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introducing better person: das interview

In unserer neuen Serie stellen wir dir in Berlin lebende Musiker vor. Zur Premiere haben wir mit Better Person auf einem Dach in Neukölln abgehangen, sind mit ihm ins Studio und haben uns von ihm erklären lassen, welche Musik wir bei seinem Begräbnis...

von Alexandra Bondi de Antoni
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28 Juli 2015, 8:00am

In unserer neuen Serie Introducing stellen dir heute Better Person vor. Adam ist vor drei Jahren nach Berlin gezogen, hat in den letzten Jahren schon mit einigen Leuten an anderen musikalischen Projekten gearbeitet und wird im Winter seine erste eigene EP veröffentlichen. Seine Musik ist Pop, der ins Ohr geht und der einen mitschaukeln lässt.

Es ist ein warmer Julitag, als ich mich mit Adam in einem kleinen Cafe auf der Pannierstraße treffe. Die Fashionweek findet gerade in Berlin statt und ich bin heilfroh, mit einem Menschen, der nicht aus der Modebranche kommt, sprechen zu dürfen. Wir setzten uns auf eine Bank, essen Schokoladenkuchen, Adam ist etwas angeschlagen und fährt am Abend noch nach Wien, wo er einen Auftritt hat. Er nimmt sich Zeit, wenn er antwortet, ist bedacht und man merkt, dass er ein junger Mann Mitte Zwanzig ist, der weiß, was er will. Er redet selbstbewusst über seine Entwicklung und sein Dasein als Musiker. Manchmal grinst er verschmitzt und raucht eine Zigarette nach der anderen.

Wie bist du aufgewachsen?
Ich bin in einer kleinen Stadt am polnischen Meer aufgewachsen und dann mit 19 für ein paar Jahre nach Warschau gezogen. Vor drei Jahren bin ich dann nach Berlin gekommen.

Warum gerade Berlin?
Berlin hatte immer eine gewisse Anziehung für mich. Es ist unglaublich billig und man lebt hier so leicht, viel billiger und leichter als in Warschau.

Wie würdest du die kreative Szene Berlins beschreiben?
Alles ist so relaxed. Es scheint so, als würde sich niemand auch nur im Geringsten stressen. Das kann natürlich gefährlich werden. Man kann schnell nur halb bei der Sache sein, weil man so leicht abgelenkt wird. Hier passiert so wahnsinnig viel. Du kannst machen, was du willst, wann du willst und niemand wird dem ganzen Beachtung schenken. Die Mieten sind so billig, du musst kaum arbeiten. Das ist wirklich gut für mich, weil ich so faul bin.

Ist das für die meisten Menschen nicht genau anders rum? Je leichter man in einer Stadt leben kann, desto schwieriger kann man sich motivieren, wirklich etwas Produktives zu tun?
Ja, für viele sicher. Berlin ist so eine Party - Stadt, als ich hierhergekommen bin, war ich ständig unterwegs und habe mich treiben lassen. Momentan arbeite ich aber nur und bin sehr fokussiert und konzentriert. Die Gelassenheit Berlins inspiriert mich, endlich mehr zu tun. Ich habe mich einfach an den Berliner Lebensstil angepasst.

Wie hat dich Berlin verändert?
Seit ich in Berlin bin, bin ich viel entspannter. Mich interessiert es nicht mehr so sehr, was die anderen von mir denken. Die Musikszene in Warschau ist schrecklich urteilend. Hier ist es ganz anderes. Wie schon gesagt, Berlin ist so offen. Ich habe hier so viele Menschen kennengelernt, die so denken wie ich. Ich mache einfach, was ich will und denke nicht mehr so viel nach. Vielleicht ist es also nicht die Stadt selbst, sondern eher die Menschen, die ich kennengelernt habe. Mein Freundeskreis ist wie eine große Familie, in der alle Ähnliches tun. 

Wann hast du begonnen, Musik zu machen?
Mein Elternhaus war immer voller Musik. Mein Vater hat mich früher zu Shows mitgenommen. Ich hatte keine andere Wahl, als mitzugehen und zuzuhören. Ich habe ziemlich früh überlegt, in eine Musikschule zu gehen, habe es dann aber sein lassen. Es war ein zu großes Commitment. Ich habe Gitarrenunterricht genommen, war aber schnell gelangweilt. Ich merkte, dass ich niemals ein Instrumentalist sein werde. Mein Vater liebt Alternativ-Rock. Ganz eine andere Musik, als die, die ich mache. Er ist stolz auf mich, aber versteht es nicht ganz, weil er mit meiner Musik, glaube ich, nicht so viel anfangen kann. Bevor ich mich nun entschlossen habe, alleine Musik zu machen, habe ich in vielen verschiedenen Bands vor allem in Polen gespielt.

Wie bist du dazu gekommen, Popmusik zu machen?
Ich hatte natürlich ganz viele Phasen. Jedoch finde ich, dass Pop der leichteste und genaueste Weg ist, sich selbst auszudrücken. Pop ist einfach unglaublich direkt.

Pop ist oftmals unglaublich kitschig.
Ja, das auch, aber mir gefällt dieser Kitsch. Ich mag es, Musik zu machen, die vielleicht ein bisschen zu viel ist. Das ist viel interessanter, hat mehr Charakter. Ich mag allgemein Dinge, die ein bisschen zu viel sind. Auch in der Kunst. Michael Jackson ist ein perfektes Beispiel dafür. Er war immer in allem zu viel und es war großartig. Ich mag diese Einstellung: Kitschig sein, ganz ohne Ironie. Mich interessiert Ironie nicht. Ich will mit meiner Musik keinen Witz machen.

Unsere Generation hat ein Problem damit, Gefühle zu artikulieren. Deshalb ist es für mich leichter, Emotionen in Songs zu verpacken und nie mehr darüber sprechen zu müssen.

Wie wichtig ist dir dein Aussehen? 
Ich mag es, mich gut anzuziehen und gut auszusehen. Es ist wichtig, auf der Bühne nach etwas auszusehen. 

Zum Abschluss muss ich dir noch diese Frage stellen: Was macht eine Better Person aus?
Ich werde diese Frage sicherlich sehr oft gestellt bekommen (lacht). Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ich würde sagen, dass eine Better Person eine Person ist, die ehrlich und freundlich ist. Fragil, aber selbstbewusst. Sie ist niemals zynisch und urteilt niemals, da nur unsichere und schwache Menschen so etwas tun. Eine Better Person ist immer offen der Welt gegenüber, aber auch zurückhaltend und hat zur gleichen Zeit ein unglaubliches Taktgefühl.

Die erste EP von Better Person erscheint im Winter bei Mansions and Millions.

@BetterPerson

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Credits


Text und Interview: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: Moritz Freudenberg
Video: Sylvie Weber
Produktion: Alexandra Bondi de Antoni
Musik: Better Person (Mansions & Millions)
Vielen Dank an: Kevin Halpin, Emma Czerny, Anton Teichmann, Eric Halpin, Moritz Freudenberg, Sean Nicholas Savage und Jason Harvey. 

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