via i-D UK

Wes Anderson über seinen neuen Film "Isle of Dogs"

Wir haben dem Kult-Regisseur ein paar Geheimnisse entlockt, darunter auch, dass er selbst keinen Hund besitzt, sondern eine Zwergziege.

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19 Februar 2018, 12:05pm

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Wes Anderson hat bei der Eröffnung der 68. Berlinale seinen neuen Film Isle of Dogs – Ataris Reise vorgestellt. Eine triumphale Rückkehr in Wes’ skurrile Welt, nachdem er bereits vor vier Jahren mit The Grand Budapest Hotel unsere Herzen während des Filmfestivals erobert hatte. Mittlerweile weißt du wahrscheinlich bestens über die Handlung seines neuen Kultfilms Bescheid, falls nicht, fassen wir dir die Geschichte nochmal kurz zusammen: In der fiktiven, dystopischen japanischen Stadt Megasaki bricht eine Hundegrippe aus. Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, verbannt der tyrannische Bürgermeister Kobayashi alle Vierbeiner auf "Trash Island". Auf der Suche nach seinem Wachhund Spots reist der unerschrockene Junge Atari (Koyu Rankin) auf die Insel und schließt sich einer Gruppe unverwüstlicher Alphahunde an, um ihn wiederzufinden.


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Was folgt ist ein modernes Märchen, in dem du die Seite der Underdogs ergreifen wirst. Ein Familiendrama mit ausgeklügelten Rettungsaktionen und Fluchtplänen. Aber wir wollen nicht weiter spoilern, sondern geben dir lieber einen kleinen Vorgeschmack auf das, was du dir bald mit eigenen Augen ansehen kannst. Dafür lässt und Wes höchstpersönlich in seine Welt eintauchen:

Alles begann mit einer Müllhalde.
Anderson, Schwartzman und Coppola haben das Projekt mit der einfachen Idee begonnen, einen Film über ein Rudel herrenloser Hunde zu machen, die auf einer Müllhalde leben. Trotzdem wollten sie ihre gemeinsamen Begeisterung für Japan mit einfließen lassen. "Auf gewissen Weise hätte die Geschichte überall spielen können, aber wir wollten unbedingt, dass sie in einer fiktiven Version Japans stattfindet", so Wes.

Er durfte mit seiner Traum-Besetzung drehen.
"Wenn man so einen Film macht, werden die Stimmen bereits am Anfang eingesprochen. Vieles wird im Nachhinein davon inspiriert, was wir hören", erklärt Wes weiter. Wenn du dich also schon immer gefragt hast, was zuerst passiert – Animation oder Sprachaufnahmen –, weißt du jetzt Bescheid. Die Besetzung entspricht übrigens fast seiner Wunschvorstellungen – nicht, dass er ein Nein akzeptiert hätte. "Man kann bei animierten Filmen nicht wirklich sagen, man sei 'nicht verfügbar', weil die Aufnahmen jederzeit und überall gemacht werden können. Es gibt also keine Ausreden!"

Stop-Motion-Animation kann genauso schwierig sein, wie die Arbeit mit echten Schauspielern.
Laut Anderson wirft Stop-Motion-Animation ganz besondere Probleme auf, die man bei anderen Filmformaten nicht hat. Man kann beispielsweise nach zweieinhalb Jahren des laufenden Projekts herausfinden, dass eine der Puppen nicht lächeln kann. Wes sagt, dass diese unkonventionellen Fragen aber gerade den Spaß an der Arbeit ausmachen und "es immer eine Lösung gibt". Im ganzen Film gibt es so gut wie keine digitalen Techniken. Obwohl einige der Szenen digital zusammengesetzt sind, gibt es keine echten CGI-Effekte.

Es wird politisch.
Wes vermischt sein wiederkehrendes Thema der Familienstreitereien mit der offenen Kritik an der Politik: "Zu Beginn wollten wir die politische Lage der Stadt festlegen. Wir wussten, dass es einen Bürgermeister geben und in politischer Hinsicht etwas passieren sollte", sagt Wes. Die Arbeiten an dem Film haben über zwei Jahre gedauert, in dieser Zeit hat sich auf der Welt so einiges verändert. So mussten sie feststellen, dass viele der Themen wie Korruption und unklare Wahl-Umstände, die im Film angesprochen werden, im Einklang mit der Realität standen.

Trotzdem umgibt den Film eine gewisse Ruhe.
In Isle of Dogs ist sogar die Sängerin Mari Natsuki zu hören, die auch den Figuren in Miyazakis Chihiros Reise ins Zauberland ihre Stimme geliehen hat. Wes erklärte, wie Miyazakis Filme seine eigenen beeinflusst haben. Außerdem schreibt er Miyazaki die bemerkenswert vielen stillen Szenen im Film zu. Mit Hilfe des Co-Autors Kunichi Nomura werden die kulturellen Referenzen Japans dem Publikum auf ganz besondere Weise nähergebracht. Kunichi hat bereits bei Sofia Coppolas Lost in Translation mitgewirkt und kennt sich mit der Angst der Amerikaner aus, das japanische Publikum zu verstimmen. Im Scherz sagte er, dass die Amerikaner die japanische Kultur nicht verstehen würden und umgekehrt: "So geht es mir zumindest, wenn ich in New York bin. Ich habe gerade erst darüber gelacht, dass die Amerikaner so schnell sprechen und jedes Gericht einfach viel zu groß ist."

Für seine Recherchen über Hunde stolperte Wes über einige düstere Filme.
Noah Baumbach kam auf die Idee, dass alle Die Hunde des schwarzen Todes schauen sollten, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Richard Adams aus dem Jahr 1977. Dieser steht auch hinter dem Fantasyfilm Watership Down, also kannst du dir denken, dass es sich hierbei nicht gerade um eine Komödie handelt. Wes warnt, dass es ein "sehr düsterer Film" sei.

Wes selbst hat keinen Hund, dafür aber eine Zwergziege.
Jason Schwartzman hat eine 14,5 Jahre alte französische Bulldogge namens Arrow Joel. Bill Murray einen Terrier-Jack Russel-Mischling, der schon einen Angriff von Kojoten überlebt hat. Bryan Cranstons Hund ist vor Kurzem gestorben – RIP Bryan Cranstons Hund. Jeff Goldblum hat einen rothaarigen Pudel namens Woody, der sich vor Kurzem ein Bein gebrochen hat. Wes Anderson dagegen ist stolzer Besitzer einer Zwergziege.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.