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meryl streep spricht in berlin über die fehlende vielfalt in hollywood

Ihre Lösung? In den Vorstandsetagen sollten weniger weiße, ältere Männer sitzen.

von i-D Staff
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15 Februar 2016, 5:00pm

Am Sonntag hat Meryl Streep ihre Meisterklasse im Rahmen der Berlinale genutzt und über das Diversity-Problem Hollywoods gesprochen. Sie hat dabei auch die Ursachen für dieses Problem benannt: die Vorstandsetagen. Vor 300 jungen Schauspielern sagte die dreifache Oscar-Gewinnerin: „Ich denke, dass es sich in eine sehr positive Richtung entwickelt. Man muss laut sein, um einen  Platz am Tisch zu bekommen; damit die Leute Platz machen und damit man in der Debatte gehört wird", berichtet der Guardian. „Aber in unserer Industrie wird es immer von der Vielfalt in den Vorstandsetagen abhängen, denn da sitzt das Geld. Wenn die Entscheidungen von einer Handvoll Leute getroffen werden und deren Geschmack darüber entscheidet, welche Art von Filmen gemacht werden, dann werden auch nur diese Filme gemacht."

Die fehlende Vielfalt in der Filmindustrie wurde vor Kurzem durch die Oscar-Nominierungen wieder aktuell. Dieses Jahr wurden keine nicht-weißen Schauspieler und Schauspielerinnen in den prestigeträchtigen Kategorien nominiert. Das Internet hat darauf mit der Social-Media-Kampagne #OscarsSoWhite reagiert. (Uns haben die Macher vom schwulen Zine The Tenth erklärt, wieso sie gegen diese Kampagne sind.) Für Meryl Streep liegt die Lösung des letztlich alten Problems, das sich immer wieder in neuen Formen zeigt, in der Machtfrage. „Wir müssen 40- bis 50-jährige, weiße Männer dazu bringen, dass sie sich für die Geschichten ihrer Ehefrauen und Mütter interessieren. Die interessieren sich dafür nicht. Doch die jüngeren Männer tun es und das ist auch gut so", erklärt sie weiter.

Das ist bereits das zweite Mal, dass die diesjährige Jurypräsidentin die Schlagzeilen beherrscht. Das erste Mal sorgte ihre Antwort auf die Frage, ob sie denn als weiße Amerikanerin verstehen könne, wie das Filmemachen im Nahen Osten funktioniert, für Stirnrunzeln. „Ich habe schon viele Rollen aus vielen unterschiedlichen Kulturkreisen gespielt. Ich habe im Laufe der Zeit begriffen, dass es im Kern um Menschlichkeit geht, die kulturunabhängig ist", so die Schauspielerin. „Und letztlich kommen wir doch alle ursprünglich aus Afrika. Sie wissen schon, wir sind alle Berliner, wir sind alle Afrikaner", so Meryl Streep. Diese Sätze sorgten für einige Debatten und auf Twitter machte man sich unter dem Hashtag #WereAllAfricans über sie lustig. Es gab aber auch lobende Stimmen für ihren Einsatz gegen Ausgrenzung—etwas, wofür sie sich im Laufe ihrer 50-jährigen Karriere immer wieder ausgesprochen hat.

Gleichzeitig sprach Meryl Streep auch über das Problem von Altersdiskriminierung in der Filmindustrie. „Ich dachte immer, dass meine Karriere mit 38 vorbei sein würde", sagte sie dem Publikum in Berlin. „Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich Rollen jenseits der 40 bekommen würde. Bis 40 konnte man Angebote bekommen, dann fingen die Rollen als alte Schachtel und Hexe an. Das ist einer der Gründe, warum ich bis Into the Woods keine Hexe gespielt habe—und mir wurde Geld angeboten", führt sie weiter aus. „Es ist dieses Loch, in das Frauen fallen, wenn sie nicht länger fruchtbar oder fickbar sind, oder wie das Wort auch immer heißt."

Credits


Text: Matthew Whitehouse
Foto: Vincent Luigi Molino