Holland por Esteban Vargas Roa

So lebt es sich als offen schwuler K-Pop Star

"LGBT-Figuren sind sehr unbeliebt in der koreanischen Entertainment-Industrie. Die Leute werden der ganzen Community mit Hass entgegnen, wenn ich nur einen klitzekleinen Fehler mache."

von Cheryl Santos
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13 Dezember 2018, 11:07am

Holland por Esteban Vargas Roa

Zu diesem Zeitpunkt weiß jeder von uns, dass K-Pop zu einem weltweiten Musikphänomen wurde: Namen wie BTS, Twice, Exo und NCT sind uns allen schon irgendwo über den Weg gelaufen. Aber wie fühlt es sich eigentlich als K-Pop Künstler in Südkorea an?

Go Tae-seob, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Holland, hat schon vor seinem Durchbruch alles selbst in die Hand genommen. Ohne den Support und das Training einer der größten Entertainment-Konzerne des Landes fällt es außerordentlich schwer, den gleichen Erfolg wie andere Musiker in seinem Feld zu erzielen. Trotzdem wusste er, dass es seine einzige Möglichkeit ist, denn Holland lebt offen schwul. In einer extrem konservativen Gesellschaft gleicht das Singen darüber einem wagemutigen Akt der Rebellion. Und bedeutet auch, dass ihn kein großes Label unter Vertrag nehmen wird.


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Womit der K-Pop Künstler aber nicht gerechnet hat, war die Generation junger Südkoreaner, die seine Botschaft von Selbstliebe und Akzeptanz mit viel Verständnis und Empathie aufnahmen. "Mir tut das schon länger nicht mehr weh", sagt Holland auf die Frage, wie er mit toxischen, homophoben Kommentaren auf Social Media umgeht. "Schließlich habe ich Fans, die mich lieben."

Wir haben mit dem koreanischen Superstar darüber gesprochen, wie es sich als offen schwuler K-Pop Star lebt.

holland

Wie würdest du deine Musik definieren?
Mein Song "I'm Not Afraid M/V" erzählt meine Geschichte ganz gut. Und dann gibt es noch meine Fans, die viel davon mitnehmen. Wenn Leute verstehen, was ich durch meine Musik ausdrücken möchte, ist sie erfolgreich.

Schreibst und produzierst du deine eigenen Lieder?
Ich produziere sie nicht, aber sonst entscheide ich alles: Genre, Lyrics, Konzept, Musikvideo, Haare und Make-up, Kostüme, Cover und Marketing.

Warum wolltest du Teil der K-Pop-Industrie werden?
Als ich klein war, wollte ich immer Musiker werden. Mir SHINee und den Gesang von Kim Jong-hyun anzuhören, hat mich ungemein beruhigt. Er hat mich wirklich bewegt! Zum Glück haben mir viele Künstler Trost in meinen dunkelsten Stunden gegeben, also wollte ich auch einer von ihnen werden.

Was ist die größte Fehlvorstellung der K-Pop-Industrie außerhalb Asiens?
Dass K-Pop sich international nicht durchsetzen wird. Ich glaube daran, dass K-Pop besser wird und auch Fortschritte hinsichtlich dessen macht, wie damit umgegangen wird.

Die koreanische Gesellschaft ist extrem konservativ. Was riskierst beziehungsweise opferst du, wenn du offen schwul lebst und darüber singst?
LGBT-Figuren sind sehr unbeliebt in der koreanischen Entertainment-Industrie. Die Leute werden der ganze Community mit Hass entgegnen, wenn ich nur einen klitzekleinen Fehler mache. Deswegen muss ich sehr passiv und vorsichtig mit meiner Wortwahl und meinem Verhalten sein.

Glaubst du, dass du den Weg für mehr koreanische LGBTQ-Künstler ebnest?
Noch nicht, nein. Dafür muss ich noch berühmter werden und noch härter arbeiten. So lange, bis ich diese Frage mit "Ja" beantworten kann.

holland kpop

Wen bewunderst du gerade besonders?
Mich selbst. Ich will mich besser kennenlernen und ein besserer Mensch werden. Ich bin wirklich stolz auf mich. Klinge ich zu frech? Lol.

Welche Musik hörst du privat?
Ziemlich offensichtlich: K-Pop. Ich bin Teil dieser Industrie und habe täglich jeden neuen Song anderer Künstler auf dem Schirm. Ansonsten habe ich angefangen, viel Weihnachtslieder zu hören. Wie passend.

Wie gehst du mit toxischen Kommentaren auf Social Media um?
Mir tut das schon länger nicht mehr weh, weil ich Fans habe, die mich lieben. Aber manchmal kommentiere ich selbst etwas Nettes und tue so, als ob ich einer meiner Fans bin.

Beschreibe den perfekten Tag in Seoul.
Seoul ist eine riesige Stadt. Wenn ich mich also entscheiden müsste, würde ich Hongdae, Itaewon und Gangnam empfehlen. Wenn du durch Gwanghwamun schlenderst, siehst du die traditionelle Seite der Stadt. Schnapp' dir deinen Liebsten und erlebe etwas Romantisches!

Credits


Fotos: Esteban Vargas Roa
Styling: Alina Castro

Haare und Make-up: Lee Eun Seo
Produktion: Tam Sun

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der spanischen Redaktion.