lena dunham modelt in unterwäsche - na und?

Mit den unretuschierten Kampagnenfotos setzt die Autorin und Schauspielerin erneut ein wichtiges Zeichen - und alle Medien überschlagen sich. Wir fragen uns, warum.

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26 August 2016, 9:20am

Lena Dunham, die vollkommene Verkörperung der Girlpower-Bewegung, steht seit Jahren zu ihrem Körper. Während andere Promis ihre selbstbestimmten Problemzonen in der Öffentlichkeit lieber verhüllen und verstecken, um sich vor eventuellen fiesen Kommentaren zu schützen, zeigt Lena diese seit Jahren mit Stolz. In der von ihr geschriebenen und produzierten Serie Girls, in der sie die vom Leben gestresste und oft überforderte Hannah Horvath spielt, zeigt sie sich von Beginn der ersten Staffel in knappen Jumpsuits und Kleidern-Speckröllchen und Cellulite inklusive. Längst ist sie damit zum offensiven Sprachrohr einer ganzen Generation junger Frauen geworden, die sich von den gesellschaftlich gezüchteten Schönheitsidealen unter Druck gesetzt fühlen.

Jetzt hat sich Lena Dunham wieder einmal unretuschiert fotografieren lassen. Zusammen mit ihrer Freundin, der Schauspielerin und Girls Co-Darstellerin Jemima Kirke, posiert sie in zarter Spitzenunterwäsche für die neuseeländische Lingeriemarke Lonely. Diese hat es sich mit dem Projekt Lonely Girls zur Aufgabe gemacht, auf ihrem Blog Models unretuschiert abzubilden-und damit ein eindeutiges Zeichen in der kommerzialisierten und perfektionierten Branche zu setzen. Seit gestern Morgen fluten nun die Fotos von Lena und Jemima, wie sie zusammen im Badezimmer posieren und sich gegenseitig schminken, das Netz und die Medien. Alle flippen aus, alle applaudieren imaginär für so viel Frauenpower und ehrliche Schönheit, alle werden nicht müde zu betonen, dass die Fotos ganz ohne Photoshop auskommen.

Natürlich ist es wichtig, dass darüber berichtet wird, vor allem in den Mainstreammedien, damit ein möglichst breites Publikum erreicht und direkt angesprochen wird. Auch i-D hat es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht, ein gesundes Körperbild zu vermitteln und zu kommunizieren. Der Weg dazu ist Aufklärung und starke Vorbilder, die den Weg bereiten und Zeichen setzen, um vor allem die jungen Mädchen und Frauen zu erreichen, die mit ihrem Körper so unzufrieden sind, dass es ihnen schwer fällt, ihn zu akzeptieren. Und es ist auch wichtig, damit sich andere großen Konzerne und Labels angesprochen fühlen, ihr bisheriges Image zu überdenken, so wie es beispielsweise &Other Stories bereits getan hat.

Und trotz aller Euphorie und Begeisterung, sitzt man als aufgeklärte und selbstbewusste Frau vor dem Computer und denkt: Warum gilt eine solche Kampagne im Jahr 2016 immer noch als etwas Besonderes und wird dementsprechend bejubelt? Warum sind solche Fotos noch lange keine Selbstverständlichkeit? Sind wir, Generation Girlpower, nicht längst darüber hinaus? Die Reaktionen im Internet lassen unsere Blase aus Selbstliebe und Akzeptanz zerplatzen und holt uns in die Realität zurück. Die ersten Schritte sind gemacht, aber wieder einmal zeigt sich, dass der Weg noch weit ist. Wir sind bereit!

Credits


Text: Lisa Leinen und Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: via Lonely Label