die umstandsmode von plastic loaves ist lustig, sexy, clever und nicht für kinder geeignet

Wieso tragen wir überhaupt Kleidung? Mit seiner ersten Kollektion hinterfragt das australische Label die Dualität von Geist und Körper.

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Okt. 21 2015, 9:40am

Plastic Loaves ist kein gewöhnliches Label. Ursprünglich wurde es von der 23-jährigen Zarnie Morcombe und ihrer Großmutter Heather Morrison gegründet, damit sie mehr Zeit miteinander verbringen können. Das erste Kleidungsstück sollte ein Oberteil für Schwangere mit den eingestickten Worten „Mum's titz" und vulgären Bildern von Brüsten und Schwänzen werden. Das ist nichts, was man unbedingt von einem generationsübergreifenden Familienprojekt erwartet! Es ist lustig, praktisch und schräg zugleich, regt aber auch einen Diskus darüber an, wie wir Kleidung tragen und wie wir unsere Körper wahrnehmen. 

Neben dem Shirt entwarfen sie ein Lätzchen und ein Bandana. Alle Kleidungsstücke stehen für einen Diskurs über den weiblichen Körper und wie wir durch Mode verschiedene Seiten unserer Persönlichkeit ausdrücken.

Die Pieces von Plastic Loaves sind manchmal sexuell, aber niemals sexualisierend. Sie sind ungewöhnlich, dabei jedoch immer praktisch und die Trägerin wird gezwungen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie mit Kleidungsstücken ihre Geschichte erzählt. Im Fokus steht dabei besonders die Frage wieso Schwangerschaft und Sex in unseren Köpfen so getrennt voneinander sind. Die Kollektion beweist einmal mehr, dass man gleichzeitig nachdenklich und cool aussehen kann. Wir haben der jungen Designerin ein paar Fragen gestellt.

Du bist ziemlich jung und du hast keine Kinder, wieso hast du dich dann entschieden, ein Shirt für Schwangere zu machen?
Es ist kein reines Schwangerschafts-Shirt. Nicht nur Schwangere können es tragen. Es kommt darauf an, wer es trägt und wie man es interpretiert. Am Anfang fragten uns die Leute, was wir machen, und meine Großmutter meinte dann nur ‚Wir arbeiten an diesem ausgefallenen Shirt'. So sieht sie das, aber viele sehen es anders.

Wie hast du dich gefühlt, als du mit dem Shirt fertig warst und begriffen hast, dass dieses einfache Kleidungsstück die große Diskrepanz zwischen Körper und Sexualität sichtbar gemacht hat?
Ich begriff, dass es mir viel bedeutet, weil ich nervös wurde, als ich es anderen zeigte.

Wenn man sich die anderen Pieces anschaut, dann merkt man, dass du mit der Form experimentierst. 
Wir arbeiten außerdem an Bandanas, die auf der Rückseite einen kleinen Schlitz haben, in den man ein Plexiglas mit einem Bild von seinem Kind oder von seinem Haustier stecken kann. Es geht ums Teilen und darum Außenstehende einzuladen, Fragen über das Leben der Trägerin zu stellen.

Unsere Kleidungsstücke sind nicht ganz fertig, der Träger kann sie fertigstellen und das Piece zu seinem ganz eigenen machen. Wir haben uns für diesen Weg entschieden, anstatt Teile zu produzieren, die dann jeder trägt, und am Ende sehen alle gleich aus.

Besonders interessant finde ich, dass ihr euch von den typischen Einteilungen in Mode, Körper und Persönlichkeit verweigert. Ihr hinterfragt, wie man mit Gegenständen interagiert.
Wir haben bei den Schwangerschafts-Shirts eine Schnullerkette eingearbeitet, an die man hängen kann, was immer man möchte.

Man kann also einen Anhänger oder einen Schnuller dranhängen, um es zu personalisieren.
Genau.

Wie lief der Rechercheprozess im Vorfeld ab?
Ich habe über alles intensiv nachgedacht. Ich glaube, dass das mit meinem Verhältnis zu meiner Mutter zu tun hat.

Du hast sechs Geschwister. Deine Mutter schwanger zu sehen, muss sich auf deinen Zugang ausgewirkt haben.
Ich war immer von Babys umgeben und ich weiß, was es heißt, ein Kind zu haben und ihm die Brust zu geben, auch wenn ich selbst nie diese Person war. Ich war im Wickelraum von Shoppingcentern. Es stört mich, wie versteckt diese Räume sind. Man muss ständig nach ihnen suchen. Wenn man sie dann findet, dann sind sie ganz schrecklich.

So viel vom Schwangersein wird versteckt. Dass man sich fürs Stillen zurückziehen muss, ist eine Beleidigung.
Dabei ist Stillen so schön.

Warst du dir darüber bewusst, dass du die Grenze zwischen dem praktischen und sexuellen Teil unseres Körpers mit deinen Entwürfen überschreitest?
Ich bin jung und date. Ich habe Freunde aus der Schule, die bereits Kinder haben. Es ist eine komische Übergangszeit. Außerdem denke ich mir, wenn man Kinder hat, dann hat man sich auch irgendwann ausgetobt. Kleidung wird mit Löchern für alles entworfen - für unsere Arme, Beine und Köpfe. Für Brüste braucht man ebenfalls Löcher. Ich denke darüber nach, wie wir unsere Kleidung tragen. Es geht darum, eine Geschichte zu teilen und den Körper zu unterstützen. Außerdem ärgere ich mich selbst über all diese Dinge.

@plastic_loaves

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Credits


Text: Wendy Syfret
Fotos: Hyun Lee
Model: Yifan Zhang