wie du als modedesigner in deutschland gefördert wirst

So weit wie London oder New York sind wir zwar noch nicht, aber auch hierzulande stehst du als Designer mit viel Talent und wenig Geld nicht unbedingt alleine da.

von Lisa Riehl
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11 Dezember 2015, 10:25am

Foto: Alina Negoita

Die Förderung von Modetalenten wird hierzulande gerne mal mit denen im Fußball verglichen. Denn wenn wir aktuell schon mal Weltmeister sind, lassen sich natürlich große Töne spucken. „Nur wer den Nachwuchs gezielt fördert, kann auch Weltmeister werden", heißt es da zum Beispiel. Aber gilt das auch für Mode? In der Mode geht man mit großen Förderungen noch etwas verhalten um. Großes erreicht man nur, wenn man genug investiert. Die Mode muss sich selbst für das Neue in der Mode stark machen. Wie das aktuell aussieht? Ein Status Quo zur Nachwuchsförderung in Deutschland, Stand Dezember 2015.

Die Awards
…sind einer der wichtigsten Bausteine der modernen Modetalentförderung. Marketingtechnisch sind sie wirklich ein Geniestreich, die jede Menge Presse und Aufmerksamkeit garantieren - für den Preisvergebenden langfristig und für den Gewinner mindestens bis der nächste in die Kamera lächelt. Meistens bekommst du Geld und, wenn du Glück hast, auch ein Mentoren-Programm, das deinen Business-Verstand schärft (ausreichend Kreativität solltest du zu diesem Zeitpunkt schließlich schon bewiesen haben). Genau das leistet zum Beispiel seit 2009 der Designer for Tomorrow-Award von Peek & Cloppenburg Düsseldorf. An Aufmerksamkeit fehlt es den teilnehmenden Designern - sowie P&C, logisch - schonmal allein wegen der Schirmherren nicht, die modisches Namedropping vom Feinsten sind. Marc Jacobs, Stella McCartney, Tommy Hilfiger, Zac Posen. Die kennt man alle. Als Preis winkt dann zwar kein Geld, dafür aber die Produktion einer neuen Kollektion, ein eigenes Atelier, eine Modenschau in Berlin, Fachleute als persönliche Berater und was man sonst noch so möchte.

Ähnlich aufgestellt ist der European Fashion Award FASH, der von der gemeinnützigen Stiftung der deutschen Bekleidungsindustrie an Modestudenten und Modeabsolventen vergeben wird. Mit einem Gesamtwert von 80.000 Euro werden die Gewinner mit Medienarbeit oder Katalogen sowie Geldpreisen von 1.000 bis 2.500 Euro beschenkt.

Das sind die beiden bekanntesten Awards Deutschlands. Zusätzlich gibt es unzählige Unternehmen, die mal eben 1.000 Euro für einen ausgewählten Absolventen in einer hübsch hergemachten Fashionshow vergeben und sich davon viel Presse (vor allem für sich selbst) versprechen. Audi hat das zum Beispiel in Hamburg gemacht und Mercedes aktuell in Köln. Klar, das ist für jeden Designer besser als nichts, Relevanz haben diese Awards aber nun wirklich nicht. Was Deutschland vielmehr fehlt sind ganz große Preise, wie sie H&M oder LVMH jedes Jahr initiieren. Denn mit 50.000 bis 200.000 Euro lassen sich schon deutlich mehr Rechnungen bezahlen.

Die Stores
Während Peek & Cloppenburg mit einem eigenen Nachwuchsaward im Talente-Pool mitmischt, fördern andere Geschäfte deutsche Jungdesigner, indem sie deren Kollektionen einfach verkaufen. Klingt so simpel, ist in der Umsetzung hierzulande aber leider noch nicht wirklich gängig. Denn die wenigsten Stores wollen bisher auf eine Kleiderstange voll mit Gucci, Céline und Saint Laurent zugunsten von, sagen wir mal, Tim Labenda oder Malaikaraiss verzichten. Durch die reine Storepräsenz macht man deren Kollektionen für eine breitere, wesentlich weniger elitäre Masse zugänglich. Brands4friends etwa hat vor drei Jahren die Initiative We support young designers lanciert. Der Onlineshop begleitet junge Designer über einen Zeitraum von einem Jahr und produziert eine kleine Kollektion, die dann bei Brands4friends verkauft und visualisiert wird. 2013 kooperierte man dafür mit Malaikaraiss, 2015 mit Tim Labenda. Ein kurzzeitiges Experiment in Sachen deutscher Mode - genannt Pop-up-Shop - hat das KaDeWe zur Fashion Week Berlin im Juli gewagt: Hier gab es die Designer des Berliner Mode Salons gesammelt auf einer Fläche zu kaufen. Das ist ein Anfang. Der nächste Schritt sollte dann am besten ein permanenter „German Corner" sein. Denn wie die Chefredakteurin der deutschen Vogue Christiane Arp richtig erkannt hat: „Ich kann eine Kollektion, die ich bemerkenswert finde, zwar im Magazin featuren, aber wenn meine Leserin sie dann nicht im Handel findet, dann sind wir nur den halben Weg gegangen."

Die Branche
Wer heute noch mittelloser Jungdesigner (mit Talent) ist, ist vielleicht morgen schon eine Marke, die verdammt viel Geld mit Handtaschen, Parfüms und Co. verdient. Den Designer im Stadium der Mittellosigkeit zu fördern, wird sich möglicherweise irgendwann rechnen. Es gibt schon einige Agenturen und Messen, die ihre Dienstleistungen oder ihr Fachwissen kostenlos zur Verfügung stellen. Die Berliner PR-Agentur Silk Relations kommuniziert auf der eigenen Website ihren Silk Talent Support. Dabei wurden Nachwuchsdesigner wie Bobby Kolade unter anderem mit Support in der Kommunikation, Eventbetreuung und Medienkontakten versorgt - weil man an ihn glaubt, nicht weil er schon dafür bezahlen kann. Die Modemesse Premium vergibt den Premium Young Designers Award an Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Womenswear, Menswear, Accessoires und - das ist neu, aber klug - Activewear. Zur Belohnung gibt es einen kostenfreien Messestand, wo man die eigene Kollektion gleich an den Mann bringen kann. Im Anschluss werden die Gewinnerkollektionen im Schaufenster der Galeries Lafayette in Berlin gezeigt, jedoch nicht verkauft.

Die Schulen
Modeschulen und Universitäten haben unzählige Awards ins Leben gerufen, um ihre besten Studenten zu ehren. Oftmals mit der finanziellen Unterstützung von Sponsoren. So kürt die AMD Akademie Mode & Design jedes Jahr ihren Best Graduate in einer Show, in der alle vier Standorte der Modeschule gegeneinander antreten. Berlin vs. München vs. Düsseldorf vs. Hamburg. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und in diesem Fall auch die Designideen, von denen die beste 5.000 Euro bekommt. Die Studenten der Esmod unterdessen lieferten sich ein modisches Gefecht um die schönsten Entwürfe für die Kundinnen vom Versandhändler HSE24 (das ausgewählte Design verstehen wir zwar nicht ganz, müssen wir aber wahrscheinlich auch nicht). Ob der Nachwuchsdesigner am Umsatz beteiligt wird, ist nicht bekannt.

Die Politik
Auch die Politik mischt in der Gestalt der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung aktuell schon ordentlich bei der Nachwuchsförderung mit. Mindestens acht Slots für Modenschauen im Rahmen der Fashion Week Berlin werden pro Jahr vergeben, während der größte Sponsor der Modewoche, Mercedes Benz, lieber internationale Gastdesigner auf den Laufsteg ins Zelt einlädt. International präsentiert der Senat selbst mit dem Berlin Showroom in Paris und New York, wo ausgewählte Berliner Designer ihre neuen Kollektionen gemeinsam präsentieren. Bis 2014 gab es außerdem den Modepreis Start Your Fashion Business mit einem ansehnlichen Hauptgewinn von 22.000 Euro. Seit diesem Jahr „pausiert" der Preis, da dieser Bereich ab dem kommenden Jahr verstärkt vom neu gegründeten Fashion Council Germany bedient werden soll. Schecks stellt das Land Berlin also aktuell nicht mehr aus, dafür sind aber unterschiedliche Programme über die Investmentbank Berlin für den Hauptstadt-Modenachwuchs geöffnet. Wenn man sich dann schon für das eigene Label verschuldet, macht man das damit wenigstens zu guten Konditionen. Spannend wird, wie und wen der Fashion Council Germany im nächsten Jahr fördern wird. Wir sind gespannt und halten euch auf dem Laufenden. 

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Text: Lisa Riehl 
Foto: Alina Negoita

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