Foto: Jamel Shabazz "Subway Series", © Galerie Bene Taschen

Wie du richtig Metro fährst, laut Fotografie-Legende Jamel Shabazz

An diesem Ort porträtierte er in den Achtzigern die interessantesten Gesichter New Yorks – ihnen widmet er nun seine neuste Ausstellung

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Dez. 5 2018, 4:41pm

Foto: Jamel Shabazz "Subway Series", © Galerie Bene Taschen

Wie schön es wäre, wenn sich endlich mal jemand die Mühe machen würde, eine funktionierende Zeitmaschine zu erfinden. Der erste Stopp wäre definitiv New York City in den Achtzigern. Als Basquiat und Keith Haring die Kunstszene okkupierten, Style Wars die Zukunft definierte, als sich im CBGB und Warhols Factory heutige Legenden versammelten, als Run-DMC auf Block-Partys spielten. Natürlich lief in der Politik und Gesellschaft einiges schief – die übersprudelnde Kulturszene kreierte in der Jugend jedoch einen hoffnungsvollen Eskapismus. Und genau in dieser Zeit nahm auch die Karriere des Fotografen Jamel Shabazz ihren Lauf.


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Geboren in Brooklyn, lieferte diese Nachbarschaft einen unaufhörlichen Strom an Menschen, die dafür gemacht waren, für die Ewigkeit festgehalten zu werden. Shabazz wurde zum Chronograf der Black Community, der ihre persönlichen Geschichten und die Historie der Stadt miteinander verschmelzen ließ. Er wurde zum stilprägenden Vorbild für kommende Generationen von Dokumentar- und Streetfotografen. Diesen reicht es nicht, einen brisanten Schnappschuss aufzunehmen, stattdessen wollen sie für wenige Sekunden eine intime Verbindung zum Porträtierten aufbauen.

Jamel Shabazz' Fotos haben eine Seele. Sie erzählen von Interessen, Wünschen und Schicksalen. Sie sind wie eine Zeitkapsel, die eine Reise in die Vergangenheit obsolet macht, da sie das Leben der New Yorker so realitätsgetreu konserviert haben. Seine neuste Ausstellung City Metro widmet sich nun dem Ort, an dem ein Großteil seiner Bilder entstanden sind: Die U-Bahn. Ein Ort, der wie kein anderer einen Querschnitt der Gesellschaft mit all ihren Befindlichkeiten widerspiegelt – hier ist jeder gleich. Trotzdem gibt es auch Verhaltensregeln, Jamel Shabazz hat sie uns erklärt.

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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen

New Yorker sind dafür bekannt, recht gnadenlos und direkt zu sein – was sollte man unbedingt beachten, damit man in der Metro nicht in Schwierigkeiten gerät?
Der beste Rat an all diejenigen, die sich nicht mit dem NYC Metro System auskennen? Immer respektvoll und zuvorkommend sein und sich nur um die eigenen Sachen kümmern. In New York sagen wir: "Stay in your lane."

Man verbringt gefühlte Ewigkeiten in der Metro. Was machst du, damit dir nicht langweilig wird?
Als Dokumentar-Fotograf, der immer darauf bedacht ist, den Moment festzuhalten, wird mir nie langweilig. Wenn zufälligerweise doch mal eine Pause aufkommt, höre ich Musik für meine Seele ... besonders gerne Marvin Gaye.

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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen

Der L-Train ist zu einer echten Legende geworden. An welcher Haltestelle sollte wir aussteigen, um die besten Streetstyles zu finden?
Union Square-14th Street ist definitiv ein gutes Ziel. Von Vintage bis Goth: Hier findet man die verschiedensten Styles.

Wie sollte man sich kleiden, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen?
Ich neige dazu, nach Pärchen oder Gruppen zu schauen, die ähnliche Kleidung tragen.

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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen

Wie beruhigst du die Leute, wenn sie sehen, dass du sie fotografiert hast?
Das ist eine ziemlich heikle Situation, die immer ganz unterschiedlich verläuft. Wenn es möglich ist, versuche ich sie nach ihrer Erlaubnis zu fragen und ihnen den Grund für das Foto zu erklären, doch manchmal ist das nicht gewährleistet. Falls es gar nicht anders geht und du digital fotografierst, bleibt dir nichts anderes übrig, als die Datei zu löschen.

Worüber sollte man auf gar keinen Fall in der U-Bahn reden?
Du solltest niemals schlecht über andere Menschen sprechen, mit denen du denselben Raum teilst.

Gibt es einen Snack, bei dem man nicht mit Blicken getötet wird?
Ich habe schon sehr früh gelernt, dass man nicht in der Bahn isst. Aber ich betone gerne, wie wichtig eine Packung Minz-Bonbons ist. Schließlich weißt du nie, ob du in eine Situation gerätst, in der du sehr nah und persönlich mit jemandem sprechen musst.

@jamelshabazz

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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen
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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen
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© Jamel Shabazz, Galerie Bene Taschen

Die Ausstellung "City Metro" ist vom 8. Dezember 2018 bis zum 2. Februar 2019 in der Galerie Bene Taschen, Moltkestraße 81, 50674 Köln zu sehen.