Chani, Jamila and Celiya of

"Typical Girls" stellt euch radikale, kreative Frauen vor

Die Zeiten sind hart, aber zusammen sind wir stärker. Die neuen Ausgabe von "Typical Girl" porträtiert die Anführerinnen kreativer Communities aus unterschiedlichen Generationen.

von Charlotte Gush
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12 Juni 2017, 9:55am

Chani, Jamila and Celiya of

Das Dreamteam Jamila Prowse, Chani Wisdom und Celiya Koster aus Brighton, die ihr Magazin selbst verlegen, sind mit einer überragenden dritten Ausgabe des Typical Girls Zines zurück. Wie Jamila i-D bereits im vergangenen Jahr erzählt hat, wurde das Zine 2015 mit dem Ziel gelauncht, "positive Darstellungen von Frauen in die Medien zu bringen", und in der spannenden zweiten Ausgabe konnten die Leser in Interviews mit der The Slits-Gitarristin, Liv Little von gal-dem und der Aktivistin Glacier Girl mehr über diese beeindruckenden Frauen erfahren.


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Die brandneue Generations-Issue stellt euch noch mehr inspirierende, kreative Frauen vor, von der Gründerin des Art Hoe Collectives Gabrielle Richardson, der Redakteurin, Kreativberaterin und ehemaligem i-D-Teammitglied Lynette Nylander sowie der radikalen Verlags-Legende Sue O'Sullivan von Spare Rib über die Gründerin der Kreativgemeinschaft Women Who, Otegah Uwagba, bis hin zu Kate Tempest, die dieses Jahr Gastregisseurin des Brighton Festivals gewesen ist. i-D hat sich mit der Typical Girls-Redakteurin Jamila Prowse unterhalten, um mehr über das Thema der aktuellen Ausgabe zu erfahren.

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Gabrielle Richardson auf dem Cover von TG. Foto: Amarachi Nwosu. Styling: Christopher Pearson.

Wie seid ihr auf das Thema Generations gekommen, und was genau hat euch daran interessiert?
Das Konzept des generationsübergreifenden Austauschs hat mich schon immer fasziniert. Ich bin in einem sehr kreativen Zuhause aufgewachsen (meine Mutter ist Künstlerin) und wurde bei jeder Gelegenheit auf Ausstellungen mitgeschleppt. Es hat mich definitiv geprägt, ständig von visueller Kultur umgeben gewesen zu sein. Als ich jünger war, hab ich meine kreative Ader oftmals unterdrückt, aber als ich an die Uni gegangen bin, hab ich mich dann doch für Kunstgeschichte entschieden. Und obwohl ich in meinem Job eine andere Position habe – denn hier stehe ich auf der Seite des Redakteurs statt auf der kreativen Seite – glaube ich, dass es unmöglich ist, sich den Einflüssen anderer Generationen zu entziehen, mit denen wir in Kontakt sind.

Die Gesellschaft verändert sich heute unglaublich schnell und ich glaube, dass damit ein echtes Gefühl der Generations-Identität einhergeht. Dass es so eine tolle Gemeinschaft von Aktivisten, Künstlern und Autoren gibt, die Online-Plattformen nutzen, um einen Wandel zu fördern, ist ein relativ junges Phänomen, aber eins, dass zwangsläufig die Zugänglichkeit verbessert und immer mehr junge Menschen anspricht und miteinbezieht. Dennoch kann die Online-Welt manchmal etwas überwältigend sein, und inmitten der Verwirrung des aktuellen politischen Klimas kann man davon auch sehr schnell enttäuscht werden.

Es macht mir Hoffnung, wenn ich sehe, wie unterschiedliche Generationen mit dem gesellschaftlichen Wandel umgehen. Wir haben uns auf die Themen konzentriert, die generationenübergreifend sind und die Generation unserer Eltern ebenso wie die unsere betreffen — so haben wir dann die Dinge gefunden, die sich einfach zu lange nicht verändern. Um wirklich etwas zu bewirken, müssen wir die Gemeinsamkeiten der Generationen finden, nicht die Unterschiede. Wenn wir die Taktik der digitalen Generation und den Aktivismus unserer Vorgänger miteinander vereinen, können wir in eine hoffnungsvollere Zukunft blicken.

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Lily Colfox

Was erwartet uns in der dritten Ausgabe?
Im Fokus dieser Ausgabe steht die immer stärker werdende Präsenz kreativer Kollektive. Unser Covergirl ist Gabrielle Richardson, eine der Kuratorinnen des Art Hoe Collectives, einer Online-Plattform, die gegründet wurde, um Arbeiten von People of Colour sichtbar zu machen. Auch Otegha Uwagba, Gründerin von Women Who, einem Netzwerk, das für kreative Frauen gelauncht wurde, ist in der dritten Ausgabe mit dabei. Gabrielle und Otegha sind wundervolle Beispiele für Frauen, die ihre Fähigkeiten und Ressourcen nutzen, um andere kreative Leute in ihrer Umgebung zu unterstützen.

Außerdem blicken wir auch auf die Geschichte des radikalen Verlagswesens zurück, und zwar mit Artikeln von Gunilla Karlson und Sue O'Sullivan, die beide Mitglieder der DIY-Generation gewesen sind. Es hat echt Spaß gemacht, zu den Wurzeln unserer Art des Verlegens zurückzugehen, und zwar mit Frauen, die dafür und auch für Typical Girls die Voraussetzungen geschaffen haben. Neben den Artikeln der beiden hat Lynette Nylander, Redakteurin, Kreativberaterin und ehemalige stellvertretende Chefredakteurin von i-D, für uns an ihre Zeit beim Magazin zurückgedacht. Es ist großartig, nachvollziehen zu können, wie die Welt des Verlagswesens sich entwickelt hat, und zu sehen, dass im Grunde immer noch die gleichen Werte im Mittelpunkt stehen, wie früher. Wie wir uns selbst und die Kultur um uns herum darstellen, verbindet alle unabhängigen Magazine miteinander, von Spare Rib über i-D bis hin zu TG.

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Hollie Cook. Foto: Chani Wisdom.

Ein echter Höhepunkt ist für mich unser Interview mit Hollie Cook. In der zweiten Ausgabe hatten wir Viv Albertine von den The Slits interviewt. Der Name unseres Zines stammt aus einem Song der Slits, und für mich verkörpern sie diese "No Bullshit"-Einstellung, die auch TG definiert. Hollie ist das erste Mal mit der zweiten Generation der Slits auf Tour gegangen. Mit 19 hat die Band sie unter ihre Fittiche genommen. Sie nennt Ari Up als einen der wichtigsten Einflüsse auf ihre eigene Herangehensweise, es war also echt schön, zu erfahren, wie die Erfahrungen mit den Slits ihre spätere Karriere geprägt haben.

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Lynette Nylander. Foto: Chani Wisdom.

Wenn du den Inhalt der neuen Ausgabe in einigen deiner Lieblings-Zitaten daraus zusammenfassen müsstest, welche wären das?
"Ich habe das Gefühl, dass es meine Pflicht ist, Artikel zu schreiben, die ein Licht auf die Leute, Gemeinschaften, Ethnien und Glaubensrichtungen werfen, über die nicht genug berichtet wird und deren Stimmen nicht gehört werden. Und wenn das mein einziger Beitrag bleiben würde, würde mir das vollkommen ausreichen." – Lynette Nylander, Autorin, Redakteurin und Kreativberaterin

"Als schwarze Person in den USA muss man sich seinen eigenen Platz finden und zusehen, dass man überlebt." – Gabrielle Richardson, curator of Art Hoe Collective

"Wenn wir uns machtlos fühlen, ist Kunst der einzige Weg, die Dinge voranzutreiben. Wenn wir unsere Hoffnung in die Kunst legen, können gewisse Wünsche wahr werden." – Nina Miranda, Musikerin

"Man könnte sagen, dass jede Entscheidung, die ich als schwarze Person treffe, als Statement gesehen wird, und wenn ich in meinen Arbeiten soziale Themen nicht ansprechen würde, würde ich schlichtweg die aktuellen Ereignisse ignorieren." – Joy Miessi, Illustratorin

"Das Skizzenbuch hat etwas magisches an sich. Wenn man es schließt, versiegelt es die Zeichnung, wie ein Geheimnis, es ist also in Ordnung, wenn sie noch nicht perfekt ist." – J oey Yu, Illustratorin

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Joy Miessi

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Melissa Pinkstone

Hier kannst du die dritte Ausgabe von Typical Girls online bestellen. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Credits


Fotos mit freundlicher Genehmigung von Typical Girls