dieser neue kurzfilm zeigt, wie schön natürliches afro-haar ist

Wer es immer noch nicht verstanden hat, dem zeigt Hairstylistin Cyndia Harvey mit ihrem neuen und sehr persönlichen Projekt, wie schön krauses Haar ist.

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Nov. 18 2016, 8:50am

Die in Jamaika geborene, mittlerweile in London lebende Hairstylistin Cyndia Harvey macht sich gerade in der Modeindustrie einen Namen. Sie war Assistentin von Sam McKnight, wurde dann von einer der größten Kreativagenturen der Welt, Streeters, unter Vertrag genommen und hat schon mit bekannten Fotografen wie Tim Walker und Alasdair McLellan zusammengearbeitet. Ihre Kreationen waren schon in der britischen Vogue und natürlich in i-D zu sehen. Zu ihren letzten Aufträgen gehören die Looks für die neueste Calvin-Klein-Kampagne, die von Tyrone Lebon in Szene gesetzt wurde.

Ihr neustes Projekt ist der sehr persönliche Kurzfilm This Hair of Mine, in dem sie die Geschichte der afrikanischen Diaspora zelebriert und die Geschichten von mehreren Frauen anhand ihrer Frisuren erzählt. Die Interviewten in Cyndias panafrikanischem Film sprechen über ihre Familientraditionen, Lieblingssprichtwörter und von ihren Erfahrungen als Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft. Visuell umgesetzt wird das durch einen geteilten Bildschirm. Nahaufnahmen zeigen die Details von Cyndias Kreationen. Unter der Regie von Akinola Davies entstanden und gestylt von PC Williams, hat der Film, der in in Partnerschaft mit Nataal entstanden ist, auf der Pariser Kunstmesse AKAA am Wochenende Premiere gefeiert. Da uns dieses Thema sehr wichtig ist, wollten wir mehr über das Projekt wissen und haben Cyndia ein paar Fragen gestellt.

This Hair of Mine ist wunderschön. Was hat dich dazu inspiriert, dieses Projekt umzusetzen?
Ich wollte damit schwarze Frauen feiern, ihre Haare, ihre Schönheit und ihre Vielfältigkeit. Einfach dadurch, dass ich jeden Tag zur Arbeit gegangen bin, und der Fakt, dass ich nicht so viel mit Afro-Haar arbeite, wie ich das gerne tun würde. Schau dir doch an, was in Südafrika passiert. Dort wird jungen Mädchen erzählt, dass das Haar, das auf ihrem Kopf wächst, gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Das ist doch schrecklich. Und das passiert nicht nur in Südafrika, das passiert auf der ganzen Welt. Das ist ein Problem, das wir im Jahr 2016 nicht mehr haben sollten.

Was hat es mit den verschiedenen Hairstyles im Film auf sich?
Ich wollte, dass der Film sehr persönlich und intim wird. Die Haare sind der rote Faden, um die Geschichten der Mädchen zu erzählen. Ich habe mit ihnen zusammen daran gearbeitet, so viel wie möglich über ihre Vorfahren in Erfahrung zu bringen. Aus diesen Informationen habe ich traditionelle Frisuren aus dem jeweiligen Stammen kreiert, manche reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück und diese Frisuren habe ich bei jedem Mädchen neu interpretiert.

Was war das Schönste daran, in Jamaika aufzuwachsen? Und wie beeinflusst es dich heute?
Das Schönste daran war das Meer, die Sonne und vor allem: die Natur! Und der Gemeinschaftssinn: Jede Frau war deine Mutter, deine Tante oder deine Cousine. Jeder passt auf jeden auf und kümmert sich um den anderen. Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen. Auf den ganzen Luxus zu verzichten, hat mich erfinderisch werden lassen. Ich wollte das immer ausgleichen.

Die Debatte darum, wie schwarze Frauen ihre Haare tragen, war schon immer politisch aufgeladen. Gerade im Internet wird sie mehr und mehr geführt. Was erhoffst du dir durch den Film?
In dem gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Klima ist es sehr wichtig, dass man alles in seiner Macht stehende macht, egal wie groß oder klein es auch erscheinen mag. Wir müssen jede Stimme und jede Plattform nutzen, die wir haben, um die Sichtbarkeit von jeder marginalisierten Gruppe zu verbessern. Man kommuniziert mit Haaren. Ich möchte, dass sich Leute diesen Film anschauen und danach darüber nachdenken, was Schönheit bedeutet, was es als schön gilt und akzeptieren, dass schön vieles bedeuten kann. Und die Frauen in dem Film sind eben ein Aspekt in dem Spektrum.

Credits


Text: Stephen Isaac-Wilson
Film Regie und Schnitt: Akinola Davies Jr
Kamera: Jack Wells
Produktionsassistenz: Nellie Owusu
Colorist: Jason Wallis / ETC 
Musik: „Wound", Courtesy of Arca
Sound: Callum Harrison und Joseph Bond