrem nachgefragt und lukrieren auf Auktionen weit über €1000.

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1989: Oberwitzbold

1989 erhitzte Vivienne die Gemüter, als dieses Foto von ihr, auf dem sie der damaligen britischen Premierministerin Maggie Thatcher zum Verwechseln ähnelt, das April-Cover des Magazins Tatler zierte. Das schelmische Bild erschien außerdem auf riesigen Werbeplakaten während der Londoner Fashion Week. Für ihr Thatcher-Makeover war Vivienne in einen klassischen Aquascutum-Anzug gekleidet, komplett mit Thatcher-esker Perlenkette, Handtasche und steif lackiertem Haar. Geschossen hat es Fotograf Michael Roberts, der Vivienne dazu ermutigte, für die Kamera zu spielen. “Thatcher war eine Heuchlerin. Das hatte ich die ganze Zeit im Kopf”, erinnerte sich Vivienne später, in ihren Memoiren Get a Life! aus dem Jahr 2016, an das Shooting. “Ich sagte mir, ‘dort ist das Kind im Krankenhausbett und da sind die Kameras. Ich werde der Welt zeigen, wie fürsorglich ich bin…’ Ich war sehr stolz auf meine schauspielerischen Fähigkeiten!” Dass Vivienne kein Fan von Thatcher war, versteht sich von selbst, obschon sie in einem Interview, das sie 2015 dem Telegraph gab, eingestand, so etwas wie Bewunderung für das ultratraditionelle Stilgespür der konservativen Politikerin zu hegen: “Sie war zu Lebzeiten mit Sicherheit die bestgekleidete Frau.”

Photo by Martin Keene - PA Images/PA Images via Getty Images
FOTO VON MARTIN KEENE - PA IMAGES/PA IMAGES VIA GETTY IMAGES

1992: Höschenlose Anstößigkeiten

2006 wurde Vivienne zu Ehren ihrer “Dienste für die Mode” von der Queen zur “Dame of the British Empire” ernannt – ein weiter Weg aus den späten 70ern, als sie sich mit Jamie Reids Queenie-Fotocollage und einer Sicherheitsnadel in der Nase schmückte! Dame Vivienne hatte bereits 1992 königliche Anerkennung erfahren, als sie den OBE (Order of the British Empire) empfing. Aber auch damals blieb sie sich treu und verwandelte den Anlass in eine Boulevard-Sensation. Wie? Nachdem sie den Orden im Buckingham Palace abgeholt hatte, wirbelte die Designerin fröhlich in ihrem langen Rock über den Palastvorhof, direkt vor den Augen der dort versammelten Paparazzi. Die unverschämte Viv hatte an dem Morgen anscheinend ihrer Unterwäsche verlegt, sodass, als der Rock ihr über die Taille glitt...

1993: Erfolgsbank

Dieses traumhafte Schwarzweißporträt von Vivienne, wie sie auf einer Parkbank lümmelt, war eines der ersten Bilder, die der Superstar-Fotograf Jürgen Teller von ihr gemacht hat. Vivienne sieht total entspannt aus und stylisch wie eh und je in ihrer aufgebauschten lila Kutte mit Wirbelmuster aus der Frühjahr/Sommer-Kollektion 1993 und Plateauschuhen aus dem Herbst-Winter-Sortiment (Schuhe der ultrahohen Sorte, wie sie Naomie Campbell zum Sturz brachten, als die für Westwood auf der Pariser Fashion Week lief). Jürgen wurde zu einem guten Freund von Vivienne und Andreas, und hat in den vergangenen zehn Jahren an ihren saisonalen Werbekampagnen mitgewirkt. Noch Jahre nachdem er diese Aufnahme gemacht hatte, erinnerte er sich stolz, wie Vivienne ihm anvertraute, es sei das in ihren Augen aufreizendste Bild, das je von ihr gemacht wurde. Das Victora & Albert Museum in London muss das so ähnlich gesehen haben, denn 1997 kaufte die angesehene Institution die Fotografie für ihre permanente Sammlung an.

2014: Schlagzeilenschnitt

Vivienne ist nie in die Falle getappt, wie so viele andere Celebs verzweifelt jung bleiben zu wollen. Für Botox und Instagram-Filter hat sie keine Verwendung: “Ich mag den Alterungsprozess und habe keine Probleme damit.” Auch wenn sie kein junger Hüpfer mehr ist, hat sie nach wie vor eine rebellische Seite und versteht es, ihren Ruhm und ihr Bild einzusetzen, um Öffentlichkeit für Dinge zu schaffen, an die sie glaubt. 2014 zum Beispiel beschnitt sie ihr ehemals langes, rot gefärbtes Haar dramatisch und ersetzte es durch einen naturbelassenen, silbergrauen Kurzhaarschnitt: “Vivienne hat ihre Haar abgeschnitten, weil wir alle uns der Klimaherausforderung stellen müssen”, erklärte ihre Sprecherin gegenüber dem Telegraph. Die dramatische Geste setzte außerdem ein weithin sichtbares Zeichen, dass Vivienne glücklich ist, nunmehr Seniorin zu sein: “Sie wollte das Rot herausschneiden und es für eine Weile durch Weiß ersetzen – um zu zeigen, dass sie stolz ist auf ihr Alter”, bestätigte die Sprecherin (die zu dem Zeitpunkt vermutlich knietief in roten Haarbüscheln versunken war).

2020: Grüne Prophetin

Seit vielen Jahren setzt sich Vivienne unermüdlich dafür ein, dass wir dem Klimawandel aktiv entgegentreten, sowie für ein weltweites Umdenken über Demokratie und Kapitalismus. In den letzten paar Wochen, im Londoner Lockdown mit Andreas in ihrer gemeinsamen Bleibe in Clapham, war die engagierte Aktivistin damit beschäftigt, in Blogs und Vlogs zu argumentieren, dass die globale Pandemie es Mutter Erde erlaubt, sich wieder zu regenerieren. Und natürlich trägt sie, auch wenn sie zu Hause festsitzt, keine alten Jogginghosen und Pantoffel – sie ist Dame Vivienne Westwood verdammt noch mal! Gebt euch dieses Video, worin die grünste aller Mode-Aktivistinnen am Glamour festhält und für ihre Gartenpredigt in einem entzückenden grünen Kleid und gigantischen Heels auftritt. Halleluja!

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