Der deutschen Teenslut-Girlgang geht es um Körperakzeptanz, Selbstliebe und Spaß am Leben

Wir haben mit der polarisierenden Anführerin der TEEN SLUT-Girlgang über Selbstakzeptanz, Selbstliebe und darüber, warum Komplimente die Welt verändern können, gesprochen.

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Juli 20 2016, 8:25am

Alexis ist Gründerin der Girlgang TEEN SLUT, welche aufgrund ihrer Diplomarbeit in München entstand. Weil sie der Meinung war, dass sich besonders Frauen gegenseitig unterstützen sollten, gründete sie TEEN SLUT als eine Plattform, um mit ihren besten Freundinnen gegen die Spießigkeit ihrer damaligen Wahlheimat München zu rebellieren und sich selbst und ihre Weiblichkeit zu erforschen.


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Während man deutsche Instagram-Accounts, die sich mit einem positiven Körperbild und ungeschminkter Weiblichkeit auseinandersetzen, an einer Hand abzählen kann, ist TEEN SLUT eine erfrischende Ausnahme. Unerschrocken postet die 28-Jährige Fotos von ihrem eigenen Körper, zeigt ihren Bauch und lebt ihre Weiblichkeit voll aus – inspiriert wurde sie dabei von Karley und ihrem Blog slut ever . Was mit dem Wunsch begann, den Leuten die Augen zu öffnen und zum Nachdenken über die eigene Engstirnigkeit zu bewegen, mündete in einem Protest gegen herkömmliche Schönheitsideale.

Alexis, die mittlerweile wieder in Innsbruck lebt, demonstriert uns auf wunderbare Weise, warum wir unseren Körper akzeptieren und lieben sollten, so wie er ist. Grund genug, um die Anführerin der Gang zu fragen, wie ihre Glitzerwelt aus Pikachus und Selbstakzeptanz denn eigentlich so aussieht ...

Wenn man sich deinen Instagram-Account anschaut, hat man das Gefühl, dass du dich sehr in deinem Körper wohlfühlst. Hast du so etwas wie ein Schönheitsideal?
Ich habe keins! Was ich schön finde ist Selbstbewusstsein und Menschen, die sich selbst akzeptieren. Es ist nicht leicht, sich in einer Welt schön zu finden, in der Body-Shaming an der Tagesordnung steht. Ich finde, dass man zu seiner Weiblichkeit stehen muss. Eine Freundin meinte letztens zu mir, dass wir als Frauen immer auch eine Bürde mit uns tragen: Wir sind in unseren Frauenkörper hineingeboren worden und müssen damit klar kommen, ob wir wollen oder nicht. Mit diesem c at calling—immer von außen betrachtet und sexualisiert zu werden, sobald man sich etwas körperbetonter anzieht—kommen nicht alle Frauen gut zurecht. Ich wollte früher immer ein Junge sein, weil mir das alles zu viel war und dachte, dass sie es einfacher haben. Heutzutage grenzt es schon fast an eine bemerkenswerte Leistung, sich akzeptieren zu können.

Hast du deinen Körper schon immer so akzeptiert und geliebt, wie er ist?
Auf gar keinen Fall, das ist erst seit circa einem Jahr der Fall. Ich habe mich davor immer wegen meiner Cellulite geschämt und war mit meinem Körper unzufrieden. Dabei ist Cellulite völlig normal. Mein Schlüsselerlebnis war im Urlaub, wo ich vor Augen geführt bekommen habe, wie scheißegal anderen Leuten ist, wie ich aussehe. Die Einzige, die sich das Leben schwer macht, bist du selbst.

Das hört sich alles sehr real an. Wie wichtig ist dir denn Authentizität im Internet?
Das hängt davon ab, wie sehr man das für sich selbst macht oder nur um zu provozieren. Ich habe nie großartig darüber nachgedacht, was ich da überhaupt mache, das kommt ganz natürlich. Das Internet ist aber nicht das echte Leben! Klar, bin ich das auf meinem Instagram-Account, aber du weißt nie, welche Geschichte hinter dem Menschen steckt. Im Internet komme ich zum Beispiel oft etwas überdrehter oder sexueller rüber. Vorurteile zu haben, ist einfach scheiße. Wenn ich eins gelernt habe, dann positiv zu sein! Egal ob es auf negative Kommentare im Internet oder unangenehme Blicke im echten Leben bezogen ist, du bist immer das, was du ins Universum rausschickst. Ich glaube daher, dass man mit positiven Gedanken viel verändern kann. Viele der inszenierten Accounts sind einfach nur Mitläufer, das ist genau genommen auch einfacher als sein eigenes Ding zu machen. Auch wenn du dich natürlich an anderen orientierst und dich von der einen oder anderen Sache inspirieren lässt, das ist ganz normal.

Wie gehst du mit den eben erwähnten negativen Kommentaren um?
Ich habe eine dicke Haut, was das angeht. Schon als Kind bin ich immer angeeckt, weil ich kein Freund von Ungerechtigkeit bin und noch nie meinen Mund halten konnte. Die meiste Zeit finde ich die negativen Kommentare eher amüsant und frage mich: "Hey, wo ist mein Popcorn?". Ich glaube, dass machen Menschen, die mit ihrem Leben auf irgendeine Art und Weise unzufrieden sind und das an mir auslassen müssen.

Du wirst oft als Feministin bezeichnet, siehst du dich selbst auch so?
Jede Frau, die sich mit dem eigenen Körper in der Gesellschaft beschäftigt, ist im Grunde genommen eine Feministin. Mit diesem Begriff schmücken sich aber leider gerade viel zu viele Menschen auf Instagram, die sich einfach nur nackt darstellen. Irgendwo haben sie damit Recht, aber irgendwie machen sie es sich auch zu einfach. Die Werbegesellschaft basiert auf einem Sex-Sells-Prinzip, daher grenzt es schon fast an Normalität, dass diverse Dinge mit Frauenkörpern beworben werden. Warum darf ich das dann nicht selbst mit meinem Körper machen? Viele haben ein Problem damit, vor allem wenn sie mich persönlich kennen. Kim meinte dazu mal, dass wir Frauen uns im Prinzip auch nur wieder so darstellen, wie es die Männerwelt will. Wir sind – auch wenn es aufgrund eigener Entscheidungen erfolgt – nur Marionetten, weil wir trotzdem gut dabei aussehen wollen, wenn wir unsere Cellulite oder Dehnungsstreifen zeigen.

Würdest du sagen, dass du deinen Körper automatisch liebst, wenn du dich als Person liebst?
Nein, das würde ich nicht sagen. Ich liebe mich als Person noch nicht so sehr, wie ich meinen Körper akzeptiert habe. Ich habe Probleme, wie jeder andere auch. Oft bist du mit deinem Körper zufrieden, aber nicht mit dem, was du bereits in deinem Leben erreicht hast.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der sich unwohl mit seinem Körper fühlt?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich großartige Tipps parat habe, das muss jeder für sich selbst fühlen. Aber hey, du musst dich für deinen Körper wirklich nicht schämen! Du musst dich selbst lieben, bevor du in der Lage bist, jemand anderen zu lieben. Manchmal bekomme ich Kommentare von Frauen, die sagen, dass sie durch meine Bilder wachgerüttelt wurden und plötzlich realisieren, wie wunderschön sie eigentlich sind, so wie sie sind. Das ist wirklich mit das Schönste, so etwas zu hören. Du musst den ganzen typischen medialen Vorbildern nicht folgen oder dich einschüchtern lassen!

Welche Botschaft möchtest du der Welt mitteilen?
Ich wünsche jedem, dass er sich sich selbst lieben und akzeptieren kann und Spaß bei allem hat, was er tut. Nimm dich selbst und andere nicht zu ernst, das gilt genauso für die ganzen Selbstdarstellungen im Internet. Ich finde es schade, dass vor allem Frauen sich viel zu wenige Komplimente untereinander machen, dabei ist es so einfach Menschen mit so etwas glücklich zu machen. Sagt einander, wenn ihr euch cool findet. Liebe wird nicht weniger, wenn man sie teilt, sondern nur mehr!

@teenslutgirlgang