diese surrealen collagen verraten dir mehr über die realität, als du denkst

Nackte Frauen, die aus dem Gebirge zu wachsen scheinen, bis zu spielerisch gut platzierten Lilien: Die Bilderwelten der australischen Künstlerin Kitty Callaghan werden dir den Kopf verdrehen.

von Tish Weinstock
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28 November 2016, 10:20am

Seitdem sie ein kleines Kind ist, ist die australische Künstlerin Kitty Callaghan künstlerisch aktiv: für ihr eigenes Sammelbuch hat sie schon damals alles mögliche ausgeschnitten und zusammengeklebt und so ihre eigenen Collagen geschaffen. Heute macht sie noch genau das gleiche. Sie mixt ältere Fotos ihrer Freunde mit Aufnahmen, die sie zufällig entdeckt. Das Ergebnis davon sind Collagen, die das Persönliche und das Unpersönliche, das Reale und das Surreale verbinden. Im Fokus steht bei ihr der weibliche Körper. Sie erschafft fantastische Welten, in denen nichts so ist, wie es scheint. So umarmt auf dem einem Foto eine Frau eine riesige Lilie, in einem anderen erhebt sich ein weiblicher Körper aus dem Gestein. Zudem hat sie bereits mit Marken wie Woolmark, Ellery und Russh zusammengearbeitet—kurz gesagt: Ihren Namen sollte man sich merken. Wir haben mit der Künstlerin über die Schönheit von Nostalgie und über die Beziehung zwischen Geschlecht und Kunst gesprochen.

Erzähl uns mehr über dich. Wo bist du aufgewachsen?
Mein Name ist Kitty und ich mache, unter anderem, diese Collagen. Ich bin in den Southern Highlands in Australien aufgewachsen und habe meinen Heimatort traurigerweise erst zu schätzen gelernt, nachdem ich weggezogen bin. Das trifft aber als junger Mensch eigentlich immer auf ländliche Städte zu, oder? 

Wie bist du zur Kunst gekommen?
Als Kind, das war aber vielleicht keine Kunst in dem Sinne. Vielleicht war es auch überhaupt keine Kunst.

Warum Collagen?
Ich liebe Sammelbücher und das ganze Ausschneiden und Zusammenfügen. Ich habe früher für meine Freunde in der Schule schon immer solche Bücher zum Geburtstag gebastelt. Und von da an hat es sich dann immer weiter entwickelt.

Wer oder was inspiriert dich?
Neue Orte zu entdecken, ist eigentlich immer eine gute Inspiration. Meine größte Inspiration ist aber der weibliche Körper.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Meine Arbeiten sind nostalgisch und ich arbeite gerne mit Tiefe: mit Strukturen, mit Bildern, die ich zufällig finde, oder Fotos, die ich gemacht habe.

Wie sieht dein kreativer Prozess aus?
Ich schneide Fotos aus alten Büchern oder Magazinen aus, die ich gesammelt oder aufgenommen habe und entwickle daraus meine eigene kleine Welt.

Was möchtest du erreichen?
Alten Fotos neues Leben einzuhauchen. Ich liebe es, wenn ich den Inhaber eines Fotoladens besuche und durch seine Kiste mit den dagelassenen Fotos stöbern kann, die Leute seit den 70ern nicht abgeholt haben. Ich suche mir die Bilder mit Menschen heraus und arbeite mit ihnen. Ich frage mich oft, wer diese Leute sind und wo sie heute leben, wenn sie noch leben, und wie ihr Leben verlaufen ist.  

Warum ist dir Sichtbarkeit für Künstlerinnen so wichtig?
Weil sie für jede Künstlerin und jeden Künstler wichtig ist, unabhängig vom Geschlecht.

Sollte das Geschlecht irgendwas mit den Kunstwerken zu tun haben?
Nein.

Was ist das Mutigste, das man als junge Person machen kann?
Sich als junge Frau selbst zu lieben, komplett, so wie man eben ist. Und sich nicht durch dumme Sachen, die einem die modernen Medien und Standards vorsetzen, verunsichern lassen.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich versuche, mehr Fotos von meinen Freunden zu machen, die ich dann für Collagen verwenden kann.

Was sind deine Hoffnungen und Träume für die Zukunft?
Dass ich auch weiterhin an Sachen arbeiten kann, die ich liebe. Und dass ich immer besser werde. 

kitty-callaghan.com

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: Kitty Callaghan

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