Die Illustrationen von Sophia Halamoda zeigen dir das "wahre" Berlin

Die Illustratorin Sophia Halamoda hat ihren Berghain-Guide um ein paar Zeichnungen erweitert, die wir dir heute auf i-D präsentieren. Zusätzlich hat uns die sympathische Künstlerin ein paar Fragen beantwortet.

von Alexandra Bondi de Antoni
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07 März 2016, 12:40pm

Mal wieder nicht ins Berghain gekommen? Schon wieder ein WG-Vorstellungsgespräch mit einem super coolen Typen aus Schweden gehabt, der im Start-Up arbeitet und gerne zu viel trinkt? Dir kommt das bekannt vor? Dann lebst du wahrscheinlich in Berlin. Genau so wie die Illustratorin Sophia Halamoda, die die ganzen Hauptstadtklischees in witzige Illustrationen verarbeitet.


Auch auf i-D: Wir sind in die Clubszene Berlins eingetaucht


Der Berghain-Guide von Sophie war in den letzten Wochen auf so ziemlich jeder deutschen Webseite, die über Jugendkultur berichtet, zu finden. Auch wir haben euch die Zeichnungen gezeigt, die uns am besten gefallen und die Situationen zeigen, die wir alle nur zu gut kennen. Heute teilt die Illustratorin zwei weitere Bilder mit uns. Wir haben das zum Anlass genommen und ihr ein paar Fragen gestellt.

Wie lange zeichnest du schon und wie bist du dazu gekommen?
Ich zeichne, seit ich einen Stift halten kann. Klingt plump, aber ist so. Ich habe als Kind sehr stark gestottert und habe daher oft lieber durch Bildsprache kommuniziert. Ich denke, daher kommt auch meine Fokussierung auf das Zeichnen von Szenerien. Später, nach dem Studium, habe ich mich nach einigen Irrwegen in die Werbung als Illustratorin selbstständig gemacht.

Was ist so besonders an Berlin?
Berlin hat für mich einen Sonderstatus. Hier gelten andere Spielregeln als im Rest des Landes und das lockt auch andere Menschen in die Stadt. Ich kann mich eine Runde in die Ringbahn setzten und sehe so viele skurrile Leute und Situationen, dass ich, wenn ich aussteige, erst mal zwei Stunden mit Zeichnen beschäftigt bin. Berlin ist für mich ein buntes—manchmal auch hässliches—Chaos, aus dem ich immer wieder Inspiration schöpfe.

Bist du jemals schon nicht ins Berghain gekommen?
Ich bin schon öfters nicht ins Berghain gekommen, gehört dazu.

In den letzten Woche kursierten deine Berghain-Illustrationen im Internet. Warum hast du dich dazu entschlossen, die Illustrationen anzufertigen?
Sie entstanden an einem verregneten Sonntag, an dem wir selbst ins Berghain wollten und es aber dann gelassen haben. Der Guide ist Satire. Ich finde es absurd und amüsant zu gleich, mit welcher Ernsthaftigkeit auf manchen Blogs und sogar in Apps darüber informiert wird, was man tun muss, um reinzukommen.

Wie reagieren die Menschen auf deine Arbeiten? Haben sich Leute schon beschwert?
Es ist immer wieder verblüffend, wie sehr wir uns ähneln. Ich liebe es, wenn ich etwas Erlebtes von mir oder meinem Umfeld zeichne und plötzlich total viele Rückmeldungen bekomme von Leuten, die ich gar nicht kenne, denen es aber genauso geht! So war das auch beim Berghain-Guide. Bis jetzt hat sich noch keiner direkt bei mir beschwert, aber viele über das Berghain oder den Hype darum. Ich hoffe, Sven lässt mich noch rein.

Und wie kamst du auf die Ideen mit dem Flatmate Guide? Welcher Typ bist du?
Der Flatmate Guide beruht—wie alle meine Comics—auf eigenen Erlebnissen und Beobachtungen. Ich war jahrelang selbst ein Berliner WG-Nomade und habe so einige Charaktere kennengelernt und viele Castings mitgemacht. Fairerweise habe ich mich selbst auch gemalt, ich bin „the Artist".

Du bildest sehr alltägliche Situationen ab? Warum das? Warum sind sie es wert, gezeigt zu werden?
Diese kleinen Alltagsmomente sind manchmal so großartig genial. Ich glaube, den Leuten ist oft gar nicht bewusst, wie weise sie im Wartezimmer, auf der Straße oder der U-Bahn über das Leben philosophieren. Betrunkene sind auch ein tolles Beispiel. Wir alle kennen das! Man wird morgens wach und denkt sich: „Was hatte ich gestern für geniale Konversationen! Über was haben wir eigentlich geredet?" Ich hatte es satt diese Momente zu verlieren, so habe ich angefangen, mir alles aufzuschreiben und letztendlich zu zeichnen. Es ist ein Versuch, mir diese kleine goldenen Sekunden fest zu halten. Andere sammeln Tassen, ich sammle Momente. Außerdem beobachte ich gerne Leute!

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich habe vor, einige weitere Guides und Comics dieser Art in diesem Jahr zu veröffentlichen. Mein ultimativer Taum ist mein eigenes kleines Book Publishing Label zu gründen. Allerdings will ich mich nur aufs Malen und Kreieren konzentrieren. Ich suche also einen Partner/Team dafür. Erst mal werde ich aber einen weiteren Guide erstellen, über die einzige Institution in Berlin, in die es härter ist reinzukommen als ins Berghain: das Bürgeramt!

Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Mit Zeitungen und Magazinen. Ich würde sehr gerne Kolumnen illustrieren. Comic-Journalismus ist eine Sache, die mich sehr interessiert, demnach reizt mich die Zusammenarbeit mit Journalisten und Schriftstellern. Außerdem mit Flüchtlingen und Menschen, die Sprachbarrieren haben, hier könnte ich meine Bildsprache praktizieren und mit meiner Arbeit anderen helfen.

@sophiahalamoda

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