Fotos: über i-D UK

Dior feiert eine Kriegsheldin

Mit ihrer Spring/Summer Kollektion 2020 ehrt das französische Haus Catherine Dior, faszinierende Schwester von Christian Dior und Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkriegs.

von Felix Petty
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30 September 2019, 1:10pm

Fotos: über i-D UK

Die kreative Entstehungsgeschichte dieser Dior-Show ist nicht auf die Arbeit von Christian Dior selbst zurückzuführen. Sie entstammt auch nicht dem Werk eines bildenden Künstlers, wie es die Kreativdirektorin Maria Grazia Chiuri zuvor getan hatte. Diesmal blickt sie auf die Schwester von Herrn Dior persönlich, Catherine.

Catherine Dior wurde 1917 geboren, befand sich während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand und wurde ins KZ Ravensbrück deportiert. Nach dem Krieg kehrte sie zurück und begann eine Karriere als Gärtnerin. Ihr Beruf, ihr wilder Geist und ihre Tapferkeit prägen die Looks für Spring/Summer 2020.

Die umfangreiche Kollektion nimmt die konzeptionelle Idee des Gartens als Ausgangspunkt, um über Kreativität, Umwelt, Feminismus, Gemeinschaft, Geschichte und unser Erbe zu sprechen. "Wir alle sehen den Garten aus der Sicht von Herrn Dior", sagte Maria Grazia vor der Show. "Er wird immer als etwas Dekoratives gesehen, aber ich wollte weg davon. Ich wollte den Garten als Ort nutzen, um zukünftig Hoffnung zu finden, so wie Catherine nach dem Krieg."

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Die Kulisse der Show macht Sinn: ein ausladender Wald mit echten Bäumen. Es handelt sich um eine Arbeit des künstlerischen und aktivistischen Gartenkollektivs Coloco, das Maria Grazia letztes Jahr auf der Manifesta 12 in Palermo entdeckt hatte. "Sie schaffen Gemeinschaftsprojekte auf der ganzen Welt. Ich wollte etwas tun, das sich aktiv anfühlt, also haben wir diesen Raum geschaffen, der nach der Show recycelt wird. Wir wollten etwas weniger 'Dior', weniger dekorativ, mehr Aktivismus und mehr im Einklang mit unserer aktuellen Realität", erklärt die Kreativdirektorin.

Die Models schweben durch einen Wald mit Bäumen aus ganz Europa. Die Looks umfassen ein breites Spektrum von schick über praktisch bis hin zu glamourös. Die himmelblauen Hemden, Strohröcke und Kleider unterstreichen die Verbindung der Kollektion zur Erde. Statt prunkvollen Rosen gibt es Blumen, die wilden Wiesen gleichen. Die Schuhe sind praktische Stiefel zum Wandern gemacht. Ein Abschnitt ist von der Hippie-Bewegung inspiriert, ein anderer fühlt sich nach Nouvelle Vague an. Einer blickt auf die 40er Jahre von Herrn Dior, die sich auf seine Schwester beziehen, ein nächster auf seine Besessenheit mit Japan.

Für Maria Grazia geht es um Reflexion – den Garten als Raum der Individualität – "Leidenschaft und Geduld", wie sie es ausdrückt. "Ich möchte meine Kreativität und meine Wünsche zum Ausdruck bringen, aber es gibt viele Widersprüche. Wir wollen geringere Emissionen erzielen, aber wir sind eine Luxusmarke. Wie machen wir das? Wir müssen etwas Zeitloses schaffen. Aber ich denke auch, dass es als Schöpfer wichtig ist, Fragen zu stellen, denn ich habe nicht alle Antworten."

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Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unseren Kolleg_innen aus der UK-Redaktion.

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