woody allens sohn erhebt erneut schwere vorwürfe gegen seinen vater - und die medien

Während der berühmte Filmemacher in Cannes gefeiert wird, fordert sein Sohn Ronan, dass die Medien seinen Vater endlich für die Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs zur Rechenschaft ziehen.

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12 Mai 2016, 11:20am

Diese Woche eröffnete Woody Allens neuer Film Café Society das Filmfestival in Cannes. Die Anwesenheit des Regisseurs begleiteten Stars wie Kristen Stewart, Blake Lively und Jesse Eisenberg. Sie scharrten um ihn herum und erzählten jedem voller Stolz, wie glücklich sie seien, dass sie mit dem erfolgreichen Filmemacher zusammenarbeiten durften.

Diese Szenerie ist genau das, womit Ronan Farrow, der entfremdete Sohn Allens und dessen Ex-Frau Mia Farrow, nicht einverstanden ist. In seinem aktuellen und bereits viel diskutierten Artikel „My Father, Woody Allen, and the Danger of Questions Unasked" für The Hollywood Reporter erklärt er, warum. Der angesehene Journalist schreibt darin über den Freipass, der seinem Vater von Hollywood gegeben wurde, sowie über das Verhalten der Medien und Öffentlichkeit im Angesicht der Vorwürfe seines sexuellen Benehmens gegenüber jungen Frauen.

Dabei bezieht er sich auf die Anschuldigungen, die seine Schwester Dylan im Jahr 2014 in einem offenen Brief an die New York Times veröffentlicht hatte. Darin schreibt sie über unangebrachte Berührungen ihres Vaters, der sie sexuell belästigt haben soll, als sie sieben Jahre alt war.

Ronan beleuchtet die Konsequenzen des Briefes und hinterfragt die Aufmerksamkeit, die seiner Schwester mit ihrer Version entgegen gebracht wurde, im Vergleich zu ihrem Vater. Indem er auf die unmittelbare Reaktion der PR-Abteilung von Woody Allen hinweist, fordert er die Medien dazu auf, sich ihrer Rolle—nämlich der weitestgehend beschützenden gegenüber dem Filmemacher—bewusst zu werden.

„Als die The New York Times die Story meiner Schwester 2014 veröffentlichte, schrieb sie sich knapp 1.000 Wörter von der Seele", schreibt Donan. „Bald darauf wurde ihm in der Times zwei Mal soviel Raum gegeben—sowie auch die wichtigste Platzierung in der Printausgabe. Dieses Mal ohne Vorsichtsmaßnahmen. Das zeigte mir, wie unterschiedlich die Presse mit Aussagen von Frauen ohne berühmten Namen, aber mit bewegender Geschichte, und mit Männern mit berühmtem Namen umgeht."

Dabei war nicht nur die Aufarbeitung von Seiten des Mediums sehr unterschiedlich, sondern auch die Reaktion der Öffentlichkeit. Allens Filme dienten ihm als eine Art Schutzblase, sodass die Medien die Anschuldigungen zum Großteil überspielt haben, die sich an den Regisseur richteten. Sobald besagtes Thema zur Sprache kam, wurde der Vorfall meist mit großer Vorsicht behandelt und dabei der Fokus eher auf Dylan gerichet.

Zum Ende seines Artikels stellt Ronan Farrow eine wichtige Frage: Wenn die Medien heutzutage zunehmend eine Fläche der Sichtbarkeit für Betroffene sexueller Belästigungen bieten—wieso scheuen wir uns dann trotzdem davor, unsere „Helden" zur Rechenschaft zu ziehen? „Diese Art zu Schweigen ist nicht nur falsch, sondern vor allem auch gefährlich. Es ist eine Botschaft an jene Opfer, die besagt, dass es sich nicht lohnt, davon zu erzählen."

Während seine Schwester mit den Folgen ihrer Aussagen kämpfen müsse, so Farrow, „zahlt Amazon Millionen an Woody Allen, um einen neuen Film und eine neue Serie zu produzieren. Schauspieler, unter anderem viele, die ich sehr bewundere, spielen auch weiterhin in seinen Filmen mit." Er beschreibt, wie schmerzvoll es für Dylan war, zu sehen, dass persönliche Lieblinge wie Louis C.K. oder Schauspielerinnen in ihrem Alter, wie Miley Cyrus, mit ihrem von ihr beschuldigten Vater zusammenarbeiten, als wäre nichts vorgefallen. 

Wenige Tage, bevor der Artikel veröffentlicht wurde, lieferte Kristen Stewart ein passendes Beispiel für das Verhalten, das Dylan so verständnislos zurücklässt. In einem Gespräch mit Variety erinnerte Stewart sich an die Unterhaltung, die sie mit ihrem Schauspielkollegen Jesse Eisenberg zum Thema der Anschuldigungen hatte. „Ich fragte ihn, was er davon halte. Wir wissen nichts über die Leute, die betroffen sind. Ich könnte Situationen personalisieren, aber das wäre sehr falsch. Am Ende des Tages sprachen Jesse und ich nochmal in Ruhe darüber. Wenn wir uns darauf konzentrieren würden, was für eine Scheiße über uns gesagt worden ist und nicht wahr ist, wäre unser Leben vorbei."

Ganz im Sinne des Artikels von Ronan müssen wir uns selbst die Frage stellen: Wenn Woody Allen nicht von seiner großen Arbeit und Leistung umgeben wäre—wären wir dann genauso nachsichtig? 

Credits


Text: Wendy Syfret
Foto: Twitter