Diese Fotografin porträtiert die schöne Verwandlung vom Mädchen zur Frau

Mit ihrem Buch "Touchy" ergründet Evangeline Davis die liebenswerte Unbeholfenheit der Mädchenjahre.

|
19 Oktober 2016, 10:25am

Die Fotos von Evangeline Davis erinnern an einen langen, halbvergessenen Sommertag mit unseren Freunden – Tage, an denen wir schon zu alt zum Spielen, aber noch zu jung für so ziemlich alles andere waren, weshalb wir uns die Kamera unserer Mutter geliehen und Stunden damit verbracht haben, irgendwelche planlosen Szenen zu inszenieren. Es ist allerdings nicht weiter verwunderlich, dass die in Wellington geborene Fotografin noch einen derart klaren Blick auf die fragilen Mädchenjahre hat – sie hat selbst erst vor Kurzem ihr Studium abgeschlossen und ist noch vergleichsweise nah dran an der Zeit, die uns an spröde Lippen, zerkratzte Knie und rote Gesichter erinnert.


Auch auf i-D: Wir haben die Skatergirls aus Brighton getroffen


Ihr Abschlussprojekt Touchy hat sie quer durch Neuseeland geführt, auf der Suche nach jungen Frauen für ihre Fotoreihe. Eines Tages wurde ihr dann klar, dass sie eine vollkommen ungenutzte Fangemeinde, einen Posteingang voller Anfragen und zahlreiche neue Freunde gewonnen hatte. Sie mochten ihre Arbeit, aber auch ihre offene und empathische Art. Davis hat alle Mädchen auf Film aufgenommen, wobei sie auch festgestellt hat, dass "sie sich ohne die Sofortansicht sehr viel wohler fühlen."

Du fotografierst in erster Linie junge Frauen. Was versuchst du mit deinen Bildern darzustellen?
Die Fotos, die ich vor Kurzem gemacht habe, haben mich dazu gebracht, viele Dinge zu hinterfragen, die ich selbst einfach akzeptiert habe, als ich aufgewachsen bin – wie wir unsere Schönheitsideale aus der Modewelt und den Medien ziehen, zum Beispiel, die sich allerdings nicht im wahren Leben widerspiegeln. Ich wollte erst Modefotografin werden, aber ein genauerer Blick auf die Industrie hat mir gezeigt, dass die Darstellung von jungen Frauen in der Modewelt nur sehr beschränkt ist. Mittlerweile ist es zwar nicht mehr ganz so beschränkt, aber vor ein paar Jahren waren alle weiß und dünn wie ein Stock … Ich konnte mich selbst nicht in diesen Frauen wiedererkennen. Ich denke, deswegen habe ich mich dafür entschieden, Frauen auf eine andere Art und Weise zu fotografieren.

Erz ähl uns von Touchy, deinem Fotobuch und Abschlussprojekt.
Ich habe mich für den Titel Touchy entschieden, weil ich implizieren wollte, dass es sich um ein – auf deutsch – heikles Thema handelt. Außerdem haben meine Fotos sehr viel Textur. Ich habe insgesamt 60 Mädchen fotografiert. Es war ziemlich schwierig zu entscheiden, welche Fotos am Ende ins Buch kommen sollten. Ich bin oft auf die Nordinsel gereist, um dort zu shooten, aber ich habe auch einen Haufen Fotos in Wellington gemacht. Ich habe so viel von den Mädchen gelernt, die ich fotografiert habe. Immer, wenn ich hinter der Kamera stand, bekam ich ein Gefühl von: "Wow! Wenn ich mit 17 so gewesen wäre, hätte ich sehr viel weniger Sorgen im Leben gehabt!"

Wenn man sich die Arbeit von Fotografinnen wie Petra Collins und Cass Bird ansieht, dann scheint es momentan ein gro ßes Interesse f ür Fotostrecken zu geben, die den Übergang vom M ädchen zur Frau darstellen. Warum finden wir dieses Thema so spannend?
Weil es eine Zeit im Leben ist, die wir alle nachempfinden können: Mädchen haben mit ganz ähnlichen Unsicherheiten zu kämpfen. Allerdings spricht darüber niemand so wirklich. All diese Dinge kommen erst dann zur Sprache, wenn wir älter sind und auch dann nur rückblickend. Ich denke aber, dass die unausgespochenen Dinge – wie sich das erste Mal die Beine zu rasieren oder das erste Mal mit jemandem Händchen zu halten – immer von einer gewissen Neugier umgeben sind. Derartige Momente sind immer wiederkehrende Erfahrungen, die jeder von uns nachempfinden kann.

Was macht die M ädchen in Neuseeland so einzigartig?
Ich bin nicht viel herumgereist, deswegen weiß ich nicht, wie Mädchen in anderen Teilen der Welt so sind, aber ich denke, da unsere Bevölkerung so klein ist, sind die Mädchen hier sehr bodenständig, womit auch eine gewisse Offenheit verbunden ist. Die Leute sind gastfreundlicher und aufgeschlossener, was meiner Arbeit sehr entgegenkam. Ich habe Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 30 fotografiert. Dabei haben mich vor allem die jüngeren Mädchen beeindruckt, weil sie sich so wohl in ihrer Haut gefühlt und bereits so erwachsen vor der Kamera gewirkt haben.

Du sprichst davon, dass du versuchst, mit Einf ühlungsverm ögen auf deine Motive zuzugehen. Wie hast du es geschafft, eine Beziehung zu den M ädchen, die du fotografiert hast, aufzubauen?
Ich denke, das hatte auch viel damit zu tun, dass ich auf Film fotografiert habe. Ein Film hat nur dreißig Bilder, deswegen habe ich auch viel Zeit mit Reden verbracht. Ich habe immer versucht, ausreichend Zeit mit jedem einzelnen Mädchen zu verbringen und weil wir uns die Fotos nicht sofort ansehen konnten, ging es plötzlich nicht mehr so sehr um das Foto, sondern vielmehr darum, das Foto zu machen.

@madam_evangeline