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Eine neue Generation bahnt sich ihren Weg an die Spitze der Modeindustrie

Furchtlos und voll neuer Energie: Diese Kreativen verändern gerade die Szene.

von i-D Staff
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28 März 2019, 4:27pm

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Mowalola trägt ein Kleid von Loewe.

Mowalola, Designerin

Es ist schwer zu glauben, dass es eine Zeit gab, in der jemand den Namen Mowalola noch nicht kannte. Im Jahr 2019 ist es fast unmöglich über die sich wandelnde Modeindustrie zu sprechen, ohne diese Dame zu erwähnen. Mowalola Ogunlesis Designs sind provokativ, afro-futuristisch, genderlos und hypermodern. "Sex. Mehr Sex und noch mehr Sex", mit diesen Worten beschreibt sie ihre eigene Ästhetik. Mowalola lässt Kulturen verschmelzen – die Tochter nigerianischer Designer zog mit 12 nach England – und sehnt sich gleichzeitig nach einer globalen, intergalaktischen Zukunft. "Es müssen nicht zwingend nur People of Colour sein, die meine Arbeit als kompromisslos Schwarz wertschätzen", so die Designerin. "Solange du verstehst, dass es darum geht, es dir zu eigen zu machen und dich dafür nicht zu entschuldigen". Mowalola ist das Gesicht einer neuen Generation von Designern, mit einer ansteckenden Energie. "In diesem Beruf musst du in der Lage sein, mit der Welt zu kommunizieren und eine Geschichte zu erzählen." Und das kann Mowalola so gut, wie kaum jemand anderes. (Text: Roisin Lanigan)

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Campbell trägt eine Jacke von Marni. Polo Shirt: Ben Sherman. Mütze: Model’s own.

Campbell Addy, Fotograf

Campbell Addy ist einer der wichtigsten neuen Stimmen in der Mode, die sich seit den letzten Jahren erhoben haben. Sein Talent bewegende Bilder zu schießen, hat er bereits letztes Jahr für i-D unter Beweis gestellt, als er Adut Akech für unsere Earth Wise Issue fotografierte. Der im Süden von London geborene Kreative hat ein Auge für Casting, das ihm dabei hilft, die unglaublichsten New Faces vor seine Linse zu bekommen. Erst kürzlich erschien sein eigenes Magazin/Casting Agentur Nii. Die Plattform nutzt Campbell vor allem, um alles von Repräsentation und Familie bis hin zu Sexualität zu erforschen. Sein Ziel? Mode zu einem vielfältigeren, spannenderen Ort zu machen. "Ich würde immer noch gerne mehr Diversität vor und hinter der Kamera sehen ... mehr Schwarze Frauen in der Industrie, die nicht nur in der Rolle des Models stecken. Wir brauchen mehr Stylisten, Fotografen, Make-up Artists, Regisseure und Editor!" Amen. (Text: Felix Petty)

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Zora trägt ihre eigene Kleidung. Foto: Evan Browning

Zora Sicher, Fotografin

Zora war schon zu Teenager-Zeiten ein Fotografie-Wunderkind. Mit gerade mal 13 hat sie angefangen, in der Schule Bilder zu knipsen und sich 2014 bei uns mit ihrem Portfolio gemeldet. Damals dokumentierte Zora, was es bedeutet, ein Mädchen zu sein; seitdem sind fünf Jahre vergangen. Inzwischen fotografiert die 24-Jährige Stars wie Paloma Elsesser und Aaron Philip für i-D. Jedes Mal fängt Zora ihre Models mit einer subtilen Anmut und emotionalen Aufrichtigkeit ein, die ein wohlig warmes Gefühl zurücklassen. Erst vor Kurzem erschien ihr erstes Fotobuch, Progreso 110, das ihr Leben der letzten zwei Jahre in Mexico City dokumentiert. "Dort gibt es sehr viel kreative Freiheit", sagt die Fotografin. "An einem Tag machst du ein Musikvideo, an einem anderen gehst du auf einen Rave. Die kreative Energie ist so viel entspannter als in New York und trotzdem voll unendlicher Möglichkeiten!" (Text: Felix Petty)

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Joyce trägt ein Top von Prada.

Joyce Ng, Fotografin

Joyce Ng wurde in Hong Kong geboren, inmitten von unendlichen Malls, riesigen Wolkenkratzern und hektischen Straßen. "Die Stadt, in der ich lernte, Menschen zu beobachten", sagt Joyce über ihre Heimat. "Das Beobachten habe ich im Blut. Daraus ziehe ich die meiste Energie für meine Fotografie." Was gibt es Passenderes als eine Stadt voller Reizüberflutung – und trotzdem stecken Joyces Fotos voller surrealistischem Naturalismus. Sie hat ein Talent für originelle Kompositionen, ein Auge für Humor und Drama. Dabei wollte sie eigentlich gar keine Fotografin werden (selbst heute ist ihr Traum noch immer, "mit ihren Freunden ein von Hong Kong inspiriertes Restaurant in Beirut zu eröffnen"). Mit 17 zog Joyce aber erstmal nach London, studierte an der Central Saint Martins, bis sie nach langem Ausprobieren zu ihrer Leidenschaft hinter der Kamera gelang. "Ich war von der Verantwortung eingeschüchtert, die mit der Fotografie einherging", bis ihre Freundin Hanna Moon sie dazu ermutigte, eine Kamera zu kaufen. Der Rest ist Geschichte, schließlich zählen die beiden gerade zu den spannendsten Namen in der Modefotografie. (Text: Felix Petty)

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Ib trägt einen kompletten Look von Alexander McQueen.

Ibrahim Kamara, Stylist

Ib Kamara ist mehr als nur Stylist. Er ist ein kreativer Schöpfer, ein Visionär auf seinem Gebiet, inspiriert von "der Liebe zum Bild und den Möglichkeiten, die dahinter stecken". Dir bleibt nichts anderes übrig, als dich Hals über Kopf in seine Arbeiten zu verlieben. So erging es uns auch – einer der Gründe, warum wir ihn als Fashion Editor At Large in unsere i-D Familie aufgenommen haben. Der in Sierra Leone geborene Stylist hat an der Central Saint Martins studiert und unsere Aufmerksamkeit zum ersten Mal mit seinem Abschlussprojekt 2026 erregt, in dem es um die Zukunft von Black Masculinity ging. Seitdem reisen er und seine Arbeiten um die Welt und bringen Mode an ganz neue, spannende Orte. Zwar entdeckt und lernt Ib nicht aus, "aber in 20 Jahren wird alles Sinn ergeben." (Text: Felix Petty)

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Alle tragen einen kompletten Look von Vaquera. Foto: Evan Browning.

Vaquera, Designkollektiv

Vaquera, abgeleitet aus dem Spanischen "Cowgirl", wollte eine Bewegung ins Leben rufen. Von ihrem Namen bis zu ihren Shows sind sie eine Gruppe von Anti-Mode-Superstars. Patric DiCaprio, Bryn Taubensee und Claire Sully sind hier, um es der Industrie zu zeigen. Ihre Ästhetik beschreiben die drei als "verwirrend, emotional und ironisch". Außerdem nennen sie den Film Oz – Eine fantastische Welt als einen ihrer Haupteinflüsse. Dieser spiegelt sich auch in ihren Shows wider, die oft in bizarren Locations stattfinden und mit unseren Erwartungen von Schönheit, Proportion und Kostüm spielen. Zusammengekommen ist das Trio 2013, weil ihnen die New Yorker Modeszene zu langweilig vorkam. Seitdem füttern sie ihr eigenes Label mit Diversität. "Jedes Mal das gleiche auf dem Laufsteg zu sehen, ist so ermüdend", erzählt uns das Kollektiv. "Aber die Regeln ändern sich heute in der Mode – und das macht das Ganze gerade so spannend. Den größten Fehler, den du als Designer machen kannst, ist es, dem Markt nachzugeben und nicht du selbst zu sein." (Text: Roisin Lanigan)

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Sarah trägt ein Oberteil von Acne Studios. BH, Hose und Schmuck: Model’s own. Turnschuhe: Diadora.

Sarah Small, Casting Director

Sarah Small hat Fashion Communication and Promotion an der Central Saint Martins studiert, bis der Zufall sie in eine andere Richtung trieb. "Ich war pleite und habe nach einem Job gesucht, als ich plötzlich Madde Østlie vorgestellt wurde, die Gründerin der Casting Agentur AAMO. Sie ist eine Legende und hat mich unter ihre Fittiche genommen", erzählt Sarah. Street Casting versetzt dich in eine bestimmte Art, zu denken. "Aber du musst dir auch eine dicke Haut zulegen. Leute werden dich ablehnen und denken, dass du ein kleiner Weirdo bist – oder sie werden nett und dankbar sein. Ich bin eigentlich ein sehr zurückhaltender Mensch, dem es schwer fällt, auf Leute zuzugehen. Jetzt ist das zum Glück anders. Es geht einzig und allein darum, dass sich die Leute wohlfühlen. Wenn du eine Fresse ziehst, will niemand mit dir reden", so die Casting Director. Und welchen Tipp hat Sarah für diejenigen, die in der Industrie Fuß fassen wollen? "Du darfst dich nicht vergleichen. Ich habe so viel Zeit damit verschwendet, mir anzuschauen, was andere haben und machen. Hab dein eigenes Tempo, du musst dich nicht hetzen." (Text: Clementine de Pressigny)

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Jordan trägt eine Jeans von AG Jeans. Oberteil und Accessoires: Model’s own.

Jordan Hemingway, Modefotograf

Für den Modefotografen sollte die Industrie endlich mehr auf die Arbeiten, als auf den Menschen dahinter achten. "Wir brauchen nicht noch jemanden, der versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen", sagt Jordan Hemingway. "Was wir brauchen sind mehr Menschen, die zusammenarbeiten." Eine erfrischende Einstellung für jemanden in der traditionellen Modefotografie. Seine Bilder fordern Schönheitsideale heraus, feiern Fetischmode, 70er-Jahre Horror B-Movies, das Weltall und Glam Rock. "Wir sind so mit optischen Reizen übersättigt, dass wir uns nur noch schwer konzentrieren können", erklärt Jordan weiter. "Wir werden darum gebeten, Dinge so zu kürzen, dass das Bild oder der Film auf den ersten Blick die ganze Geschichte erzählt. Das Bedürfnis nach Qualität wird immer geringer, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch darum, dass wir etwas in die Welt setzen, damit wir es getan haben – und nicht mehr um die Qualität oder den Inhalt. Das ist so langweilig." Was macht man mit einer Fotografie-Kultur, die langweilig ist? Fotos, die alles außer langweilig sind. Und genau das gelingt Jordan wirklich gut. (Text: Roisin Lanigan).

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Alexandra trägt einen kompletten Look von Louis Vuitton.

Alexandra Leese, Fotografin

Wie bleibt man in einer Industrie relevant, die sich andauern verändert? Wie sticht man heraus, wenn die sozialen Medien mit immer mehr Inhalten überflutet werden? Indem man sich selbst treu bleibt und seine Arbeiten für sich selbst sprechen lässt, zumindest wenn es nach Alexandra Leese geht. "Ich glaube, dass jeder von uns eine einzigartige Sicht auf die Welt hat", so die Fotografin. "Ich glaube, dass Menschen von dieser Form der Energie auf natürliche Weise angezogen werden." Alex' Fotografien fangen die Energie ihrer Subjekte ein, handeln von Identität und Menschlichkeit. Ihre britisch-chinesischen Wurzeln helfen ihr dabei, genau diese beiden Themen zu erforschen. "Ich fühle mich von Leuten und ihrer Energie angezogen. Wer sie sind, welche Geschichten sie erlebt haben und wofür sie einstehen", so Alex weiter. "Es geht heute nicht mehr nur um das, was du trägst. Wir sind die Generation, die versucht, etwas Bedeutungsvolles in der Welt zu verändern." Wir könnten uns nicht noch mehr auf die Zukunft freuen. (Text: Roisin Lanigan)

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Jordan trägt eine Jacke von Prada. Top (darunter getragen): Lacoste. Hose: Y/Project. Turnschuhe: Bottega Veneta.

Jordan Robson, Tänzer

In einem guten Fashion Foto steckt eine ganz bestimmte Magie, die mehr als einen Fotografen und Stylisten erfordert. Zum Beispiel den 24-jährigen Tänzer Jordan Robson, der Mode in Bewegung übergehen lässt. Ihm geht es um provozierenden Tiefgang auf den Seiten eines Magazins und den Laufstegen dieser Welt. Er zog sogar die Aufmerksamkeit von Tim Walker auf sich, als er für die Theo Adams Company tanzte. "Tanz und Mode sind Ausdrucksmedien. Ich arbeite mit Menschen und ihren Körpern, in der Hoffnung ein Narrativ und Gefühl zu porträtieren ... auf eine Art und Weise, die vorher noch nicht erforscht wurde", so der Brite. Jordan gehört mittlerweile zu einem der gefragtesten Künstlern in der Industrie. Selbst Vogue, Dust, L'Officiel und Charles Jeffrey zählen zu seinen Fans. Sein Tipp für jeden, der auch in seine Fußstapfen treten möchte? "Finde heraus, was dich antreibt, gewöhne es dir an und verwirkliche es." (Text: Ryan White)

Credits


Fotos: Thurstan Redding
Styling: Matt Holmes

Haare: Teiji Utsumi / Bryant Artists
Make-up: Porsche Poon verwendet NARS Cosmetics
Movement Director: Pat Bugolsawski / Streeters
Set Design: Andrew Lim Clarkson
Fotografie-Assistenz: Sam Henry und Nick Hadfield
Styling-Assistenz: Sam Thompson und Nathan Henry
Haar-Assistenz: Kanae kikuchi
Make-up-Assistenz: Eddy LiuSet
Design-Assistenz: Sophie Coates
Produktion: KO Productions

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus i-Ds neuer The Homegrown Issue, no. 355, Spring 2019.