Mit diesem Meme-Account fühlst du dich weniger allein

"@jokingbutnotreally ist eine kuratierte Sammlung aus Dingen, die ich lustig finde und selbst nachempfinden kann."

von Juule Kay
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09 Oktober 2019, 3:18pm

Foto: Screenshots von Instagram

Wir kennen sie alle: Diese Tage, an denen wir nichts so wirklich auf die Reihe kriegen. Das warme Bett verlassen? Schwierig. Endlich die To-Do-Liste abarbeiten? Frag' später nochmal – oder lass es lieber gleich bleiben. An genau diesen Tagen hängt man besonders intensiv am Handy. Scrollt sich ins Nirvana und drückt bei jedem Meme auf den Gefällt-Mir-Button, das sich nur ansatzweise nach "so me" anfühlt.



"Manchmal habe ich das Gefühl, dass nicht alle Menschen auf Social Media lachen wollen", sagt Brenda Hashtag, die auf ihrem persönlichen Account viel über Mental Health spricht. Damit sie zumindest denjenigen eine Freude machen kann, die den tristen Alltag lieber mit Humor nehmen, hat sie Anfang des Jahres ihre Meme-Perle @jokingbutnotreally auf das Internet losgelassen. "In den Memes geht es nicht nur um Mental Health, sondern auch um Ticks", erzählt Brenda im Interview. "Ob extremes OCD, Dating oder Probleme mit den Eltern: Wir sind alle irgendwo Freaks."

i-D hat sich mit der gebürtigen Hamburgerin über die Beziehung zwischen Memes und psychischer Gesundheit unterhalten.

Die allerwichtigste Frage zuerst: Was macht ein Meme zu einem guten Meme?
Du siehst es und kannst dich direkt hineinfühlen, denkst 'Oh Gott, genau das bin ich'. Dir läuft dann ein richtiger Schauer über den Rücken, weil es dich so anspricht. Du siehst nur ein Wort oder Bild und weißt ganz genau: it me. Es ist wie eine Erinnerung, die dich sofort trifft, wenn du ein Meme siehst. Das ist eigentlich das Schönste daran: Ohne viele Worte ein bestimmtes Gefühl zu teilen.


I
nstagram wird nur so überflutet von Meme-Accounts. Warum hast du dich dazu entschieden, deinen eigenen zu kuratieren?
Ich glaube, jeder findet den eigenen Humor am besten. Auf meinem persönlichen Account spreche ich zwar viel über Mental Health, aber nicht wirklich auf eine witzige Art. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nicht alle Menschen auf Social Media lachen wollen. Viele der Meme-Accounts, denen ich folge, konzentrieren sich nur auf eine bestimmte Krankheit, die mich vielleicht gar nicht betrifft. Ich will nichts teilen, von dem ich keine Ahnung habe. @jokingbutnotreally ist eine kuratierte Sammlung aus Dingen, die ich lustig finde und selbst nachempfinden kann. Aber wenn wir mal ehrlich sind: Es gibt keinen Bedarf dafür.

Das würde ich so nicht sagen. Ich finde, dass du mit deinem Meme-Account Mental Health auf eine nachempfindbare Art darstellst und zum Nachdenken anregst.
In den Memes geht es nicht nur um Mental Health, sondern auch um Ticks. Ob extremes OCD, Dating oder Probleme mit den Eltern: Wir sind alle irgendwo Freaks. Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der nicht zumindest 50 Prozent dieser Memes nachempfinden kann. Ich mache nur Spaß, aber eigentlich gar nicht.

Wie steht es um deine eigene mentale Gesundheit?
Vor etwa einem Jahr habe ich angefangen, über meine Panikattacken mit Freunden und auf Social Media zu reden. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht mit dem Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Du denkst in dem Moment echt, du stirbst. Dein Herzschlag wird immer schneller, du schwitzt und weißt gar nicht, was los ist. Nach ein paar Monaten, als es ein bisschen besser wurde, habe ich angefangen, meine Erfahrungen und Lösungsansätze zu teilen. Das ist mir erst sehr schwer gefallen, weil du dich fragst, was die Leute denken. Aber am Ende fühlst du dich so viel ‘normaler’, wenn du merkst, wie viele andere mit den gleichen Dingen zu kämpfen haben. Danach haben sich mir so viele Menschen geöffnet.

Wenn wir von Lösungsansätzen sprechen: Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich mit ähnlichen Problemen herumschlägt?
Erkenntnis ist der erste Schritt. Versuche deine Muster zu erkennen, in die du hineinfällst. Das erst einmal vor sich selbst zuzugeben, ist das Schwerste. So als ob du mit einem kleinen Hautproblem zum Arzt gehst und dir gesagt wird 'Du hast Akne' und du denkst dir nur 'Wie, ich habe doch nur ein bisschen Hautprobleme?'. Das wurde mir zum Beispiel mit 18 erzählt.

Anderen deine Schwächen zu zeigen, macht dich selbst nur stärker – das können nicht viele. Mein einziger Tipp ist wirklich darüber zu reden. Wichtig dabei ist aber auch, dass du dich nicht selbst diagnostizierst. Nur weil du ein paar Borderline-Personality-Disorder-Memes nachempfinden kannst, heißt das noch lange nicht, dass du eine hast. Suche dir offline Hilfe bei Experten, nicht online.

@jokingbutnotreally

Wenn du selbst – oder einer deiner Angehörigen – in einer seelischen Krisensituation stecken solltest und Hilfe brauchst: Es gibt kostenlose Hilfsangebote wie die der TelefonSeelsorge unter 0800/111 0111 oder die Nummer gegen Kummer. Mehr Informationen und Hilfsangebote findest du auch auf der Website der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

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